Edle Weine aus Altbayern mit Ammersee

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Hoch über dem See auf Uttinger Flur wächst der Ammersee-Wein von Uli Ernst. © Ernst

Bei edlen Tropfen aus Bayern denkt man sicher zuerst an Frankenwein. Im Fünfseenland aber auch an die ,Ammersee Winery‘ von Uli Ernst in Utting, der mit seinem Sauvignac vom Weintraubenanbau an den Südhängen des Ammersees für Aufsehen gesorgt hat.

Dießen/Utting – Jetzt war der umtriebige Unternehmer – er betreibt neben Weinanbau auch eine Bio-Landwirtschaft, einen Hochseilgarten und das Ex Ornamentis-Labyrinth – Gastgeber bei der Mitgliederversammlung der „Baierwein-Gesellschaft“. In diesem Verein haben sich 91 Weinbauern vornehmlich aus Altbayern vernetzt, um ihre traditionellen Weinberge und Anbaugebiete zu erhalten: Hobby-Winzer und ein Dutzend ausgebildete Erwerbswinzer, darunter drei biozertifizierte Betriebe mit jeweils einigen tausend Reben vom Samerberg am Alpenrand bis nach Rattenberg im Bayerischen Wald, von Passau die Donau aufwärts bis Höchstadt sowie an Inn, Isar, Rott und Laber bis nach Utting am Ammersee.

Die ältesten Nachweise auf Weinanbau in Franken stammen aus dem 8. Jahrhundert. Der Weinanbau in Altbayern, besonders an den Südlagen der Donau, dürfte aber bereits in der Römerzeit begonnen haben. Erste urkundliche Erwähnungen gehen auf das 6. und 7. Jahrhundert nach Christi zurück. Die Südhänge des Ammersees von Uli Ernst wurden sogar schon vor 2.000 Jahren für den Weinanbau genutzt. Auf den Feldern seines Hofs stand damals die berühmte Villa Rustica. Sie hatte den Auftrag, die in der Region stationierten Soldaten und Beamten mit Lebensmitteln und Wein zu versorgen. Auf diesen historischen Spuren wandelten die Baierwein-Weinbauern unter der fachkundigen Führung von Uli Ernst.

Baierwein-Treffen - Ammersee
Önologischer Erfahrungsaustausch bei ,Baierwein‘ am Ammersee: Norbert Krieger, Josef Kellerer, Uli Ernst, Wolfgang Rüby und Prof. Dr. Andreas Otto Weber (von links). © Roettig

Vor der Tour durch die Uttinger Rebstöcke mit anschließender Verkostung fand im „Kramerhof“ in Dießen-Riederau die offizielle Mitgliederversammlung statt. Vorsitzender Wolfgang Rüby konnte illustre Gäste begrüßen wie Prof. Dr. Andreas Otto Weber, den Präsidenten der „Gesellschaft für die Geschichte des Weines“ und Norbert Krieger, „Bruderschaftsmeister“ der traditionsreichen Landshuter Weinzierlbruderschaft. Laut ihrer Zunftordnung von 1639 haben einst 125 Ortschaften in Niederbayern Weinbau betrieben. Bei der jetzt wieder aufblühenden Weinszene rund um Landshut will Norbert Krieger die gymnasiale Jugend begeistern und „Weinbau“-Projektseminare initiieren.

Unter den Gästen war auch Josef Kellerer, Alt-Oberbürgermeister von Fürstenfeldbruck, der 18 Jahre lang die Geschicke der Kreisstadt geleitet hat. Jetzt im Ruhestand baut der gelernte Landwirtschaftsmeister auf seinem Hof im Brucker Stadtteil Aich hobbymäßig Wein an wie den „Oacher Kirchberg“.

Highlight der Versammlung war der Vortrag von Dr. Matthias Mend, dem Institutsleiter für Weinbau und Önologie an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. Er referierte zum komplizierten Thema Weinrecht und insbesondere zum Namensrecht im Hinblick auf die angestrebte „geschützte geografische Angabe Baierwein“ für Weine aus Altbayern. Bei diesem bürokratischen Meisterstück müsse sogar das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sein Okay geben.

Wein-Renaissance

Wie Wolfgang Rüby im Gespräch mit dem KREISBOTEN betonte, erlebt der Baierwein dank dem Einsatz des Vereins gerade eine echte Renaissance. Bayern sei früher kein Bier-, sondern ein Weinland gewesen. Erst durch die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges, die Klimaverschlechterung durch die „Kleine Eiszeit“ und die daraus resultierenden Missernten führten bei gleichzeitiger Verbesserung der Bierqualität zum Niedergang des Weinbaus in Altbayern.

Der im 19. Jahrhundert aus Amerika eingeschleppte echte und falsche Mehltau sorgte für das fast gänzliche Garaus. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann sich der Weinanbau von Regens­burg ausgehend langsam zu erholen. Im November 2018 habe sich schließlich eine Handvoll Idealisten im historischen Weindorf Bruckberg bei Landshut getroffen, um mit der Gründung des Vereins Baierwein die Renaissance einzuleiten.

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