Udo Jaensch (82) und seine Frau Christel (84) sind entsetzt. Ihr Familiengrab auf dem Unterhachinger Friedhof wurde von Dieben geplündert.
Unterhaching - Wenigstens einen Hauch von Anstand, ein bisschen Respekt vor den Toten? Nein, den haben der oder die Täter offenbar nicht – sie machten sich auf dem Unterhachinger Gemeindefriedhof zu schaffen. Eins der Ziele: ein Familiengrab, um das sich Udo Jaensch (82) und seine Frau Christel (84) seit vielen Jahren kümmern.
„Unser Grab wurde geschändet, wertvolle Teile wurden gestohlen“, schimpft der 82-Jährige aus Ottobrunn, der jahrzehntelang in Unterhaching gelebt hat. Bei der Polizeiinspektion Unterhaching haben die Jaenschs Anzeige erstattet, denn die Grabräuber erbeuteten ein schmiedeeisernes Kreuz, das die aus dem Sockel am Grabstein herausbrachen, sowie eine mit Gewalt vom Grabstein abgerissene Metall-Amsel, von der nur noch die Füßchen übrig sind. Und von einem Kerzengehäuse fehlt die Glasscheibe.
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Rathaussprecher: „Keine Häufung von Diebstählen“
Es geht dem Ehepaar Jaensch nicht nur um den materiellen Schaden, sondern auch um die Respektlosigkeit von Friedhofsdieben, die ungeniert die letzten Ruhestätten plündern. „Polizei und Friedhofsverwaltung werden ersucht, den Friedhof Unterhaching intensiver zu beobachten, damit sich derartige Vorfälle nach Möglichkeiten nicht wiederholen“, fordert Udo Jaensch. Zumal es nicht der erste Vorfall an ihrem Familiengrab ist: Schon im April 2006 berichtete der Münchner Merkur über eine Grab-Attacke – damals hatten dreiste Diebe unter anderem eine japanische Weihnachtstanne ausgegraben.
Rathaussprecher Simon Hötzl sagt auf Nachfrage, es sei auf dem Friedhof an der Ottobrunner Straße „keine Häufung von Diebstählen zu verzeichnen, dass dort Grabräuber zuschlagen, kommt sehr selten vor“. Aber es passiert eben, weshalb die Gemeinde ihr Personal „nochmals sensibilisiert und auf die Vorkommnisse hingewiesen“ habe – die Friedhofsgärtner weiten ihren Blick für unerwünschte Gäste.
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Polizei vermutet, dass es Tätern ums Metall ging
Bei der Polizeiinspektion Unterhaching mag Leiter Siegfried Graf nicht von „Schändung“ sprechen, er vermutet eher, dass es den Tätern ums pure Metall ging. „Vereinzelt werden Kupferkreuze gestohlen und zu Geld gemacht. Auch von Baustellen verschwinden immer wieder mal Kupferkabel“, berichtet der Polizeichef. Ob es ein lukratives Geschäft sei? „Die Menge macht's.“ In diesem Fall der Familie Jaensch geht es Schmiedehandwerkskunst, um ein Kreuz und die Amsel auf dem Grabstein. Materielle Schäden, die sich ersetzen lassen, doch was Udo und Christel Jaensch noch mehr schmerzt, sind die Unverfrorenheit der Diebe und die bewusste Störung der Totenruhe.