Seit einigen Jahren leben Gänse am Feringasee und hinterlassen in der Wiese ihr Geschäft. Zum Ärger einiger Badegäste. Doch dem Landratsamt sind die Hände gebunden.
Unterföhring - Sie vertilgen Ernten, nehmen Freiflächen ganzer Kommunen in Beschlag, vertreiben Störche und Nudisten, gefährden mitunter sogar den Flugverkehr. Wildgänse sind vielerorts zum Problem geworden. Am Feringasee müssen sich Erholungssuchende mit den Hinterlassenschaften der Tiere arrangieren. Der ein oder andere wähnt sich vom Landratsamt im Stich gelassen.
Gaby Wagner (64) und Markus Schreiber (65), ein Rentner-Paar aus Oberföhring, leben den Traum textilfreier Entspannung. Die am Südufer des Feringasee ausgewiesene Freikörperkultur-Fläche (FKK) ist ihr zweites Wohnzimmer. Seit ein paar Jahren aber machen ihnen Gäste aus dem nahen Vogelschutzgebiet am Ismaninger Speichersee die Liegewiesen streitig. Die Tiere – vornehmlich Graugänse und wohl auch ein paar Kanadagänse – widmen sich mit großem Appetit den kurz gehaltenen Wiesen. Ihre Hinterlassenschaften nehmen überhand.
Drei Rechen als pragmatisches Angebot zur Selbsthilfe
Das Nudisten-Paar beklagt unhaltbare Zustände. Die Hilferufe der beiden nehmen mit jedem Monat an Intensität zu: Um den Kotwürsten der Gänse auszuweichen, sähen Badegäste sich inzwischen genötigt, einen regelrechten Slalomparcours zu bewältigen. Die von Kindern zum Spielen genutzten Sandflächen seien ebenfalls voller Tretminen. Die Wasserqualität drohe zu kippen.
Die Liegewiese eine XXL-Toilette für Wildgänse? Das könne nicht angehen! Der Feringasee sei schließlich als Naherholungsgebiet ausgewiesen. Vom Landratsamt sieht sich das Paar im Stich gelassen. Dass Wiesen und Sandflächen regelmäßig gereinigt würden, bezweifeln sie. „Da passiert gar nichts“, ist Wagner überzeugt. Sie habe sogar beobachten können, dass Kot unter den Sand gehoben würde. „Die ziehen den Rechen so lange hin und her, bis nichts mehr zu sehen ist.“ Neulich habe man ihnen empfohlen, an den Gänse-freien Heimstettener See zu wechseln. FKK gibt es dort nicht. Für den Fall, dass sie bleiben, habe man ihnen drei Rechen dagelassen. „Jetzt sollen wir also selbst die Lösung sein?“ Markus Schreiber und seine Partnerin fühlen sich veralbert: „Die machen sich lustig über uns.“
Bejagung schwierig – Landratsamt lässt Wiesen mähen und Kot aufsammeln
Wie Berichte landauf und landab belegen, lassen sich die intelligenten Tiere höchst ungern verscheuchen. Maßnahmen der Vergrämung – Lärm, durch Sensoren ausgelöste Lichtreflexe, Greifvögel - schlagen fehl. Bejagung ist rechtlich schwierig. Die Tiere haben ihren eigenen Kopf. Im Kreis Segeberg sollen Kanadagänse sogar Störche aus Nestern vertrieben haben, die Anwohner ihnen gebastelt hatten. Das Bundesamt für Naturschutz weist die Viecher als invasive Art aus. Im Grunde also als Bedrohung für Flora und Fauna.
Die machen sich lustig über uns.
Im Landratsamt ist man sich der Problematik bewusst. Im nahen Schutzgebiet sind die Vögel aber „als Erhaltungsziel geführt“. Mal eben einen Jäger zu entsenden, das geht einfach nicht. In Intervallen zwischen sieben Tagen und vier Wochen würden die Wiesen gemäht, der Kot aufgesammelt. Der Sand soll sogar täglich durch eine beauftragte Firma gereinigt werden. Die zur Verfügung stehenden Rechen betrachtet man als „pragmatisches Angebot zur Selbsthilfe“, das von „einigen Besuchern gut und gerne angenommen“ würde. Bejagung wiederum ist Sache des jeweiligen Jagdpächters. Am Feringasee herumzuballern, ist laut Landratsamt zu gefährlich. Darüber hinaus sind die Gänse vom 15. Januar bis 1. August geschützt.
Der Zuflug aus dem Vogelschutzgebiet sei schlichtweg nicht zu verhindern. Gemeinsam mit Erholungsflächenverein und Gänseberatern anliegender Kommunen suche man nach Lösungen. „Wir verstehen, dass die Situation für einige Besucher nicht zufriedenstellend ist“, heißt es. Man bitte aber um Verständnis dafür, dass Wildtiere wie Gänse zur natürlichen Umgebung eines Naherholungsgebiets gehörten. Vogelfreunde sind angehalten, die Wildgänse nicht unnötig zu füttern.