Anwohner aus Offenbach beklagen Dauerlärm von der Baustelle von Cloud HQ. Er soll noch bis in den Februar hinein bleiben.
Offenbach – Ein dumpfes, metallisches Pochen. Vibrierendes, dröhnendes Gewummer den ganzen Tag. Bei so manchem Anwohner von Waldheim, An den Eichen bis nach Bürgel liegen die Nerven blank. Der Lärm, der werktags am frühen Morgen beginnt und bis in den Abend hinein andauert, stammt von der Baustelle des Rechenzentrums von Cloud HQ am Lämmerspieler Weg. Dort werden für das Fundament des zweiten Gebäudes Pfähle in den Boden gerammt.
Für Dominik Köhler aus dem Neubaugebiet An den Eichen ist der Zustand nicht mehr tragbar. Er und seine Frau arbeiten überwiegend im Homeoffice. „Aber das ist kaum noch richtig möglich, denn der Lärm ist in seiner Dauerhaftigkeit nervenzerreißend“, sagt er. Er fürchtet, die anhaltende Frequenz könne gar gesundheitsschädlich sein.
Verärgert zeigt sich auch Dr. Hans Rudolf Diefenbach aus Waldheim. „Es hieß, Ende 2024 sei die neuerliche Bodenrammaktion wohl abgeschlossen, man habe Verständnis für die Reklamationen seitens der Bewohner“, blickt er zurück. „Der monotone Krach besteht aber leider fort“, moniert er. „Keine Info, keine Rücksichtnahme, 18 Uhr soll ja Schluss sein, was auch nicht immer stimmt.“ Für ihn bleibe die Erkenntnis, „dass Großunternehmen machen, was sie wollen, Hauptsache es gibt einige Euro Gewerbesteuer. Wobei dies hier wohl auch nicht ganz klar ist, oder?“
Beschwerden wegen eines Pfeiftons bei Nacht in Bürgel
Ein Anwohner nahe des Mainzer Rings in Bürgel, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schreibt an die Redaktion: „Es ist wie Folter, wenn ab 5 Uhr das Dröhnen von oben beginnt und ab 7 Uhr die Pfahlrammen ihr Werk verrichten.“ Zudem beklagt er ein nächtliches, surrendes, hochfrequentes Geräusch. „Der Schall wird natürlich, wie bei einem Subwoofer, noch verstärkt und ist hier noch zu hören“, schildert er.
Bereits im vergangenen Herbst gab es Beschwerden wegen eines Pfeiftons. Dieser war eigenartigerweise nur in Bürgel zu vernehmen, nicht jedoch im näher gelegenen Wohngebiet An den Eichen. Als Ursache konnte damals eine defekte Pumpe ausgemacht werden. Diese wurde ausgetauscht, zusätzlich wurde eine Lärmschutzummantelung angebracht. „Wir untersuchen die Vorkommnisse, konnten aber bisher keine außergewöhnlichen Geräusche feststellen“, sagt Peter Knapp, Geschäftsführer von Cloud HQ Deutschland, zu den aktuellen Vorwürfen. „Wir haben die Schallschutzwände dennoch nochmals verstärkt und verschoben“, beteuert er, zudem seien alle Kompressoren ausgetauscht worden.
Unternehmen ist sich der Unannehmlichkeiten „sehr bewusst“ und investiert zusätzliche Millionen
Dass um 5 Uhr morgens schon Lärm von der Baustelle komme, sei ausgeschlossen. „Da finden definitiv noch keine Bauarbeiten statt.“ Dass die Pfahlrammen äußerst unangenehm seien, dessen sei man sich bei Cloud HQ „sehr bewusst“. „Das ist nicht von der Hand zu weisen und da kann ich die Anwohner gut verstehen.“ Zumal die Baustelle jetzt noch näher in Richtung Wohngebiet gerückt sei als im ersten Bauabschnitt. Bis Jahresende sollten die Ramm-Arbeiten abgeschlossen sein, doch leider würden sie länger andauern als ursprünglich geplant. „Das wird in den Februar hineingehen“, bedauert Knapp.
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Der Konzern tue alles, um die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten, betont er. Der Schall werde gemessen, keinerlei Grenzwerte überschritten. „Anschließend übernehmen die Bohrer, die sind viel leiser. Leider konnten sie nicht überall zum Einsatz kommen“, sagt Knapp. „Für die Methoden, die wir anwenden, um weniger schallintensiv zu sein, haben wir Millionen an Mehrkosten“, lässt der Geschäftsführer wissen.
Straßenbelag durch Lkw-Verkehr in Mitleidenschaft gezogen
Anwohner Dominik Köhler weist auch auf den gestiegenen Lkw-Verkehr durch die Baustelle hin, wodurch der Straßenbelag An den Eichen leide. „Wie ein durch Lkw zerstörter Straßenbelag aussieht, ist an den Schrottplätzen zu sehen, was auch einen nicht mehr zumutbaren Zustand darstellt“, findet er. „Wie ich die Stadt Offenbach einschätze, werden wir nach Abschluss des Baus auch noch für die Sanierung der Straßenbeläge zur Kasse gebeten“, sagt er verbittert.
Knapp gibt sich erneut versöhnlich: „Wir versuchen auch hier, die Fahrten möglichst zu optimieren. Etwaigen Maßnahmen bezüglich des Straßenbelags werden wir uns nicht verschließen.“ Er verweist Anwohner auf die Möglichkeit, sich bei Fragen und Beschwerden direkt ans Unternehmen zu wenden unter offenbach@cloudhq.com. (Veronika Schade)