Die AfD stolpert im Kreis Freising von einer Aufstellungsversammlung zur nächsten. Die Presse ist nie eingeladen, die Kämpfe innerhalb der Partei werden via Social Media und Pressemitteilungen ausgetragen. In Moosburg gibt es nun einen neuen Kandidaten.
Landkreis Freising – Begonnen hat alles, wie berichtet, mit der Wahl des AfD-Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Moosburg: Mit einem Münzwurf war Stefan Jahnel bestimmt worden, sein Gegenkandidat, Stadt- und Kreisrat Gerhard-Michael Welter, ging leer aus. Der erinnerte an Jahnels NPD-Vergangenheit, führte die Unvereinbarkeitsliste der AfD ins Feld und war so erbost, dass er seine Kandidatur für den Stadtrat sofort zurückzog. Doch so ein Münzwurf, so hat es die Moosburger Stadtverwaltung moniert, sei eine nicht zulässige Form der Kandidatenwahl. Das wiederum hat Stefan Jahnel erbost: „Meiner Meinung nach geht es die Stadt einen feuchten Kehricht an, in welcher Art und Weise ein Losentscheid durchgeführt wird. Ich hätte den Klageweg bestritten, der Kreisvorstand hingegen hat die Entscheidung der Stadt akzeptiert.“ Seine Vermutung: Die Stadt habe der AfD „Knüppel zwischen die Speichen werfen“ wollen. Das Spielchen, so lange zu losen, bis das Ergebnis Welter gefalle, spiele er nicht mit, betont Jahnel auf FT-Nachfrage. Und deshalb war er bei der neuerlichen Aufstellungsversammlung der AfD in Moosburg auch nicht zugegen. Wie Welter dem FT bestätigte, sei er, Welter, zwar Spitzenkandidat auf der Stadtratsliste, Bürgermeisterkandidat ist allerdings Moutasem-Daoud Ghadieh.
Es mangelt nicht an Zündstoff
Was die Landratskandidatur und die Aufstellung der Kreistagsliste betrifft, scheint es auch da an Zündstoff nicht gemangelt zu haben. Der AfD-Kreisvorsitzende Richard Paukner setzte sich bei der Wahl zum Landratskandidaten in einer Kampfabstimmung gegen Gerhard-Michael Welter durch. Bei der Wahl für die Kreistagsliste wurden die Bewerber einzeln gewählt – zumindest bis zu Platz 9. Die Plätze 10 bis 15, so schildert es Jahnel, der für einen dieser Plätze antrat, sollten ausgelost werden. Als dann schon viele Stimmberechtigte die Versammlung verlassen hätten, habe Welter nach Darstellung Jahnels die Gelegenheit genutzt und einen Geschäftsordnungsantrag gestellt, dass sämtliche Kandidaten, die auf Unvereinbarkeitslisten stünden, wieder gestrichen werden. Dieser Antrag habe die Mehrheit gefunden. Die Folge: Als Jahnels Name aus dem Lostopf gezogen wurde, sei er für ungültig erklärt worden. Und ein „Dr. Ludwig“, der zuvor aussichtsreich positioniert war, wurde wieder von der Liste gestrichen, weil er früher das NPD-Parteibuch besessen habe, so Jahnel. Dabei, so betont Jahnel, handele es sich „um eine höchst honorige Person, die jahrelang als Beamter im Ausland für Deutschland seinen Dienst getan hat, das Ansahen der Bundesrepublik gemehrt hat und der mit interessanten und sehr fundierten Vorträgen die parteiinterne Bildungsarbeit bereichert“.
Was ebenfalls zu Querelen geführt hat, war die Aufstellungsversammlung für die Stadtratsliste Freising. Die wird von dem einzigen amtierenden Stadtrat Paukner angeführt, Kreisrätin Bianca Csonka hingegen habe sich immer wieder aufs Neue um einen Listenplatz beworben, sei aber jedes Mal „durchgefallen“, wie es bei Jahnel heißt.
Attacke „unter der Gürtellinie“
Und dann war da noch die Mitgliederversammlung der Kreis-AfD, in der laut Paukner „die parteiinterne Lage breiten Raum eingenommen“ habe. Welter sei erneut in die Kritik geraten, weil er in den sozialen Medien den Mauerner Bürgermeisterkandidaten und seinen Kreistagskollegen Michael Albuschat scharf attackiert habe – und zwar „nach Ansicht vieler Teilnehmer unter der Gürtellinie“. Kritik habe es zudem an „Welters Umgang mit dem zwischenzeitlichen Bürgermeisterkandidaten Stefan Jahnel“ gegeben.
Denn wie betont wurde, hätten „sich die gegen Jahnel erhobenen Vorwürfe einer öffentlichen Holocaustleugnung letztlich nicht belegen lassen“. Zudem habe sich der Vorgang vor rund 30 Jahren ereignet und besitze heute „kaum noch politische Relevanz“. Tenor: „Das locke doch heute keinen Hund hinter dem Ofen mehr hervor.“ Zudem sei auf frühere Äußerungen Welters verwiesen worden, in denen er sich selbst als „Nazi“ im Sinne von „nicht an Zuwanderung interessiert“ bezeichnet hatte.