Extremsportler Friedi Kühne aus Berg am Starnberger See sucht neue Herausforderungen

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Neuer Weltrekord: Friedi Kühne aus Berg schafft es trotz widriger Bedingungen auf Anhieb, in 2.500 Metern Höhe über die 19 Meter lange Highline zu laufen. © Jochen Schweizer

In 2.500 Metern Höhe auf einem nur 2,5 Zentimeter breiten Kunstfaserband laufen, das zwischen zwei beweglichen Heißluftballons befestigt ist. Allein die Vorstellung ist für viele ein Albtraum. Für Friedi Kühne (35) aus Berg am Starnberger See war es die Herausforderung. Er hat sich über zwei Jahre lang darauf vorbereitet und dann im ersten Anlauf einen neuen Guinness Weltrekord der höchsten Slackline-Überquerung aufgestellt. Wie er das geschafft hat und was seine nächsten Ziele sind, erzählt er im Gespräch.

Berg/Landkreis Starnberg – Lange hat Friedrich (Friedi) Kühne auf den für ihn „besonderen Weltrekord“ hingeträumt und hingearbeitet. Die Vorbereitung beim Laufen sehr hoher, langer und schwieriger Highlines (Slackline in großer Höhe) war selbst für den erfahrenen Sportler nicht ohne Angst. Es habe sich angefühlt, „wie auf einer Slackline auf einem Karussell über den Wolken“ zu laufen. Die Ballons drehen sich im Kreis, man balanciert mal bergauf, mal bergab. Am Ende gab es aufgrund des Wetters dann auch nur einen einzigen Versuch. Der hat funktioniert. „Dementsprechend groß war die Freude und Erleichterung“, berichtet der Profisportler im Nachhinein.

Kann man diesen Erfolg und die vielen weiteren in der Vergangenheit, bei denen er zum Teil auch ungesichert über die Slackline balancierte, noch toppen? Friedi Kühne hat bereits 16 Weltrekorde in der Tasche, ist dabei unter anderem in der Disziplin „Free solo“ ungesichert angetreten und auf der Highline über Kanadas höchste Hunlen-Wasserfälle balanciert.

Er bestritt Wettbewerbe im Iran, in Indien, Norwegen, Australien und vor wenigen Tagen in Estland. In Mühldorf am Inn machte Friedi Kühne zuletzt mit einem weiteren Weltrekord Schlagzeilen, lief mit einem gefüllten Maßkrug in der Hand einhundert Meter und damit die bislang längste Strecke, ohne etwas von seinem Lieblingsbier, einem alkoholfreien Weißbier, zu verschütten. Bei der Veranstaltung ging es den Organisatoren darum, Leute in Bewegung zu bringen, erklärt der Extremsportler, ein Vortrag von ihm sollte dies zudem forcieren.

Der eigenen Fähigkeit vertrauen

Dieser extreme Teil seiner beruflichen Tätigkeit – an zwei Tagen ist er Fachlehrer für Englisch und Mathematik an der Montessorischule in Berg-Biberkor – birgt „ein gewisses Restrisiko“, dessen ist sich Friedi Kühne sicher. Doch das liege „in der Macht des Sportlers“ und könne im Austausch mit den Naturgewalten und durch Erfahrung dezimiert werden.

Highlinen könne man nur, „wenn man der eigenen Fähigkeit vertraut“, sich sicher ist, dass man nicht fällt. Aber wie geht seine Familie mit dieser Situation um? Jetzt, nachdem die erfahrene Alpinistin Laura Dahlmeier in den Bergen ihr Leben verlor. Frau und Schwester verstehen seine Leidenschaft und balancieren selbst auf der Slackline. „Free solo“ habe seine Mutter immer „ziemlich blöd“ gefunden und der Vater ist froh, dass der Sohn nun „einen Gang zurückschaltet“. Trotzdem sind alle stolz auf ihn, unterstützen ihn und freuen sich, dass er seine Leidenschaft gefunden hat. „Im Slacklinen hab ich alles gemacht, was mir eingefallen ist“, so der erfolgreiche Sportler. Derzeit orientiert er sich neu, sei „nicht konstant auf Weltrekord-Jagd“. Er widmet sich mehr dem Fallschirmspringen und Basejumpen (Fallschirmspringen von Objekten aus geringer Höhe). Friedi Kühne möchte das Slacklinen mit anderen Sportarten kombinieren. „Der echte freie Fall“ ist es, was ihn kickt. Noch ist er kein Weltklassefallschirmspringer, jedoch bereits fortgeschritten, braucht es 300 bis 400 Höhenmeter, um den Fallschirm sauber zu öffnen. „Free solo“ ist nicht mehr das, was ihn packt, er hat „eine gewisse Sättigung an dem Gefühl erreicht“, sagt er, „man kann nur ans Limit gehen, wenn man verrückt danach ist“.

Zudem liegt sein Fokus aktuell mehr auf Kursen und Motivationsvorträgen. „Ich möchte das Slacklinen anderen beibringen und meine Leidenschaft weitergeben“, erklärt er. Wohlwissend, dass ihm mit 35 Jahren „die Jungspunde davonflitzen“. In der Vergangenheit ist er bei Slackline-Wettbewerben bereits in die Moderatorenrolle geschlüpft. Zudem gibt er seit Langem Slackline-Kurse im Raum Rosenheim.

Buchveröffentlichung „Über dem Abgrund - Slacklinen am Limit“

Wer mehr über den Sportler (und sich selbst!) erfahren möchte – denn es geht um Reflektion und Mut –, der kann Kühnes Buch „Über dem Abgrund – Slacklinen am Limit“ lesen, das er vor eineinhalb Jahren herausgebracht hat. Oft sei die Überwindung der Angst mehr eine mentale als körperliche Herausforderung. Im Buch geht es auch um die Schönheit ferner Länder, die er im Rahmen seiner Wettbewerbe bereist hat. „Ich hab es komplett selbst geschrieben, alles ist wie von selbst aus mir herausgesprudelt“, darauf ist er stolz. Ein halbes Jahr saß er dafür am Computer. Die Tagebuchaufzeichnungen von seinen Reisen bildeten die Grundlage für das Buch. Gerade wird es ins Englische übersetzt.

Was bedeutet für Friedi Kühne sportlicher Erfolg? Sportgeschichte schreiben, Sachen machen, die noch kein anderer vorher unternommen hat. Leistungen, die es wert sind, dass man sich daran erinnert. Doch er kann sich auch riesig am Erfolg anderer erfreuen – an dem seiner Montessori- und Slackline-Schüler oder der Menschen, die ihm am nächsten stehen.

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