Die Anlaufstellen für Mädchen und Frauen ist zu den Zeiten mit dem erwarteten höchsten Besucherandrang und Alkoholkonsum besetzt: freitags und samstags von 18 bis 0 Uhr.
Erding - Die letzten Vorbereitungen laufen gerade. Thorsten Neidlein wird noch ein großes Banner bringen, auf dem es dann ganz groß zu lesen sein wird: „Safe-Point“. Ein Herbstfest-Projekt vom vergangenen Jahr wird heuer wiederholt – und sogar noch optimiert.
Damals hatten unter anderem die Stadträtinnen Helga Stieglmeier, Petra Bauernfeind und Verena Comperl die Idee, auf dem Erdinger Herbstfest einen Treffpunkt für Mädchen und Frauen einzurichten. Es sollte eine Zufluchtsstelle sein, die einen sicheren Ort vor sexuellen Belästigungen und Übergriffen bietet. Betrieben wurde dieser „Safe-Point“ vom BRK-Frauennotruf.
Mit vier Frauen besetzt
Und das wird er auch heuer. „Er wird jeweils freitags und samstags von 18 bis 0 Uhr mit vier Frauen besetzt sein“, sagt BRK-Pressesprecherin Danuta Pfanzelt, die neben der täglich anwesenden Projektleiterin Steffi Irmscher-Grothen eine der Ehrenamtlichen sein wird. Gerne würde man den Service die komplette Festwoche über anbieten, „aber da fehlt es uns am Personal, denn die Betreuerinnen müssen ja auch entsprechend ausgebildet sein“.
Der Bedarf sei durchaus gegeben, meint Pfanzelt. Sie habe zwar keine Zahlen, wie stark der Safe-Point vergangenes Jahr frequentiert wurde. Die Rückmeldungen seien aber durchwegs positiv gewesen. „Die Frauen fanden es sehr gut, dass wir diesen Service bieten.“ Aber es sei gut möglich, „dass manche noch eine gewisse Scheu davor hatten, diesen zu nutzen“, meint sie. Es herrsche manchmal noch immer der Glaube vor, dass verbale Beleidigungen hinzunehmen seien, dass man sich nicht so anstellen solle. Dabei stelle das sogenannte Catcalling – also anzügliches Rufen, Reden, Pfeifen oder Gestikulieren gegenüber einer Person in der Öffentlichkeit – sehr wohl eine Form verbal sexualisierter Belästigung dar.
Aber wo fängt Belästigung an? Das empfinde jede Frau anders, meint Pfanzelt. Da könne schon ein Wort ausreichen. Die eine findet es noch toll, wenn sie für ihr Aussehen gelobt wird, die andere eben nicht. „Das heißt jetzt nicht, dass Männer keine ernsthaft gemeinten Komplimente machen dürfen, aber vielleicht halt nicht auf Körperteile bezogen.“ Wie sehr solche Erlebnisse und Konfliktsituationen belasten können, zeigt die Tatsache, dass fünf Frauen aufgrund von Vorfällen auf dem Herbstfest im Nachgang noch längere Zeit vom BRK betreut werden mussten.
Die Polizei kümmert sich um den Mann, und wir kümmern uns um die Frau.
Wann wird‘s besonders kritisch? Am Abend nach dem Bierzeltbesuch, meint Pfanzelt: „Alkohol ist ein großes Thema, aber Alkohol darf einfach keine Entschuldigung sein“. Wurde es richtig brenzlig? Schwer zu sagen, meint Pfanzelt. Man könne ja nicht wissen, was man alles verhindert habe.
Safe Now-App runterladen
Vergangenes Jahr war der Treff am Glückshafen, nur ein loser Anlaufpunkt, „die Mitarbeiter haben sich auf dem Festplatz bewegt“. Diese Rundgänge werden auch heuer gemeinsam mit dem Ordnungsamt gemacht. Dabei wird auf die Mädchen und Frauen geschaut, „und es dürfen die Mitarbeiterinnen aktiv angesprochen werden. Diese sind mit farbigen Westen mit der Aufschrift Frauennotruf gekennzeichnet“, heißt es in einer BRK-Pressemitteilung. Neu ist aber die Hütte, die aus Richtung Schwimmbad/Eisstadion kommend im Eingangsbereich steht und immer mit zwei Frauen besetzt sein wird. An den Safe-Point dürfen sich nicht nur Betroffene wenden, sondern auch Beobachter.
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Die BRK-Ehrenamtlichen greifen nicht in aktuelle Situationen ein. „Das ist Sache der Polizei und des Ordnungsamts. Wir beraten unmittelbar nach der Konfliktsituation und betreuen die Frauen psychosozial“, sagt Pfanzelt. „Die Polizei kümmert sich um den Mann, und wir kümmern uns um die Frau. Wenn es gewünscht wird, sorgen wir für einen sicheren Heimweg, indem wir Freunde oder Familienmitglieder aktivieren. Oder wir setzen sie in ein Taxi.“
Sehr dankbar sei man der Stadt Erding, die die Hütte zur Verfügung stellt. „Die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und der Polizei ist hervorragend. Es gibt viele helfende Hände“, lobt Irmscher-Grothen. Die Leiterin der BRK-Frauenbereiche rät zudem, die kostenlose Safe Now-App vor Besuch des Herbstfestes herunterzuladen. „Hier kann eine Gruppe mit Freundinnen, Freunden oder Familienmitgliedern gebildet werden. Über diese App werden sie schnell kontaktiert, wenn Hilfe gebraucht wird. Außerdem hat die App eine Taschenalarm-Funktion.“
Der Safe-Point ist zu den Zeiten mit dem erwarteten höchsten Besucherandrang und Alkoholkonsum besetzt: freitags und samstags von 18 bis 0 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten sollte bei Übergriffen die Polizei und das Ordnungsamt vor Ort kontaktiert werden. Außerdem steht der Frauennotruf zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung unter Tel. (0 81 22) 5 53 77 90 oder 5 53 77 91 oder per E-Mail frauennotruf@kverding.brk.de. Hier wird telefonisch oder persönlich, auf Wunsch anonym, beraten.