Deutsche Möbelindustrie in der Krise: Droht jetzt die Insolvenzwelle?

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Neue Möbel werden geschliffen. Der Branche geht es wegen der Baukrise nicht gut. (Archivbild) © Guido Kirchner/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Die Baukrise zieht immer weitere Kreise und trifft nun auch die Möbelindustrie hart. Dieses Jahr rutschten einige Möbelbauer in die Pleite, Kurzarbeit wird für viele Unternehmen Mittel zur Wahl.

München – Während der Corona-Pandemie konnte die Branche gute Umsätze machen, doch jetzt steht die deutsche Möbelindustrie unter Druck. Der Umsatz geht steil nach unten – im ersten Quartal erwirtschaftete die Branche nur noch 4,1 Milliarden Euro, im Vergleich zum Vorjahresquartal ist das ein Rückgang von 13 Prozent. 

Baukrise setzt Möbelbranche unter Druck

„Das zuletzt zwar leicht erholte, aber insgesamt immer noch niedrige Konsumklima und das rückläufige Baugeschehen setzen unserer Branche stark zu“, sagt Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), gegenüber der Wirtschaftswoche.

Deshalb sei in vielen Unternehmen mittlerweile die Kurzarbeit eingeführt worden. „In unserer aktuellen Umfrage gaben rund 40 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen an, das Instrument zu nutzen“, sagt Kurth dem Magazin. Und das dürfte laut Erhebung auch in naher Zukunft so bleiben: „Der Kostendruck ist unverändert hoch. Mit Blick auf die derzeitige Nachfrageschwäche stehen momentan vor allem die Sicherung der Liquidität sowie die Anpassung der Kapazitäten und der Kosten im Vordergrund“, erklärt Kurth weiter. So wollen im dritten Quartal des Jahres weiter 40 Prozent der Möbelhersteller Kurzarbeit einsetzen.

Ein Beispiel ist der Küchenhersteller Rempp aus Wildberg. Laut Geschäftsführer Matthias Rempp waren im März rund 70 Prozent seiner Beschäftigten in Kurzarbeit, berichtet die Schwäbische. „Die Lage ist nicht zufriedenstellend, aber auch nicht bedrohlich“, sagt Rempp der Zeitung. Wie viele andere Hersteller der Branche belastet Rempp die Baukrise – wer baut, braucht neue Möbel – bzw. Küchen. Doch genau da herrscht in Deutschland Flaute.

Möbelindustrie in der Krise: Erste Insolvenzen in der Branche

Die Branche steht so stark unter Druck, dass es schon die ersten Insolvenzen gibt. So steht der angeschlagene Möbelhersteller Hülsta mit Sitz in Stadtlohn vor dem Aus. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. Juni wurde sogar der Betrieb eingestellt. Zuvor hatte das Unternehmen Mitte April einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Münster eingereicht und dies mit Umsatzrückgängen und einer schwierigen Marktsituation begründet.

Schon früher im Jahr musste die IRO Möbelfabrik Josef Rose GmbH & Co KG mit Sitz in Oelde Insolvenz anmelden, wie das Fachmagazin Möbelkultur berichtet. Das 1923 gegründete Unternehmen, das alle seine Möbel in Deutschland fertigt, beabsichtigt jedoch, seinen Betrieb fortzusetzen.

VDM-Geschäftsführer Jan Kurth will aber keine Pleitewelle erkennen. Die Unternehmen der Branche seien grundsätzlich gut und solide aufgestellt, sagt er der Wirtschaftswoche. „Auch wenn es zuletzt einige Insolvenzanträge gab, sehen wir keine Insolvenzwelle auf unsere Branche zurollen.“

Deutsche Möbelbauer unter Druck: Hoffnung auf gutes Exportgeschäft

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf dem Exportgeschäft. Laut ifo-Institut wird dort ein deutlicher Zuwachs für die Möbelindustrie erwartet. Dabei blickt man auch vermehrt in den Nahen Osten: In den Vereinigten Arabischen Emiraten verzeichnete die Branche zuletzt ein Exportwachstum von 96 Prozent, so Kurth dem Magazin – auch wenn sich die Exporte insgesamt noch auf einem sehr niedrigen Niveau bewegen.

Auch der Möbelhersteller Rolf Benz aus Nagold blickt ins Ausland. Über 50 Prozent der produzierten Möbel würden exportiert, sagt der Vorstandsvorsitzende Jürgen Mauß der Schwäbischen. Dazu kam dann noch ein Großauftrag für die Ausstattung eines Kreuzfahrtschiffes von TUI Cruises, der die Lage des Unternehmens verbesserte.

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