Gemeinde Rottach-Egern spendiert Schülern 365-Euro-Ticket

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Freie Fahrt mit dem Bus haben künftig auch jene Rottacher Schüler, die keine Beförderungsberechtigung für ihren Schulweg haben. Die Gemeinde übernimmt die Kosten. © Thomas Plettenberg

Die Schüler aus Rottach-Egern werden mobiler: Die Gemeinde spendiert den Jugendlichen künftig ein 365-Euro-Ticket. Der Wunsch danach wurde bei der Jungbürgerversammlung laut.

Rottach-Egern - Es war ein Wunsch aus der Jungbürgerversammlung in Rottach-Egern, der nun im Gemeinderat zur Diskussion stand: Der Nachwuchs hatte gebeten, dass die Kosten für das 365-Euro-Ticket auch für jene Kinder übernommen werden, die nicht zur Nutzung der Schülerbeförderung berechtigt sind, weil sie zu nah an der Grund- und Mittelschule wohnen. 25 Schülerinnen und Schüler aus Rottach-Egern und Weissach sind betroffen.

Bürgermeister schlägt 200-Euro-Beteiligung vor

„Alle anderen bekommen das 365-Euro-Ticket gestellt und haben Zugang zum gesamten MVV-Netz, auch nachmittags und in den Ferien“, erläuterte Bürgermeister Christian Köck (CSU) und fügte hinzu: „Wir können nicht alle Wünsche aus der Jungbürgerversammlung umsetzen, aber da habe ich Verständnis.“ Der Rathauschef schlug vor, dass die Gemeinde zwei Drittel der Kosten übernimmt. Die Eltern sollten in Vorleistung gehen und würden dann 200 Euro zurückerstattet bekommen. Dieses Prozedere würde sicherstellen, dass die Karten geschätzt und auch verwendet würden – nicht wie beim 50/50-Taxi, bei dem die Gutscheine zwar abgeholt, aber häufig nicht eingelöst würden. „In Härtefällen, wenn sich jemand den Eigenanteil nicht leisten kann, könnte die Gemeinde auch 100 Prozent des Schülertickets übernehmen“, machte Köck deutlich.

Gemeinderäte plädieren für volle Kostenübernahme

CSU-Gemeinderätin Alexandra Wurmser schlug dagegen vor, dass die 365 Euro aus Gründen der Gleichbehandlung bei allen komplett übernommen werden sollten. Die Eltern könnten den Betrag auslegen und sich das Geld anschließend bei der Gemeinde wiederholen. Es sei wichtig, dass sie Kinder lernten, mit Bus und Bahn zu fahren, argumentierte Wurmser. Auch Thomas Tomaschek (Grüne) plädierte für die volle Kostenübernahme, ebenso wie CSU-Kollege Martin Strohschneider.

„9125 Euro sind viel Geld“, argumentierte Anastasia Stadler (CSU), zumal der Landkreis jährlich ohnehin eine Million Euro für den MVV ausgebe. Aber es sei wichtig, die Kinder für den ÖPNV zu begeistern: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Und Anton Maier (CSU) meinte, dass es ungut sei, wenn das eine Kind in einer Familie das Ticket habe, das andere Kind aber nicht.

Entscheidung im Gemeinderat fällt mit großer Mehrheit

Geschäftsleiter Gerhard Hofmann gab zu bedenken, dass das Ungleichgewicht durch die Einführung des MVV-Tickets entstanden sei. Da das 365-Euro-Ticket ohnehin schon vom Landkreis subventioniert sei, würde die Übernahme der Kosten einer Ungleichbehandlung der anderen Bürger gleichkommen. Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) erinnerte an die ursprüngliche Schulwegfreiheit und befand: „Wir sollten es mal machen. Wir können es uns leisten.“ Auch wenn Köck noch einmal warnte, dass alles, was einmal eingeführt, schwer wieder abzuschaffen sei, sprachen sich 15 Gemeinderäte für die Kostenübernahme aus – lediglich zwei waren dagegen.

ak

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