München – Große Ernüchterung in Zahlen. Der Bayerische Brauerbund informiert über das historische Absatzminus von 4,5 Prozent. 2025 sind 17,1 Millionen Hektoliter Bier weniger verkauft worden als im Vorjahr. „Solche Einbrüche sind uns selbst in Corona-Jahren fremd gewesen“, sagte Präsident Georg Schneider gestern. Erfreulich sei, das alkoholfreie Biere weiter immer beliebter würden. Der Gesamtbierausstoß liegt bei 25 Millionen Hektolitern, davon macht Alkoholfreies nun zehn Prozent aus.
Preisdruck, Fachkräftemangel und gedämpfte Konsumlaune
Schneider forderte, Bürokratie abzubauen. Nicht nur der Preisdruck durch Handelsriesen lässt mittelständische und familiengeführte Brauereien kämpfen, auch steigende Betriebskosten und Fachkräftemangel. Dazu kommt die gedämpfte Konsumlaune.
Auf letztere hat vieles Einfluss: „Politische und wirtschaftliche Unsicherheit der Konsumenten trifft uns genauso wie der demografische Wandel“, sagte Schneider. „Vor uns liegt bildlich keine Alterspyramide mehr, sondern ein alter Schwammerl.“ Der Feierabendbier-Trinker stirbt, deutlich weniger Menschen rücken nach – mit weniger Lust auf Bier. Der Pro-Kopf-Konsum lag 2024 bei 88 Litern. Damit ist er seit Höchststand 1976 um 63 Liter zurückgegangen.
Export in Drittstaaten bricht 18,3 Prozent ein
Der Blick ins Ausland ist ebenfalls ernüchternd: Der Export in andere EU-Länder ist nur um 1,7 Prozent gefallen, der in Drittstaaten aber um 18,3. Italien bleibt mit 1,5 Millionen Hektoliter das bedeutendste Ziel, gefolgt von China (500 000) und Österreich (400 000).
Neue Getränkegattungen als Lösung?
„Wir wissen, Menschen werden immer trinken. Die Jugend schaut sich nach Neuem um“, sagte Schneider. „Also müssen wir uns mit neuen Getränkegattungen beschäftigen, für deren Herstellung sich Brauereiausstattung nutzen lässt. Das gilt für Erzeugnisse wie Limo und Spezi, für Eistee, Mate-Produkte oder ‚Liquid food‘, dessen Entwicklung am Anfang steht.“ Mit der TUM in Weihenstephan forsche man zu neuen Produkten auf dem sich rasch wandelnden Markt.
Stefan Kreisz wird neuer Präsident des Bayerischen Brauerbundes
Zudem kam gestern eine wichtige Personalie auf den Tisch: Georg Schneider wird als Brauerbund-Präsident nicht zur Wiederwahl antreten. „Ich wollte mich schon vergangenes Jahr zurückziehen, leider ist mein geplanter Nachfolger plötzlich verstorben. Zehn Jahre reichen, ich finde Rotation auch im Ehrenamt wichtig.“ Im Mai wird Stefan Kreisz von der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu Werner Brombach GmbH Brauerbund-Präsident. (sco)