Ein starkes Zeichen gegen das Vergessen

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Gemeinsam gegen das Vergessen: Die Teilnehmer putzten die „Ge(h)denksteine“ vor dem Stadtmuseum. © mel

Am Jahrtag der Reichspogromnacht trafen sich zahlreiche Menschen in der Tölzer Marktstraße. Gemeinsam wurden die „Ge(h)denksteine“ poliert – um wieder ins Bewusstsein zu rufen, warum die Steine dort liegen.

Bad Tölz – Am 9. November 1938 wurden in Deutschland unzählige Juden ermordet oder verhaftet. Synagogen wurden zerstört. Kurz darauf begannen die Deportationen jüdischer Menschen in Konzentrationslager. Zum Jahrtag der so genannte Reichspogromnacht versammelten sich am Sonntag vor dem Tölzer Stadtmuseum zahlreiche Menschen. Sie waren der Einladung zum „Stolperstein-Putzen“ gefolgt. Diese Steine, in Tölz „Ge(h)denksteine genannt“, sind dort in der Marktstraße in den Boden gelassen und tragen Namen der Opfer des Holocausts.

Die überparteiliche Veranstaltung hatte Robert Keller organisiert. Er habe in der eigenen Familiengeschichte nachgeforscht, sagte er zu Beginn. Weil er wissen wollte, welchen Platz seine Vorfahren in der Geschichte eingenommen hätten. Zwar habe er keine Vergehen herausfinden können. „Aber macht uns das frei von Schuld? Nein.“ Denn es gebe eine Verpflichtung, sich an Werten zu orientieren. Es sei wichtig, Haltung zu zeigen und diese weiterzutragen. Neben dem Gedenken sei es auch schön, dass die Parteien heute gemeinsam zeigen, dass sie sich trotz sonst oft unterschiedlicher Meinungen auf einen Grundsatz einigen könnten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

„So eine Zeit darf nie mehr kommen“

Den Überlebenden sei es wichtig, dass mit Namen und an konkreten Orten an die Opfer erinnert werde, sagte Sybille Krafft, Leiterin des Erinnerungsortes Badehaus in Waldram. „Möge das öffentliche Bewusstsein auch in Tölz immer weiterwachsen.“ Im Anschluss kamen Vertreter der Parteien zu Wort. Ulrich Fottner (FWG) berichtete, dass auch für seinen Großonkel, der 1936 aus unklaren Gründen inhaftiert wurde und wenig später starb, ein Gedenkstein vor dem Stadtmuseum liegt. „So eine Zeit darf nie mehr kommen“, schloss er.

Man müsse ein starkes Zeichen für Toleranz setzen und um der Opfer zu gedenken, sagte Severin Eichenseher (CSU). „Vielfalt darf kein Grund zur Angst sein.“ Es gebe immer weniger Zeitzeugen. „Daher ist es unsere Pflicht, die Erinnerung lebendig zu halten.“ Auch Sascha Richter (SPD), mahnte, dass die Erinnerung nicht verblassen dürfe. „Wir müssen die junge Generation mitnehmen, wir dürfen nicht vergessen.“

„Jeder muss Zivilcourage zeigen“

Die politischen Parteien seien nun aufgerufen, Position zu beziehen, sagte Matthias Wilke (Grüne). Doch insgesamt seien alle gefordert, „denn es braucht Zivilcourage“. Denn das Wichtigste sei, dass so etwas nie wieder geschehe. „Und es kann wieder geschehen, wenn wir nicht wirklich aufeinander aufpassen.“ Das Verständnis und die Greifbarkeit der Geschehnisse dürften nicht verschwinden, sagte Simon Roloff (FDP). „Gerade heute müssen wir ganz bewusst wahrnehmen, warum die Stolpersteine da liegen. Und mit nach Hause nehmen, dass es wichtig ist, aktiv darüber zu sprechen.“

Anschließend griffen die etwa 40 Anwesenden gemeinsam zu Schwamm, Tuch und Putzmittel und polierten die Steine.

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