Raureif, Bodenfrost, Schnee: Der Winter hat einen ersten Vorgeschmack gegeben. Draußen klirrende Kälte, drinnen mollig warm – aber wie und womit wird im Landkreis München geheizt? Ein Überblick.
Der Landkreis München veröffentlicht alle zwei Jahre einen Treibhausgasbericht, den nächsten in Kürze. Vorab erhielt der Münchner Merkur für die Recherche daraus einige Informationen aus vier Tabellen – Berichtsjahr ist 2022 (Beginn des Ukraine-Kriegs), als Vergleichswerte dienen die Daten von 2010 und 2020 (Beginn der Corona-Pandemie).
Die erste Tabelle skizziert den Endenergieverbrauch in Megawattstunden (MWh), aufgeschlüsselt nach unterschiedlichen Energieträgern. Demnach hat sich der landkreisweite Heizwärmeverbrauch nach 2010 (11,2 Millionen MWh) mittlerweile verringert und stabilisiert (jeweils 9,5 Millionen MWh 2020 und 2022). Interessant ist der Blick ins Detail: Fernwärme hat sich von 2010 (518 498 MWh) bis 2022 (952 901) fast verdoppelt, Heizöl hat sich mehr als halbiert (1,3 Millionen/558 744). Beim Erdgas fällt der Rückgang nicht ganz so stark aus (2,8 Millionen MWh 2010, 1,9 Millionen 2022). Signifikant ist die Entwicklung bei „fester Biomasse“, primär also Brennholz, von 201 000 MWh (2010) über nur 51 000 MWh (2020) bis hin fast zum alten Wert im Jahr 2022 (186 000 MWh). Eine zunehmende Rolle spielen Nahwärme (113 000 MWh) und Wärmepumpen (88 500 MWh). Solarthermie (33 000 MWh) und reine Elektroheizungen (14 700 MWh) stehen am unteren Ende der Energieverbrauch-Tabelle.
Trio mit am wenigsten Erneuerbaren
Der THG-Bericht des Landkreises differenziert zudem den Energieverbrauch pro Kommune, unterschieden wird nochmals zwischen Privathaushalten und Gewerbe. Als Vergleichsgröße dient bei den Privathaushalten die durchschnittlich zu beheizende Fläche pro Einwohner, landkreisweit sind das 44 Quadratmeter. Grünwald mit seinen Villenvierteln liegt aber deutlich darüber (66 Quadratmeter) und heizt im Privatbereich auch am meisten (10 826 Kilowattstunden pro Einwohner), gefolgt von Straßlach-Dingharting (9365), Brunnthal (8631) und Oberhaching (7421). Am sparsamsten beim Heizen sind sie in Neuried (3814), Unterschleißheim (3931), Garching (3989) und Feldkirchen (4011). Auch den Anteil erneuerbarer Energien am Heizvolumen hat das Landratsamt in seinem THG-Bericht ausgerechnet. Hier hat Sauerlach die Nase vorn mit 56,0 Prozent vor Unterföhring (54,7 Prozent), Unterhaching (51,7 Prozent) und Grünwald (43,6 Prozent). Hier machen sich die lokalen Geothermie-Netze bemerkbar. Am wenigsten mit erneuerbarer Energie heizen sie in Oberschleißheim (8,9 Prozent), Planegg und Neuried (je 9,6 Prozent).
Bei Gewerbe lag der Heizenergieverbrauch im gesamten Landkreis im Berichtsjahr 2022 bei knapp 1,8 Millionen MWh, verteilt auf rund 252 000 Beschäftigte bei einer Gesamt-Einwohnerzahl von 356 000. Den höchsten gewerblichen Heizenergiebedarf hatte mit weitem Anstand Garching (235 000 MWh) vor Pullach (165 000) und Unterschleißheim [139 000). Die geringsten Gewerbe-Heizkosten weist der THG-Bericht aus in Straßlach-Dingharting (5581), Baierbrunn (7303) und Schäftlarn (10 180).
„Es lässt sich ein Trend erkennen“
Eine Frage stellt sich natürlich: Bestehen signifikante kommunale Unterschiede, beispielsweise in Folge lokaler Geothermieanlagen? Ja, heißt es aus dem Landratsamt: „Es lässt sich der Trend erkennen, dass Kommunen mit gut ausgebauten Fernwärmenetzen beim Umstieg auf erneuerbare Heizenergie generell weiter sind. Ansonsten haben lediglich ländliche Gemeinden, in denen traditionell schon viel mit Holz geheizt wird, noch einen annähernd hohen Anteil an erneuerbarer Heizwärme.“
Eine Tabelle schlüsselt den Anteil von erneuerbarer Nah- und Fernwärme am gesamten Heizwärmeverbrauch auf. Spitzenreiter ist Unterföhring (52,2 Prozent) vor Unterhaching (48,4 Prozent), beide Kommunen verfügen über Geothermieanlagen, vor Neubiberg (45,3 Prozent) mit einem Mix aus Biomasse und Tiefengeothermie. Nur im einstelligen Prozentbereich liegt der ökologische Heizwärmeverbrauch dagegen in Neuried (1,1), Höhenkirchen-Siegertsbrunn (1,3), Putzbrunn (1,4), Planegg (2,8), Hohenbrunn (2,9), Oberschleißheim (3,9) Brunnthal (5,4) und Garching (9,6).
Die Landkreis-Vision von einem Idealszenario
Wie sähe aus Landkreis-Sicht ein klima㈠freundliches Idealszenario für die Wärmegewinnung aus? Auf diese Frage haben die Energie-Experten aus dem Landratsamt mit dieser Stellungnahme geantwortet:
„Im Landkreis wird eine ganzheitliche, klimafreundliche Wärmeversorgung etabliert, die auf einer Kombination innovativer Technologien und nachhaltiger Ressourcen basiert. Im Mittelpunkt steht die Fernwärme aus tiefer Geothermie, die überall dort genutzt wird, wo die Nachfrage und die Struktur der Abnehmer eine leitungsgebundene Wärmeversorgung ökonomisch und technisch sinnvoll machen. Hinzu kommt ein breites Spektrum ergänzender Wärmequellen wie Solarthermie, Umweltwärme aus Abwasser und Oberflächengewässern, oberflächennahe Geothermie sowie gewerbliche und industrielle Abwärme, welche direkt oder mittels Großwärmepumpen in die Wärmenetze eingespeist werden. In Gebieten, die für eine leitungsgebundene Wärmeversorgung weniger geeignet sind, kommen andere Ansätze zum Einsatz. Hier spielt die Nutzung von erneuerbarem Strom in Verbindung mit Wärmepumpen und Solarthermie sowie aus regionaler Biomasse für Einzelfeuerungsanlagen (Holz) und Nahwärme (Holz, landwirtschaftliche Reststoffe, Biogas) eine zentrale Rolle. Eine flächendeckende Wärmeplanung wird in allen Gemeinden vorangetrieben. Diese kommunalen Wärmeplanungen berücksichtigen individuelle Gegebenheiten und entwickeln passgenaue Szenarien für eine klimafreundliche Wärmeversorgung. Besondere Aufmerksamkeit liegt dabei auf einer lang- und mittelfristiger Kosteneffizienz, um die Wirtschaftlichkeit für Bürger und Unternehmen zu gewährleisten, der Versorgungssicherheit, um eine stabile und zuverlässige Wärmeversorgung sicherzustellen sowie der Erreichung der Klimaziele, um die Energiewende nachhaltig voranzutreiben.“