Rudolf Meyer aus Rotenburg bucht einen Parkservice am Frankfurter Flughafen. Drei Wochen lang lässt er sein Auto während des Urlaubs dort stehen. Alles läuft problemlos. Bis er merkt, dass sein Audi in der Ferienzeit ohne ihn Tausende Kilometer durch die Gegend gefahren wurde.
Rotenburg/Frankfurt – Sein Auto hat er wieder. „Es hätte ja auch noch schlimmer kommen können“, sagt Rudolf Meyer und lacht. Der 68-jährige Rotenburger möchte sich die Laune nicht verderben lassen, auch wenn er weiß: Da hat ihn wohl jemand gehörig betrogen. Drei Wochen ist er im Urlaub, drei Wochen gibt er seinen Audi Q5 bei einem Parkservice am Frankfurter Flughafen ab. Während er mit seiner Frau, einer gebürtigen Thailänderin, die Familie in Fernost besucht, geht sein Wagen offensichtlich auch auf Reisen. Auf der Rückfahrt nach dem Urlaub von Frankfurt nach Rotenburg weist der Tacho fast 2 .700 Kilometer mehr auf.
Illegale Autovermietung? Urlauber findet nach Reise sein Auto mit 2.700 Kilometern mehr vor
Der Reihe nach: 24 Jahre ist Rudolf Meyer mit seiner Frau Janraem verheiratet. So oft es Zeit und Budget zulassen, besuchen sie ihre Familie in Thailand. Ein bis zwei Mal pro Jahr klappt das, berichtet Meyer. Im August sollte es wieder so weit sein. Weil seine Frau Direktflüge bevorzugt, buchen die beiden Thai Airways von Frankfurt. Ein bisschen mehr Fahrerei, dafür kein lästiges Umsteigen. Meyer schaut im Internet, wo er günstig seinen Wagen abstellen kann für die drei Wochen Urlaub. Offizielle Parkhäuser hat er schon oft gebucht, aber es gibt Angebote.
Meyer stößt auf „Skyway Parking“. Die Website sieht gut aus, von den zum Teil schlechten Bewertungen bei Google lässt er sich nicht abschrecken. Die meisten sehen ja auch gut aus. „Da war ich wohl ein bisschen blauäugig“, so der 68-Jährige im Nachhinein. Dabei läuft zunächst alles glatt. Die Buchung über die Website geht schnell, 115 Euro für drei Wochen sind ein Schnäppchen für Frankfurter Verhältnisse. Direkt am Terminal wird ein Treffpunkt mit einem Mitarbeiter ausgemacht, dem übergibt Meyer die Autoschlüssel. „Skyway Parking“ wirbt mit gesicherten Parkplätzen auf einem Firmengelände nicht weit entfernt.
Billiger Parkservice am Frankfurter Flughafen: Nach Urlaub kommt es zu Ungereimtheiten
Drei Wochen später kehrt die Familie Meyer zurück. Sie kontaktieren den Parkservice, erhalten vor dem Terminal die Autoschlüssel zurück, der Wagen steht bereit. Alles gut? Auf der Rückfahrt werden die Meyers stutzig. Der Tank ist etwas voller als bei der Abgabe, der Innenraum schön gesäubert, es riecht leicht nach Zigaretten. Vor der Abgabe hatte Rudolf Meyer zu Kontrollzwecken den Tacho fotografiert: 187 .269 Kilometer. Drei Wochen später: 189 .931 Kilometer. Wieso wurde sein Audi 2 .662 Kilometer gefahren? Meyer: „Ich nehme an, es gab einen illegalen Autoverleih.“
Wieder zuhause in Rotenburg, versucht Meyer, „Skyway Parking“ zu erreichen. Die Nummer, die bei der Buchung noch kein Problem war, ist nicht mehr erreichbar. Meyer schreibt E-Mails, fordert Erklärungen und eine Entschädigung. Der Geschäftsführer von „Skyway Parking“ nimmt wohl nicht nur die persönlichen Beschwerden zur Kenntnis, sondern dürfte auch bemerkt haben, dass Meyer entsprechend kritische Bewertungen im Netz hinterlässt. Zudem hat das Unternehmen mittlerweile von der Kreiszeitung Nachfragen erhalten. Fragen der Presse beantwortet der Geschäftsführer nicht.
Mitarbeiter vom Parkservice schuldig? Geschäftsführer liefert Erklärung
Wohl aber wendet er sich schriftlich an Meyer und bestätigt „ein Unterschlagungsdelikt in unserem Unternehmen“. Es seien „diverse Fahrzeuge im Parkzeitraum unrechtmäßig bewegt“ worden. Den Mitarbeitern, die dafür verantwortlich seien, habe er umgehend fristlos gekündigt und die Polizei informiert. Er bietet eine Entschädigung an, möchte aber das Thema nicht mehr in der Öffentlichkeit behandelt sehen. Bewertungen oder die „Weitergabe des Themas an Dritte“ seien zu unterlassen. Bis heute wartet Meyer auf ein konkretes Angebot zur Entschädigung.
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Meyer erhält auch andere E-Mails auf seine Bewertungen, in denen von „privatem und gewerblichem Missbrauch“ geparkter Wagen die Rede ist. Ein undurchsichtiges Geschäft. Das Handelsregister weist den Geschäftsführer von „Skyway Parking“ unter anderem auch als Unternehmer im Bereich Gebäudereinigung, Logistik, Onlinehandel, Sicherheitsdienst und Arbeitnehmerüberlassung aus.
„Wilde Angebote“ am Flughafen Frankfurt: Fraport warnt
Beim Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, weiß man um die Probleme mit „unterschiedlichsten wilden Angeboten“. Pressesprecher Christian Engel verweist deswegen auf die eigenen 15 .000 Parkplätze, zusätzliche 8. 500 seien aktuell im Bau. Die hätten zwar ihren Preis. Aber: „Eines ist hier sicher: das Auto.“ Gegen die „wilden“ Anbieter gehe man zwar vor, wenn Verstöße erkennbar seien. Aber ein Flughafen sei eben auch ein öffentlicher Raum, den jeder betreten dürfe. Solange dort nichts Unrechtmäßiges geschehe, werde ein Einschreiten schwierig.
Der Fall ist mittlerweile auch bei der Rotenburger Polizei aktenkundig. Meyer hat Anzeige erstattet, die Ermittlungen wegen „unbefugten Gebrauchs eines Fahrzeugs“ oder gar Betrugs laufen an, heißt es. Allzu große Chancen auf juristischen Erfolg oder Wiedergutmachung hegt Meyer allerdings nicht. Dennoch will er keine Ruhe geben. „So etwas gehört sich nicht“, sagt er. „Ich war bestimmt nicht der erste, dem das passiert ist.“