Eine Serie von Lawinen ging in den Alpen ab. In Österreich und Frankreich gibt es Todesopfer. Einsatzkräfte der Bergrettung waren gefordert.
Innsbruck – Nach den jüngsten Schneefällen ist die Bilanz vom Wochenende dramatisch. Lawinenabgänge in den Alpen forderten Menschenleben. In Frankreich wurde ein Pistenretter bei einer Lawine getötet. In Österreich stirbt eine Frau, zwei Deutsche werden verletzt.
Meteorologen hatten für das Wochenende ein hohes Lawinenrisiko in den französischen Alpen vorhergesagt. Allein am Sonntagmorgen verzeichnete die Präfektur von Savoyen mindestens sechs Lawinen in den Skigebieten des Départements. Zwei tödliche Lawinen gingen in Savoyen (Frankreich) am Sonntag (11. Januar) ab, eine in La Plagne und zuvor in Courchevel.
Tote und Verletzte nach Lawinen in den Alpen
In La Plagne wurde ein Brite abseits der Piste von einer Lawine erfasst. 52 Rettungskräfte, Lawinenhunde und ein Hubschrauber suchten nach dem Mann. Erst nach 50 Minuten konnte der Wintersportler in einer Tiefe von 2,5 Metern unter den Schneemassen lokalisiert werden, berichten französische Medien. Er sei nicht mit einem Lawinensuchgerät ausgerüstet gewesen, berichtet das französische Nachrichtenmagazin Le Dauphine. Der Brite konnte demnach nicht wiederbelebt werden und verstarb.
Im Skigebiet Courchevel ging gegen 11:40 Uhr eine Lawine im unpräparierten Gelände ab. Pistenretter, die den Lawinenabgang in der Ferne beobachtet hatten, waren Berichten zufolge schnell vor Ort, konnten die Person jedoch nur noch tot bergen.
Tragödie in den französischen Alpen – Pistenretter (32) stirbt durch Lawine
Nahe der Schweizer Grenze im Gebiet von Vallorcine spielte sich eine Tragödie ab. Ein 32-Jähriger wurde von einer Lawine erfasst und gegen einen Baum geschleudert. Der Pistenretter erlag seinen Verletzungen, sein Begleiter blieb unverletzt. Bereits am Samstag (10. Januar) waren in Val-d‘Isère zwei Skifahrer verschüttet worden, die außerhalb der Piste unterwegs waren. Die beiden Männer konnten nur noch tot geborgen werden, wie die örtliche Tourismusbehörde mitteilte.
Lawinen in Österreich – Rettungskräfte befreien Frau noch aus Schneemassen
In Tirol (Österreich) wurde eine 58-Jährige von einer Schneebrettlawine an der Nordwestseite des Gilfert mitgerissen, teilt die österreichische Polizei mit. Nach der Tour bei der Abfahrt löste sich demnach hinter der Österreicherin eine etwa 100 Meter breite und 40 Meter lange Schneebrettlawine. Die Begleiterin (32) habe noch versucht, durch Zurufe auf die Gefahr aufmerksam zu machen – vergebens.
Die 58-Jährige wurde von den Schneemassen mitgerissen und vollständig verschüttet. In einer Tiefe von etwa 1,70 Metern konnte die Verschüttete noch von Einsatzkräften geortet und dann ausgegraben werden. Nach Reanimationsmaßnahmen wurde die Verunglückte mit einem Hubschrauber in die Klinik Innsbruck geflogen, wo sie jedoch später verstarb.
Lawinen in Zürs am Arlberg – zwei deutsche Skifahrer verletzt
Zwei Deutsche wurden in Zürs am Arlberg auf einem Steilhang von einem Schneebrett erfasst. Die beiden waren am Sonntag (11. Januar) gegen 10:30 Uhr abseits der Piste unterwegs und querten einen etwa 40 Grad steilen Hang auf rund 2.350 Metern Höhe. Nach Angaben der Polizei wurden die Männer im Alter von 60 und 55 Jahren in Kliniken geflogen.
