Der erfolgreichste SPD-Oberbürgermeister in NRW: Was Marc Herter anders macht

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Marc Herter aus Hamm gewann die Kommunalwahl in NRW 2025 mit mehr als 63 Prozent. Wie unterscheidet sich der 51-jährige Sozialdemokrat von anderen Bürgermeistern?

Hamm - Er ist der erfolgreichste SPD-Oberbürgermeister in NRW. Während die Genossen landesweit bei der Kommunalwahl in NRW am Sonntag nur 22,1 Prozent erreichten, verteidigte Marc Herter seinen Chefposten im Rathaus der Stadt Hamm mit 63,3 Prozent. Was macht der 51-jährige Sozialdemokrat anders? Und warum ist er nicht längst in der Landes- oder Bundespolitik?

Wahlparty im Rathaus Hamm 2025 Teil 1
Hatte am Sonntag allen Grund zur Freude: Marc Herter erhielt mehr als 63 Prozent der Stimmen. Kein SPD-Oberbürgermeister war besser. © Andreas Rother

Blicken wir für die Antworten auf einen anderen Sozialdemokraten aus Westfalen: Anfang der 2000er Jahre gehörte Dieter Wiefelspütz zu den wohl bekanntesten Innenpolitiker der SPD im Bundestag. Kein Wunder, er war dort 13 Jahre lang innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Herters Heimatstadt Hamm gehörte zu seinem Bundestagswahlkreis. Den heutigen Oberbürgermeister kennt er noch, da war Herter nur Oppositonschef im Stadtrat. „Der Mann gehört nach Berlin, der hat das Zeug für die Bundespolitik“, hat Wiefelspütz am Rande eines Interviews von seinem Parteifreund geschwärmt.

Marc Herter ist der erfolgreichste SPD-OB in NRW: Ein Mann mit gutem Überblick

In der Tat verfügt Herter über ein hohes Maß an politischem Talent. Er überblickt die verschiedensten Sachverhalte, denkt vorausschauend und gerät rhetorisch nie in die Defensive. Gleich bei seiner ersten Landtagswahl 2010 gewann er das Direktmandat, nur ein Jahr später wurde er Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion im NRW-Landtag. 2018 sollte für den stellvertretenden Landesvorsitzenden der nächste Karriereschritt folgen. Herter war sich seiner Wahl zum Fraktionschef und damit zum Oppositionsführer im Landtag sicher. Doch nach der schmerzhaften Niederlage bei der Landtagswahl 2017 gegen einen gewissen Armin Laschet wollte eine Mehrheit in der SPD-Fraktion lieber Revolution spielen anstatt das Naheliegende zu tun.

Der frühere NRW-Justizminister Thomas Kutschaty gewann überraschend das parteiinterne Duell. Der SPD gehörten die Schlagzeilen, doch die Talfahrt der Partei nahm an Tempo zu. Sie erhielt 2022 mit 26,7 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen überhaupt. Kutschaty ging, doch besser wurde es nicht. Bei der Bundestagswahl kam die SPD in ihrer alten Herzkammer NRW auf nur noch 20,0 Prozent. Ob Mann oder Frau: ein aussichtsreicher Herausforderer für Ministerpräsident Hendrik Wüst ist nicht in Sicht.

Erfolgreichster OB der SPD in NRW: Herter führte eine Ampel – ohne Streit

Und Herter? Der hat seit seinem Fehler 2018, nämlich die Lage in Düsseldorf falsch eingeschätzt zu haben, alles richtig gemacht. Er stellte sich 2020 zur Oberbürgermeister-Wahl in Hamm und gewann. Er baute das jahrzehntelang von der CDU geführte Rathaus rasch in ein rotes Rathaus mit seinen Getreuen um. Er führte eine Ampel-Regierung im Rathaus ohne öffentlichen Streit zwischen den Koalitionspartnern. Im Gegensatz zu Berliner Verhältnissen fühlten sich Grüne und FDP wohl in dem Bündnis. Herter sorgt auch in der Stadtbevölkerung am Rande des Ruhrgebiets für ein gutes Gefühl. Er propagiert Hamm als die familienfreundlichste Stadt Deutschlands, macht Radwege schön und beherrscht Veranstaltungsmanagement. Gute Kultur- und Freizeitangebote lassen auch die Lokalpolitik gut aussehen. Herter kann aber auch Krise. So managte er die Corona-Krise unaufgeregt.

Herter besucht gefühlt jede „Katzenkirmes“. Keine Veranstaltung ist dem Oberbürgermeister zu klein. Nicht nur in Wahlkampfzeiten ist er unterwegs. „Dein Hamm. Dein Oberbürgermeister“ hat Herter im Wahlkampf plakatiert. Herter kennt seine Bedeutung, nimmt sich aber selbst nicht zu wichtig. Wenn er irgendwo eingeladen ist und mit warmen Worten begrüßt wird, bedankt er sich und betont in Richtung seiner Zuhörer: „Es geht hier heute aber nicht um mich, sondern um Sie.“ Einen solchen Satz hört man bei Terminen auch von dem erfolgreichen CDU-Ministerpräsidenten Wüst. Beide, Herter und Wüst, gehören zu dem Typ Politiker, der seinen Job als Dienst an der Gesellschaft begreift.

Doch Herter wird Wüst 2027 nicht herausfordern. Nach dem Rücktritt seines einstigen Widersachers Kutschaty übernahm Herter zwar geschäftsführend den SPD-Landesvorsitz. Allerdings nur für fünf Monate. Zurück in die erste Reihe auf Landesebene wollte und will er nicht mehr. Herter hat in Hamm die Erfahrung gemacht, dass er nirgendwo anders so direkt und unmittelbar mit und für Menschen etwas bewirken kann als in der Kommunalpolitik. Berlin dagegen ist zu weit weg.

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