Der Weltladen sucht in der Stadt Wolfratshausen eine neue, zentralere Ladenfläche. Doch nicht nur die Mietpreise sind eine Herausforderung.
Wolfratshausen – Die Wolfratshauser Schokolade ist recht beliebt. Einen Kaffee mit dem Label der Flößerstadt gibt‘s beim Besuch unserer Zeitung sogar im Angebot. Viel wichtiger als das Wolfratshausen-Logo sind zwei andere Dinge auf der Plastikverpackung: das Bio-Zertifikat und das Faitrade-Logo, das darauf gedruckt ist.
Leider gibt es kaum Laufkundschaft
Alles, was in den Regalen am Untermarkt 71 steht, wurde auf diese beiden Kriterien geprüft. Egal ob Kakao und Süßwaren, Bastkörbchen, bunte Schals oder Osterdekoration: „Alles hier ist bio und fair gehandelt“, sagt Ruth Kohlhepp. Sie sitzt hinterm Verkaufstresen und tut das, was die Verkäufer im Weltladen oft machen: Sie guckt aus dem Fenster und wartet. „Wir haben treue Stammkunden, aber die Laufkundschaft kommt hier nicht raus“, sagt Annette Heinloth. Die Dritte Bürgermeisterin ist Chefin der Fairtrade-Gruppe in der Loisachstadt – und war davor schon Fan des Konzepts des Weltladens. Sie ist mit dem Fahrrad gekommen, stellte das auf dem recht engen Gehsteig ab. Kurz geht das. Wer mit dem Auto einkaufen möchte, sucht einen Parkplatz in der Umgebung. Zu Fuß kommt kaum jemand an dem Doppelhaus am Untermarkt 71 vorbei, gegenüber der Musikschule, am weit verlängerten Ende der Marktstraße. Die Ehrenamts-Euphorie der Frauen, die dort versuchen, gute Waren fürs gute Gewissen an den Mann oder die Frau zu bringen, dämpft das erheblich.
(Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)
Inzwischen sind nur noch wenige Helfer übrig, erklärt Ruth Kohlhepp. Die Öffnungszeiten sind dementsprechend abgespeckt: Mittwochs und samstags macht der Laden von 9.30 bis 12.30 Uhr auf – freitags ebenfalls und zusätzlich am Nachmittag für zwei Stunden. Ein neuer, zentralerer Anlaufpunkt könnte das Problem lösen, glauben die Ehrenamtlichen. „Es ist interessant, wie wenig der Laden bisher im Bewusstsein der Bevölkerung ist“, sagt Heinloth – und das, obwohl er seit 1990 an dieser Stelle Importprodukte unter die Wolfratshauser bringt. „Wer davon hört oder sieht, was es alles gibt und was es mit dem Geschäft auf sich hat, ist oft begeistert.“
Derzeit ist die Miete „sensationell niedrig“
Der Laden möchte umziehen, um nicht nur sein klassisches Nischenpublikum zu bedienen. Die Fairtrade-Gruppe unterstützt die wichtige Einrichtung dabei. Gemeinsam mit dem Weltladen in Waldram ist das Geschäft am Untermarkt das Rückgrat des fairen Angebots in der Stadt. Das Ziel ist ein zentralerer Ort. Am liebsten möchte man mitten in der Markstraße Kaffee und Blumenschmuck verkaufen. Leerstände gibt es dort zwar regelmäßig, selten allerdings zu den Konditionen, die der Weltladen akzeptieren könnte. Derzeit sei die Miete „sensationell niedrig“, weiß Heinloth, und trotzdem ist die Einrichtung auf monatliche Zuschüsse der Stadt angewiesen – 100 Euro zahlt die Kommune der Initiative dafür. Für das Mini-Budget lassen sich die wenigsten privaten Vermieter begeistern. Die Fairtrade-Gruppe sucht nach Alternativen.
Ehemaligen Happsche Apotheke scheidet als Standort aus
Annette Heinloth äußert sich nicht zu konkreten Plänen. Auch auf Nachfrage verrät sie nicht, ob das Kotz-Anwesen am Marienplatz im Fokus der Initiative steht. Die Stadt hat wie berichtet das Gebäude erworben und saniert es derzeit. Ein Weltladen in der denkmalgeschützten ehemaligen Happschen Apotheke hat sich zerschlagen: Einen Antrag, den fairen Handel in dem Gebäude am Untermarkt, zog die Gruppe ohne Aussicht auf Erfolg zurück.