Die Bundesvereinigung Deutscher Apotheker warnt vor erneuten Medikamenten-Engpässen. Christopher Hummel erklärt, warum und welche Mittel aktuell betroffen sind.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Viele Eltern aus dem Landkreis haben die Szenarien noch lebhaft in Erinnerung. Ein krankes Kind zu Hause und eine Apotheke nach der nächsten hat den verschriebenen Fiebersaft nicht parat. In letzter Zeit kam es bei verschiedenen wichtigen Arzneimitteln immer wieder zu Lieferengpässen. Auch heuer könnte es nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker zu Versorgungsproblemen bei bestimmten Medikamenten kommen. Während laut Apothekerverband Fiebersäfte zwar wieder ausreichend verfügbar sind, geht es aktuell um Antibiotika für Kinder, ein Asthmamittel und ein bestimmtes Medikament bei ADHS. Landkreis-Apothekensprecher Christopher Hummel erklärt auf Nachfrage, was zu dem immer wiederkehrenden Problem führt.
Herr Hummel, vergangenen Winter war der Lieferengpass vor allem bei Kindermedikamenten so drastisch, dass viele Apotheker eigenständig Fiebersäfte und Co. hergestellt haben. Das sieht jetzt wieder anders aus?
Erfreulicherweise gibt es eine deutliche Verbesserung bei der Versorgung mit Fieber- und Antibiotikasäften für Kinder. Das war vergangenes Jahr wirklich gravierend. Wichtig ist nur jetzt die Botschaft an die Eltern, dass genug da ist, und niemand Hamsterkäufe machen muss oder vorsorglich zu versuchen braucht, beim Kinderarzt ein Rezept zu bekommen.
Keine Lieferprobleme bei Fiebersäften
Haben solche Vorratskäufe etwa auch zu dem Engpass geführt? So wie damals bei Corona und Toilettenpapier?
Jein, das trägt schon auch seinen Teil zur Gesamtsituation bei. Aber es ist sicher nicht der Ursprung des Dilemmas. Grundübel sind meines Erachtens die Rabattverträge mit den Krankenkassen.
Durch Rabattverträge produzieren weniger Hersteller für Deutschland
Können Sie das genauer erklären?
Bei den Rabattverträgen bewerben sich eine Vielzahl an Herstellern auf die Produktion eines Medikaments. Den Zuschlag bekommen dann aber nur ein paar der Herstellerfirmen. Wenn nun bei einem der wenigen Rabattpartner irgendetwas nicht klappt und es zu einem Ausfall kommt, passiert es schnell, dass die Versorgung nicht mehr sichergestellt ist. Ein weiterer Punkt ist, dass die Rabattverträge natürlich eine Auswirkung auf den Preis haben. Sprich, alles wird in Ländern wie China, Indien oder Bangladesch produziert. Die verkaufen dorthin, wo es am meisten Geld gibt. All das führt natürlich zu einer wahnsinnigen Abhängigkeit und Störungsanfälligkeit. Ich glaube, dass mittlerweile in ganz Europa nur noch eine Firma gibt, die Antibiotika produziert. Neu ansiedeln wird sich so schnell niemand mehr.
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Der Deutsche Apothekerverband warnt, dass wir nicht gut für den Winter aufgestellt sind. Auf welche Medikamente bezieht sich das?
Eigentlich querbeet durch alle Bereiche. Das kann sich relativ kurzfristig auch ergeben, wenn es, wie gesagt, bei einem Hersteller unerwartete Probleme gibt. Aktuell gibt es Lieferschwierigkeiten bei einigen Blutdruck-Tabletten oder auch Diabetes-Medikamenten. Aber es ist alle paar Wochen gefühlt etwas anderes. Die Lieferengpässe sind leider zum Dauerproblem geworden.