Nach der Sanierung der B 304 streitet sich die Stadt Ebersberg mit der Tiefbaufirma, das Straßenbauamt Rosenheim spricht von Missverständnis.
Ebersberg – Längst bettet sich der Erdhaufen auf dem Parkplatz westlich von Ebersberg in die idyllische Landschaft rund um den Eggelburger See ein. Unbekümmert sprießt das Gras zwischen den weißen Plastikplanen aus der Erde, vereinzelt schlängeln sich die ein oder anderen Blümchen der Sonne entgegen. Seit Wochen gedeiht auf dem Schuttberg, der von der Sanierung der Bundesstraße B 304 Ende Mai herrührt, eine Wiese.
Ein Umstand, der vor allem im Ebersberger Rathaus für viel Ärger sorgt. Denn dort hatte man die öffentlichen Stellflächen als Notlösung nur vorübergehend für die Erddeponie sperren wollen. Doch deren Abtransport verzögert sich seither immer weiter – und der Parkplatz bleibt erst einmal zugeschüttet.
Bürgermeister Proske: „Mir stinkt es brutal“
„Es ist eine komplizierte Geschichte, aber mir stinkt es brutal, dass wir da so hängengelassen wurden“, schimpft Ebersbergs Bürgermeister Ulrich Proske über die aktuelle Situation am Ebersberger Ortsrand. Sein Ärger gilt dabei nicht nur dem Staatlichen Straßenbauamt Rosenheim, das als zuständige Behörde für die Sanierung der B 304 zwischen Grafing und Kirchseeon und somit auch für das derzeitige Parkplatz-Dilemma mitverantwortlich ist. Auch auf die Firma, die den Haufen auf dem Asphalt abgeladen hat, ist Proske nicht sonderlich gut zu sprechen. Das habe seinen Grund.
Doch von Beginn: Per Ausschreiben sei jenes Unternehmen vom Straßenbauamt Rosenheim für die Bauarbeiten an der Bundesstraße beauftragt worden. Dabei hätte die Tiefbaufirma aus München angeben, einen Ablageort für Erdaushübe bei Zorneding zu haben, erklärt Proske. Dieser sei notwendig, um den Auftrag überhaupt zu erhalten. Das bestätigt auch das Straßenbauamt auf Nachfrage der EZ. „Die Anmietung einer entsprechenden Bereitstellungsfläche war bei der benannten Sanierungsmaßnahme mit ausgeschrieben, da dem Staatlichen Bauamt Rosenheim selbst keine derartige Flächen zur Verfügung stehen“, heißt es in der Stellungnahme der Behörde. Welche Fläche die Münchner Firma allerdings für den Auftrag angegeben habe, könne jedoch nicht bekannt gegeben werden.
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Ebersberg: Stadt bietet Parkplatz als Zwischenlösung an
Klar ist aber, dass noch bevor die erste Baumaschine überhaupt an die B 304 ausrücken konnte, die Sanierung bereits stillzustehen drohte. „Die Firma hatte plötzlich keinen Ablageplatz mehr für den Aushub“, sagt Bürgermeister Proske. „Wir wurden dann gefragt, ob wir ihnen irgendwie aus der Patsche helfen können.“
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Damit die Bauarbeiten an der B 304 planmäßig starten können, bietet die Stadt Ebersberg der Firma daher jenen Wanderparkplatz zur Zwischenlagerung der Erdmassen an. „Das war aus der Not heraus. Wir wollten einfach zusammenhalten und helfen, sodass die Bauarbeiten so schnell wie möglich vonstattengehen“, betont Proske. Was als kurzfristige Notlösung gedacht war, entpuppt sich nun jedoch als Dauerproblem. Bereits nach vier Wochen bittet die Firma bei der Stadt um eine Verlängerung – und dann um noch eine.
Ebersberg zieht die Reißleine
Proske reicht es, er zieht die Reißleine. „Ich habe gesagt, das Zeug muss jetzt weg“, erzählt er. Von der Münchner Firma erhält der Bürgermeister jedoch keine Reaktion. „Die haben sich nicht mehr gemeldet.“ Mittlerweile liegt der Erdhaufen also ohne Genehmigung auf dem Parkplatz – und die Firma mache keine Anstalten, den Aushub abzutransportieren. Eine ärgerliche Situation, findet Proske. „Man verlässt sich auf ein Wort, das nicht gehalten wird“, sagt er verständnislos. Während er sich im Stich gelassen fühlt, spricht das Bauamt Rosenheim von einem Missverständnis. „Die Situation ist unglücklich gelaufen“, erklärt Daniel Drachenberg, zuständiger Abteilungsleiter beim Bauamt Rosenheim.
Seinen Angaben zufolge sei der Stadt Ebersberg nicht bewusst gewesen, dass die beauftragte Firma nicht unbedingt für die Entsorgung des Aushubs verantwortlich ist. Diese werde über eine gesonderte Ausschreibung neu an eine Firma vergeben. „Der Prozess kann sich über längere Zeit hinziehen. Wir hätten daher von vornherein abgeraten, den Parkplatz zur Zwischenlagerung zur Verfügung zu stellen“, so Drachenberg.
Bei der kurzfristigen Entscheidung der Stadt sei das Straßenbauamt allerdings nicht hinzugezogen worden. „Jetzt ist es halt so. Der Ausschreibungsprozess läuft und die Entsorgung wird ab Anfang September möglich sein“, erklärt der Abteilungsleiter. Für Bürgermeister Proske ist das nur ein kleiner Trost. Schließlich wird der Parkplatz bis dahin wohl oder übel weiterhin gesperrt bleiben – und mit dem Wohlwollen des Bürgermeisters ist es auch vorbei. „Wir werden sowas künftig nicht mehr anbieten“, sagt er.