Beim Treffen am Kochelsee ging es um mehr als alte Camper. Die Teilnehmer schätzen das einfache Leben und die Gemeinschaft. Moderne Technik bleibt außen vor.
Kochel am See – Lichterketten aus den 1970er-Jahren. Tischdecken mit Blumenmuster aus dem selben Jahrzehnt, dazu Makramee. Die Deko ist perfekt platziert. Sie schmückt die Camping-Schätze aus der Vergangenheit, die sich in den vergangenen Tagen am Campingplatz Renken am Kochelsee zusammenfanden. Das Herbsttreffen des deutschlandweiten Camping-Oldie-Clubs fand nach vier Jahren wieder einmal im Landkreis statt.
Knallgelb, silbern oder flaschengrün: Ein Schmuckstück parkt neben dem anderen. Kerstin und Ralf Möller sammeln gerade Unterschriften. Die Karte wollen sie den Betreibern des Campingplatzes – Yvonne Labonte und Daniel Kummer – zum Abschied schenken. „Sie haben den Campingplatz extra für uns länger offengelassen“, sagt Kerstin Möller. Eigentlich ist nach dem Sommer Schluss, und die Winterpause beginnt.
Camper „Rudolf“ als Erinnerung an verstorbenen Vater
Seit 1996 ist ihr Mann Mitglied im Verein. Mit einem Freund besuchte er ein Oldtimer-Treffen in Landsberg am Lech, da packte ihn die Leidenschaft. „Meinen Freund nicht“, sagt er und schmunzelt. „Er meinte, nimm meinen Camper und fahr du zum Treffen.“ Er hat auch noch andere Oldtimer zuhause. Dieses Mal kam das Paar mit seinem Hymer B 554 aus dem Jahr 1994. „Rudolf“ steht vorne rechts auf dem Camper. Eine schöne Erinnerung an Kerstin Möllers Vater, der mit 61 Jahren starb und dessen Traum es war, in seiner Rente selbst im Wohnwagen zu campen. Nächstes Jahr wird der Camper mit den beiden Heilbrunnern nach Schweden reisen. Dort findet das internationale Treffen der Oldie-Camper statt.
So weit wollen Freya und Werner Schätzler aus der Nähe von Donauwörth nicht fahren. Nach Kochel aber schon. Bereits vor vier Jahren waren sie beim Treffen mit dabei. Seit über 35 Jahren ist das Ehepaar im Club – sie sind die ältesten Mitglieder, die zum Kochler Campingplatz gekommen sind. Ihr Biod-Campinganhänger – ein holländisches Modell – stammt aus dem Jahr 1979. Er ist klein, einfach und charmant. Im Grunde besteht er aus zwei Schalen in Vollplastik, die zusammengefügt wurden. „Da rostet nichts“, sagt Freya Schätzler und lächelt. Wohin sie mit ihrem Mann damit schon gefahren ist, kann sie gar nicht mehr aufzählen. Einen Franzosen – einen Notin – haben sie noch zuhause. Schon von klein auf lieben die beiden das Campen. „Früher noch mit dem Zelt, dann kam der erste Wohnwagen.“
Beim Camping ist „alles etwas gemütlicher“
Den Mitgliedsantrag auf dem Campingtisch liegen haben Paula (36) und David Bär (22) aus Nürnberg, die mit ihrem Hymer Ducat aus dem Jahr 1987 zum ersten Mal zu einem Treffen des Vereins gekommen sind. Ihr Retro-Mobil kauften sie zunächst ganz einfach aus Kostengründen. Bekannte machten sie auf das Treffen aufmerksam, nun wollen sie Mitglied werden. Aufgemalte Hippie-Blumen zieren ihren Camper. „Wir finden vor allem toll, dass wir mit ihm auf Parkplätzen übernachten können“, sagt Paula Bär.
Das finden auch Ralf und Kerstin Möller. Es ist aber nicht nur der praktische Aspekt, der ihnen gefällt. Das Nächtigen im Retro-Camper sei ein Lebensgefühl. „Alles ist etwas gemütlicher.“ Wer ihren Camper betritt, weiß sofort, was sie meinen. Die „Old School“-Einrichtung hat ihren ganz eigenen Charme. Die passenden Vorhänge sind liebevoll drapiert, die Sitzmöglichkeiten in braun gepolstert. Sogar die Kaffeemaschine ist im mintgrünen Retro-Look gehalten. „Die ist neu und auf alt gemacht“, sagt Kerstin Möller. Die Ausstattung sollte schon dazu passen. Ihr Wagen beherbergt aber nur das Nötigste. Wo moderne Camper mit immer mehr technischen Geräten und Utensilien ausgestattet sind, und mit immer mehr Ausstattung auf den Markt kommen, plädiert man im Verein für das ursprüngliche Camping-Gefühl. „Wir gehen einen anderen Weg und sagen man sollte eher reduzieren.“ Diese Einstellung teilt das Ehepaar mit den anderen Mitgliedern. Man freue sich schon auf das nächste Wiedersehen, betont Kerstin Möller. „Es ist ein unglaublich schöner Zusammenhalt.“