Superwahljahr in Deutschland: Wo ist mit der AfD zu rechnen, wo kaum mehr mit der FDP – und was ist mit dem BSW? Der aktuelle Stand.
Berlin – 2026 werden in fünf Bundesländern neue Landesparlamente gewählt: Baden-Württemberg (8. März), Rheinland-Pfalz (22. März), Sachsen-Anhalt (6. September), Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 20. September). Die Mehrheit der Deutschen rechnet damit, dass die AfD nach den Landtagswahlen 2026 mindestens einen Ministerpräsidenten stellen wird. Nach einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa gehen 53 Prozent von einem solchen Szenario aus.
Für die schwarz-rote Regierung in Berlin geht es bei den Landtagswahlen 2026 um einiges. Niederlagen für die CDU könnten die Koalition mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) schwächen. Aber vor allem die SPD muss um Ministerpräsidentenposten bangen. Die FDP könnte noch mehr an Bedeutung verlieren, die Linke hingegen erstarken. Und natürlich: die vom Verfassungsschutz in Teilen als rechtsextremistisch eingestufte AfD. Ein kurzer Überblick.
Landtagswahl Baden-Württemberg: Ende der Ära Kretschmann – Spannung wegen Özdemir
Mit der Landtagswahl in Baden-Württemberg eine politische Ära zu Ende – Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nach drei Amtszeiten bei der Landtagswahl am 8. März nicht mehr an. Der 77-Jährige war seit 2011 der erste und bisher einzige Grünen-Ministerpräsident in Deutschland.
Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel führt in den Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg vor den Grünen um Cem Özdemir, die mit der AfD um Platz zwei kämpfen. Für den Wahlforscher Stefan Merz von Infratest dimap ist allerdings nicht ausgemacht, dass Hagel gewinnt. „Die Menschen in Baden-Württemberg bevorzugen ganz eindeutig den grünen Kandidaten Cem Özdemir als nächsten Ministerpräsidenten“, sagte er zu BR24. Bei einer Direktwahl käme Özdemir auf 41 Prozent, Hagel auf 17 Prozent, merkte auch der Tagesspiegel an.
Erstmals gilt bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg ein neues Wahlrecht mit zwei Stimmen, zudem dürfen 16- bis 18-Jährige mitentscheiden. Die FDP droht nach über 70 Jahren aus dem Landtag zu fliegen.
Landtagswahl Rheinland-Pfalz: Erste Wahl für Schweitzer – CDU liegt vor seiner SPD
Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) stellt sich bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz erstmals den Wählern, nachdem er 2024 die zurückgetretene Malu Dreyer abgelöst hatte. Die SPD regiert in Rheinland-Pfalz seit 35 Jahren.
Die regierende Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP schwächelt in den Umfragen zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz erheblich. Während die SPD deutliche Verluste gegenüber ihren 35,7 Prozent von 2021 befürchten muss und der FDP das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde droht, liegen nur die Grünen im Bereich ihres Ergebnisses von vor fünf Jahren.
CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder hofft auf eine Regierungsübernahme, doch die starke AfD bei rund 20 Prozent könnte die Regierungsbildung erschweren. Hoffnung auf einen Wiedereinzug in den Landtag machen sich auch die Freien Wähler, die dort seit 2021 vertreten sind. Auf ihren erstmaligen Einzug kann die Linke hoffen – nicht aber das BSW.
Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD in Umfragen stärkste Kraft vor der CDU
Die AfD hat sich in Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl am 6. September als klarer Favorit etabliert. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund führt seine Partei laut aktuellen Umfragen auf rund 40 Prozent, während die CDU mit Sven Schulze nur auf knapp 30 Prozent kommt.
Der Rückzug von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nach 15 Jahren im Amt hat die politischen Gewichte verschoben. Die Linke hält sich stabil bei zehn Prozent, während SPD und BSW um die Fünfprozenthürde kämpfen. Grüne und FDP drohen der Verlust ihrer Landtagsmandate.
Die Mitte-Parteien lehnen eine Koalition mit der AfD ab – und die CDU auch eine Koalition mit der Linken. Für den Fall, dass die AfD die absolute Mehrheit verfehlt, hielt Parteienforscher Stefan Merz im Gespräch mit BR24 eine CDU-geführte Minderheitsregierung derzeit für am realistischsten, „die sich von der Linken und vielleicht auch dem BSW tolerieren lässt“.
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: Schwesig durch AfD-Hoch unter Druck
Die AfD hat sich in dem Bundesland zur stärksten Kraft entwickelt und strebt bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern eine Alleinregierung an. Laut aktuellen Umfragen kletterte die Partei in Richtung der 40-Prozent-Marke.
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm, der als Ministerpräsidentenkandidat nominiert wurde, gab eine Alleinregierung in Schwerin als „großes Ziel“ aus. Die seit 2021 regierende rot-rote Koalition von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ist laut Umfragen weit von einer eigenen Mehrheit entfernt. Grüne und BSW könnten knapp in den Landtag einziehen, während die FDP scheitern dürfte.
Landtagswahl Berlin: Schwarz-Rot mit Wegner auf dem Prüfstand
In Berlin wird es Schwarz-Rot – zumindest, wenn es nach den Umfragen geht – nach der Landtagswahl voraussichtlich nicht mehr geben. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner von der CDU ist erst seit dem Frühjahr 2023 im Amt, nachdem wegen massiver Unregelmäßigkeiten bei der eigentlichen Wahl 2021 neu gewählt werden musste.
Sowohl die CDU, als auch SPD verloren seither deutlich an Zustimmung. Während die CDU noch als stärkste Kraft gilt, ist die einst dominierende SPD auf Platz fünf abgerutscht. Die Koalitionsbildung verspricht besonders spannend zu werden, da Linke, Grüne, SPD und AfD dicht beieinander liegen – mit der Linken auf Platz zwei hinter der CDU. Das BSW und die FDP könnten auch hier scheitern. (Quellen: AFP, dpa, BR24, Tagesspiegel, frühere Berichterstattung) (frs)