Lehrstunde im Derby: SC Riessersee verteilt zu viele Geschenke und unterliegt den Tölzer Löwen

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Die Tölzer jubeln im Olympia-Eissportzentrum: Sandro Schönberger und seine Löwen holen sich den Derbysieg. Luca Allavena (l.) und Andreas Mechel hatten an diesem Abend nichts zu feiern. © OR

Der SC Riessersee nimmt den Kampf gegen Tölz nur im ersten Drittel an und verliert das Derby vor 3188 Zuschauer mit 2:4.

Hunor Marton verließ die Pressekonferenz mit einem Bier in der Hand. Nicht etwa, um nach dem Derby zurück in der Kabine zu feiern. Nein: Stocksauer genehmigte sich der Riesserseer Trainer ein Frustbier, fasste mit einem Satz auf der Pressekonferenz nach Spielende die Gefühle der Fans am besten zusammen. „Wenn man das Herz für solch ein Derby nicht hat, dann bleibt man am besten daheim.“ Denn seine Eishockeyspieler zeigten nur im ersten Abschnitt gegen Tölz Herz. Nach dem Ausgleichstreffer verloren die Weiß-Blauen vor 3188 Zuschauer nicht nur den Mut, sondern auch die Struktur in ihrem Spiel – und am Ende auch das Derby mit 2:4.

Von Sekunde eins war den Eishockeyspielern beider Teams die enorme Bedeutung des Derbys anzumerken. Keine Minute war vergangenen, da liefen zwei Riesserseer bereits in einen Check hinein – der Schlagabtausch war eröffnet. Bair Gendunov fasste sich nach 75 Sekunden das erste Mal ein Herz. Der Kanadier ließ zwei Tölzer stehen, doch seinen Pass konnte Lubor Dibelka nicht verwerten. Ließ der unliebsame Gegner aus dem Nachbarlandkreis nicht auf sich sitzen: Mit einem Pfostentreffer deutete sich die Gefahr zum ersten Mal an. Wenig später hatte das Team von Marton erneut das Glück auf seiner Seite. Gendunov und Dibelka kamen im gegnerischen Drittel zu Fall – die Schiedsrichter blieben bei ihrer großzügigen Linie – und der Konter lief. Mit einer Glanztat entschärfte Andreas Mechel in höchster Not. Thomas Schmid und Sandro Schönberger leisten sich die erste Keilerei. Es ging hin und her, doch plötzlich schienen die Weiß-Blauen leicht die Überhand zu haben. Anselm Gerg und Jan-Niklas Pietsch ließen beste Möglichkeiten verstreichen. Trotzdem zappelte die Scheibe nach 13 Minuten im Netz. Dank kräftiger Hilfe der Gäste. Reto Schüpping sprang der Puck vor dem eigenen Gehäuse vom Schläger, Dibelka bedankte sich. Das Olympia-Eissportzentrum stand kopf, die weiß-blauen Anhänger stellten sich auf eine feuchtfröhliche Nacht ein. Doch weit gefehlt.

Fehlten an diesem Abend nach dem Ausgleichstreffer die spielerischen Mittel: Lubor Dibelka (l.) und Bair Gendunov zogen nach gutem Beginn gegen die Tölzer Löwen den Kürzeren.
Fehlten an diesem Abend nach dem Ausgleichstreffer die spielerischen Mittel: Lubor Dibelka (l.) und Bair Gendunov zogen nach gutem Beginn gegen die Tölzer Löwen den Kürzeren. © Oliver Rabuser

Zwei einfache Fehler werden bestraft: SCR gibt Führung aus der Hand und verliert Derby

Die erste Reihe des SCR schien im zweiten Abschnitt noch gar nicht richtig auf dem Eis zu sein, da fiel bereits der Ausgleich. Dominik Daxlberger nahm die Scheibe nach 18 Sekunden in Ruhe im Slot an und schloss mit der Rückhand ab – Mechel beim abgefälschten Schuss ohne Chance. Ein Treffer in die Herzen der weiß-blauen Anhänger, der auch an den Spielern nicht spurlos vorbeiging. Von der Energie aus den Anfangsminuten war fortan nichts mehr zu sehen. Der Spielfluss kam beiden Teams merklich abhanden. Viele einfache Fehler ließen das Niveau sinken. Die Frage war nur, welche Mannschaft einen Lapsus zuerst bestrafen würde. Die Werdenfelder ließen sich im eigenen Stadion auskontern. Ein Tölzer Pass aus dem eigenen Drittel landete bei Maximilian Spöttel. Im Zwei-gegen-Eins überwand er Mechel im kurzen Eck. Das Momentum war nun eindeutig aufseiten der Gäste. Der SCR wirkte verunsichert und legte sich die Scheibe gleich nochmal ins eigene Gehäuse. Pietsch mit einem katastrophalen Pass zurück auf Soudek. Der Stürmer brachte die Scheibe nicht unter Kontrolle, kam dann auch nicht in die Rückwärtsbewegung – das 1:3.

Würde die Mannschaft im letzten Abschnitt die Kraft finden, sich gegen die drohende Derbyniederlage zu wehren? Zunächst sah es danach aus. Marton hatte seinen Spielern wohl die passende Ansage verpasste, mit mehr Elan kamen seine Akteure aus der Kabine. Ein Aufbäumen, das zunächst von Erfolg gekrönt war. Gerg schoss Gendunov an, die Scheibe ins Tor und erweckte damit zwölf Minuten vor dem Ende das OEZ wieder zum Leben. Die Freude war nur von kurzer Dauer. Der SCR versuchte viel, doch fand an diesem Freitagabend nicht die spielerischen Mittel, um den Tölzern gefährlich zu werden. Auch eine Überzahl ließen die Werdenfelser ungenutzt verstreichen. Der Rivale hatte alles im Griff und machte mit dem 4:2 kurz vor Schluss alles klar. Eine Derbyniederlage, die noch lange schmerzen wird.

Sein Treffer sollte nicht reichen: Nach einem kapitalen Fehler der Tölzer sorgt Lubor Dibelka zunächst für die Führung.
Sein Treffer sollte nicht reichen: Nach einem kapitalen Fehler der Tölzer sorgt Lubor Dibelka zunächst für die Führung. © Tamara Rabuser (or)

Die Trainerstimmen

Axel Kammerer (Trainer Tölzer Löwen): „Ich bin sehr zufrieden, wir haben sehr stabil gespielt und starke Leistung eigentlich über drei Drittel hinweg gezeigt. Wir waren laufstark, haben uns viele Chancen erarbeitet und so viele genutzt, dass es zum Sieg gereicht hat.“

Hunor Marton (Trainer SCR): „Wie wir dieses Spiel verloren haben, nervt mich am meisten. Da waren einige Jungs, die einfach nicht hart gearbeitet haben, die nie drin waren. So kannst du gegen eine gute Mannschaft nicht bestehen. Das war nicht genug. Wenn du für so ein Derby nicht die Motivation findest, dann weiß ich nicht, wann du sie finden willst. Wer diese Energie nicht bringt, hat nicht verstanden, worum es geht. Und das geht nicht an die jungen Spieler. Es war eine Schande, wie einige diese Partie angegangen sind. Jeder muss mehr geben. Wir müssen das Spiel aus den Köpfen bringen, und jeder muss am Sonntag anders arbeiten, das zählt für mich.“

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