Rund 300 Menschen, deutlich mehr als erwartet, sind am Freitagabend (24. Oktober) in Bichl auf die Straße gegangen, um lautstark gegen die AfD zu demonstrieren und für ein weltoffenes, demokratisches Deutschland einzutreten. Anlass war ein sogenannter Bürgerdialog, zu dem die Rechtspopulisten in den Gasthof „Bayerischer Löwe“ eingeladen hatten.
Bichl – FDP-Kreischef Simon Roloff ist vom Andrang überwältigt: „Saustark“, ruft der Initiator der überparteilichen Anti-AfD-Demo ins Mikrofon. „Das sind mehr als ich erwartet habe.“ Aus allen Richtungen strömen die Teilnehmer zu dem kleinen Platz am Bichler Kriegerdenkmal, der sich gegen 18 Uhr rasch füllt – bald sogar überfüllt. Viele haben selbst gestaltete Schilder und Plakate mit Aufschriften wie „Lieber bunt als braun“ oder „Menschenrechte statt rechte Menschen“ dabei. In der ersten Reihe halten Schülerinnen ein großes Banner hoch, auf dem in großen Lettern steht: „Nie wieder.“
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Bürgerdialog in Traditionsgaststätte
Der Höhenflug der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ setzt die bürgerliche Mitte zunehmend unter Druck. Wie soll man umgehen mit einer Partei, die eine völkisch-nationalistische Ideologie vertritt und vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird? Die Bichler haben darauf ihre eigene, unmissverständliche Antwort gefunden: „Wir wollen euch hier nicht!“, ruft es aus der Menge in Richtung des Gasthofs „Bayerischer Löwe“, wo sich AfD-Spitzen aus dem Deutschen Bundestag zum sogenannten Bürgerdialog versammelt haben.
Am Ende zählt die Polizei rund 300 Gegendemonstranten – etwa dreimal so viele wie ursprünglich erwartet. Mit zahlreichen Einsatzkräften zeigt sie deutliche Präsenz. Die Stimmung ist angespannt, bleibt jedoch weitgehend friedlich. Zu Straftaten kommt es nicht, Festnahmen gibt es ebenfalls keine.
Neben FDP-Mann Roloff („Bichl ist bunt“), der in Bichl wohnt, hatte auch Maurus Kurzmeier von der Linken („Gemeinsam gegen Nazis“) zu einer weiteren Protestaktion am gleichen Standort aufgerufen. Die Redner, die das Wort ergreifen, warnen eindringlich vor der AfD. Diese wolle, so Roloff, die Demokratie von innen heraus zerstören. Sein Appell: Man müsse für die freiheitlichen Grundwerte unserer liberalen Gesellschaft eintreten. Ähnlich klingt es bei Hans Schmidt (Grüne) vom Wolfratshauser Bündnis „Demokratie und Vielfalt“. Sein Credo: „Wir sind eine bunte Gesellschaft.“ Kurzmeier, ein Student aus Benediktbeuern, sieht es nicht anders: „Wir müssen die Demokratie schützen.“
Gleich gegenüber im Saal der Traditionsgaststätte haben sich schätzungsweise 150 Besucher versammelt. An einem Büfett gibt es Häppchen, verziert mit kleinen Deutschlandfähnchen. Nacheinander ergreifen die Bundestagsabgeordneten Ingo Hahn, Manfred Schiller, Gerold Otten und Gerrit Huy das Wort. Immer wieder branden Applaus und Jubel auf. Die Parlamentarier vom rechten Rand präsentieren sich selbstbewusst: „Wir sind eine Volkspartei“, tönt es in den Saal. Das Publikum bekommt die bekannten AfD-Positionen zu hören – etwa gegen Klimaschutz, Bürgergeldempfänger, Flüchtlinge und Rüstungsausgaben. So fordert beispielsweise Otten, ein pensionierter Bundeswehr-Offizier, eine Annäherung an Russland: „Wir müssen in den Dialog kommen.“
Auffällig ist: Der Ton bleibt für AfD-Verhältnisse vergleichsweise moderat. Das dürfte damit zusammenhängen, dass die Rechtsaußen-Partei versucht, im ländlichen Raum stärker Fuß zu fassen. Veranstaltungen wie die in Bichl scheinen Teil dieser Strategie zu sein. So kündigte die AfD bereits an, bei der nächsten Gemeinderatswahl im März 2026 in dem 2300-Einwohner-Dorf antreten zu wollen.
In der anschließenden Diskussionsrunde lassen die AfD-Politiker kritische Nachfragen an sich abperlen. Als ein Zuhörer die Nähe der Partei zu autoritären Regimen wie Russland und China anspricht, meint Hahn lapidar: „Wir wollen offene Kanäle zu allen wichtigen Ländern.“ Und den Hinweis eines anderen Redners, die Landwirtschaft leide infolge des Klimawandels sehr wohl spürbar unter den zunehmenden Extremwetterereignissen, wischt er als „Panikmache“ beiseite.