Ein Lawinenabgang im Rofangebirge ging für zwei Tourengeher (23 und 26 Jahre alt) glimpflich aus. Eine etwa 30 Meter breite Schneebrettlawine riss einen 23-jährigen Österreicher 75 Meter mit und verschüttete ihn, dank rechtzeitig ausgelösten Lawinenrucksacks nur teilweise. Der 23-Jährige konnte sich selbstständig befreien und blieb unverletzt, so die österreichische Polizei. Jedoch hatte der Tourengeher seine Ausrüstung bei dem Lawinenunfall auf 2135 Metern verloren. Ein Hubschrauber flog den Österreicher dann aus.
In der Nähe von Kitzbühel löste ein 17-jähriger Deutscher eine etwa 350 Meter lange und 120 Meter breite Lawine aus, wie die Polizei berichtete. Dank eines Lawinenairbags überlebte er unverletzt.
„Nur mehr eine Hand ragte aus dem Schnee“ – Lawine verschüttet Briten (29) in Tux (Tirol)
Im Skigebiet Rastkogel Tux löste ein Brite (29) gegen 11:30 Uhr eine Schneebrettlawine (20 Meter breit und 30 Meter lang) aus. Der 29-Jährige wurde mitgerissen und vollständig verschüttet. „Nur mehr eine Hand ragte aus dem Schnee“, so die österreichische Polizei. Seine zwei Begleiter, denen der 29-Jährige hinterhergefahren war, hatten von der Lawine nichts bemerkt. Augenzeugen bemerkten den Lawinenabgang und setzten einen Notruf ab und konnten den Verschütteten nach etwa fünf Minuten aus den Schneemassen befreien. Der 29-Jährige war, laut dem Notarztteam unverletzt, und lehnte nach Angaben der Polizei eine medizinische Versorgung ab und setzte seinen Skitag fort.
Großeinsatz am Arlberg nach 100-Meter-Schneebrett – drei Hubschrauber im Einsatz
Am Arlberg war für weite Gebiete die Lawinenwarnstufe 4 (groß) herausgegeben worden. Ein Deutscher (55) löste mit seinem Sohn (13) gegen 11:37 Uhr im freien Skiraum im Bereich „Ifen-Kellerloch“ ein Schneebrett (100 Meter breit und 70 Meter lang) aus. Vater und Sohn wurden nicht mitgerissen und blieben unverletzt.
Da laut österreichischer Polizei zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte, dass weitere Wintersportler von der Lawine verschüttet worden waren, löste die Lawine eine riesige Suchaktion aus: 40 Kräfte der Bergrettung mit zwei Lawinenhunden, 15 Mitglieder der Feuerwehren Riezlern und Mittelberg, die Pistenrettung Ifen, drei Hubschrauber sowie zwei Beamte der Alpinen Einsatzgruppe Kleinwalsertal sondierten das Gebiet. Nach mehr als zwei Stunden, gegen 13:15 Uhr, wurde der Großeinsatz am Sonntag beendet.
In Salzburg gingen am Sonntag laut der Bergrettung gleich fünfmal Alarme ein. Vier Einsätze betrafen Lawinenabgänge im alpinen Gelände, schreibt die Bergrettung Salzburg auf Facebook. Einen Einsatz löste ein Vater mit zwei Kindern aus. Die Skifahrer waren im unwegsamen Gelände in Bergnot geraten. Sie waren nicht verletzt, aber leicht unterkühlt.
Bei einem Lawinenabgang am Sonntagvormittag am Gennerhorn im Gemeindegebiet Hintersee (Flachgau) wurde ein Tourengeher mitgerissen, teilweise verschüttet und am Knie verletzt, so die Bergrettung Salzburg. Dem 37-jährigen Österreicher war es noch gelungen, seinen Airbag auszulösen. Bergretter stiegen demnach zu dem Verletzten auf und transportierten ihn bis zu einem Bereich ab, wo der Rettungshubschrauber Martin 10 landen konnte. Im Gebiet der Osterhorngruppe hatte am Sonntag die Lawinenwarnstufe zwei (mäßig) oberhalb der Waldgrenze gegolten. Erst am 2. Januar hatten Lawinenunglücke in Italien ebenso drei Menschen das Leben gekostet. (Quelle: Polizei Österreich, Bergrettung Salzburg, Nachrichtenagentur AFP, dpa, Ledauphine.com) (ml)