Mit 87 Jahren noch gearbeitet: Lenggrieserin fordert bessere Rahmenbedingungen in der Pflege

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Bis zum Alter von 87 Jahren arbeitete Rosemarie Nonnenmacher im Pflegebereich. Sie macht sich weiterhin für verbesserte Rahmenbedingungen in diesem Sektor stark. © Andreas Steppan

Pflege ist für Rosemarie Nonnenmacher (89) eine Berufung. Auf der Grundlage von 67 Jahren Joberfahrung formuliert sie politische Forderungen für ihren Berufsstand.

Lenggries – Die Pflege ist für Rosemarie Nonnenmacher nicht nur Beruf, sondern Berufung. Auch im höheren Alter sah die Lenggrieserin daher keinen Grund, sich zur Ruhe zu setzen. Noch bis 2024 arbeitete sie im Pflegebereich – da war sie 87 Jahre alt. Weiter wichtig ist es ihr auch, sich politisch zu den Belangen ihres Berufsstandes zu Wort zu melden. Immer wieder wendet sie sich mit ihren Vorschlägen an Politiker.

Pflege ist für Rosemarie Nonnenmacher Herzenssache

„Ich habe wohl einfach eine gute Konstitution, ich bin mir nie alt vorgekommen“, sagt die gepflegte und geistig wache 89-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Und die gläubige Christin ergänzt: „Ich habe das Gefühl, dass der liebe Gott die Hand drauf hat, weil ich noch eine Aufgabe zu erledigen habe.“

Ihren Schulabschluss erwarb sie einst in der Diakonissenanstalt Neudettelsau. Sie machte mit 20 Jahren ihren Abschluss als Diplom-Krankenschwester und anschließend eine Ausbildung als Laborantin für Biologie. Später arbeitete sie unter anderem als OP-Schwester und auf einer Intensivstation. Ihre bislang letzte Arbeitsstelle bekleidete sie von 2012 bis 2024 als Assistentin des Geschäftsführers des Diakonievereins Tegernseer Tal in Gmund. Nach eigenen Angaben kümmerte sie sich an drei Tagen pro Woche in erster Linie um Verwaltungsaufgaben, übernahm aber auch schon mal Wundversorgungen und unterrichtete ausländische Mitarbeiter. Warum sie nicht einfach ihren Ruhestand genoss? „Weil mir die Pflege am Herzen liegt und ich helfen wollte“, sagt sie.

Forderung nach Flächentarifvertrag in der Pflege

Wie es im Pflegebereich weitergeht, das treibt Rosemarie Nonnenmacher weiterhin um. „Die Rahmenbedingungen müssen sich dringend verbessern“, so ihr Appell. Man dürfe heutzutage nicht mehr auf ein selbstloses „Mutter-Theresa-Dasein“ von Pflegekräften setzen, sagt die Lenggrieserin. Den Beruf könne man nur mit vollem Herzen ausüben, wenn man selbst materielle Sicherheit habe, geregelte Arbeitszeiten „und nicht jeden Monat überlegen muss: Wie bezahle ich meine Miete?“ Eine von Rosemarie Nonnenmachers dringlichsten Forderungen ist daher ein flächendeckender Tarifvertrag für die Pflege. Bestrebungen dazu waren zuletzt vor einigen Jahren daran gescheitert, dass die beiden kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas nicht zustimmten.

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Dass der Arbeitskräftebedarf im Pflegebereich dadurch gedeckt wird, dass man Mitarbeiter im Ausland rekrutiert, ist aus Nonnenmachers Sicht nicht die richtige Lösung. „Ich frage mich, ob das christlich ist, denn auch in deren Ländern gibt es ja Menschen, die gepflegt werden müssen.“ Ob aus dem Ausland oder nicht: In Nonnenmachers Idealvorstellung sollte jede junge angehende Pflegekraft eine erfahrene Kollegin oder einen Kollegen als eine Art Mentor an der Seite haben. Möglich wäre das nach der Auffassung der Lenggrieserin, wenn mehr Fachkräfte es wie sie machen und über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten würden.

Plädoyer für mehr Eigenverantwortung

Doch aus eigener Erfahrung weiß sie: Finanziell ist das nicht unbedingt attraktiv. „Mir ist die Rente gekürzt worden, ich musste mir einen Steuerberater nehmen, und am Ende musste ich jedes Jahr über 2000 Euro an Steuern nachzahlen“, schildert sie. Das könne in Zeiten des Fachkräftemangels nicht Sinn der Sache sein. Die Hinzuverdienstregelung für Rentner müsse sich ändern.

Aufhorchen ließ die 89-Jährige zudem eine Aussage der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm, die kürzlich feststellte, dass die Pflegeversicherung in ihrer jetzigen Struktur dauerhaft nicht mehr finanzierbar sei. Daher plädierte Veronika Grimm dafür, die Leistungen der Pflegeversicherung zu kürzen. Pflegepatienten müssten eine höhere Selbstbeteiligung schultern.

67 Jahre Erfahrung in der Pflege

Dafür bekommt sie volle Zustimmung von Rosemarie Nonnenmacher. „Die Menschen müssen mehr Eigenverantwortung übernehmen und dürfen sich nicht allein auf den Staat verlassen“, so das Plädoyer der 89-Jährigen. Ihr schwebt eine Art Teilkaskoversicherung vor, die jeder zusätzlich zur gesetzlichen Pflegeversicherung abschließt. „Dann kann jeder für sich selbst entscheiden, welche Leistungen er absichern möchte.“

All diese Anliegen und die Erfahrungen aus ihrer 67-jährigen Berufstätigkeit möchte die Lenggrieserin gerne an die Politik herantragen. Doch die vielen Briefe, die sie schon geschrieben hat – bis hin zu Bundeskanzler Friedrich Merz – blieben in der Regel unbeantwortet. Doch Rosemarie Nonnenmacher gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie sich – auch ohne Handy – irgendwie Gehör verschaffen kann. (ast)

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