Ist Papst Franziskus der Vorbote der Endzeit? Eine alte Prophezeiung wirft neues Licht auf das Pontifikat – und auf die Zukunft der Kirche.
Rom – Mit Prophezeiungen ist das so eine Sache: Sie treffen selten ein, sorgen aber zuverlässig für Gesprächsstoff. Meist sagen sie mehr über die Ängste ihrer Zeit aus als über die Zukunft selbst. Viele glaubten etwa, dass 1999, wie von Nostradamus prophezeit, die Welt untergehen würde. Tatsächlich passierte: nichts. Nach dem Tod von Papst Franziskus und der bevorstehenden Wahl seines Nachfolgers gerät nun eine alte Weissagung des Propheten Malachias aus dem 12. Jahrhundert wieder in den Fokus.
Letzter Papst regiert laut Prophezeiung 2027: Was hinter dem düsteren Sinnspruch steckt
Die sogenannte „Papstliste“ des irischen Heiligen und Propheten Malachias enthält 112 kryptische Sinnsprüche über zukünftige Päpste, die jedoch nicht namentlich erwähnt werden. Der letzte dieser Sinnsprüche markiert der Prophezeiung zufolge den Beginn des letzten Pontifikats, woraufhin das Jüngste Gericht bevorstehe. Die Zuordnung der Textzeilen zu den Päpsten ist offenbar nicht ganz leicht, da nicht immer eindeutig – zeitweise gab es drei Päpste gleichzeitig.
Der populären Auslegung zufolge soll Papst Franziskus der letzte Papst in der Malachias-Prophezeiung gewesen sein. Demnach soll das Papsttum im Jahr 2027 mit „Petrus dem Römer“ enden. Der Sinnspruch dazu lautet: „In der letzten Verfolgung der Heiligen Römischen Kirche wird Petrus der Römer sitzen und seine Schafe in vielen Drangsalen weiden lassen, und wenn dies alles vorbei ist, wird die Stadt der sieben Hügel zerstört werden, und der schreckliche Richter wird sein Volk richten. Das Ende.“
Neue Deutung wirft alles um: Historiker stellt letzte Papst-Prophezeiung infrage
Historiker hielten die Liste lange für eine Fälschung aus dem 16. Jahrhundert, womöglich verfasst von Philipp Neri. Neuere Forschungen, etwa des Bayreuther Historikers Hermann Hiery, deuten darauf hin, dass die Liste tatsächlich älter sein könnte. Hiery ließ die Gegenpäpste in der Zählung daher außen vor und korrigierte damit die Zuordnung der Sinnsprüche zu den Päpsten und siehe da: Papst Franziskus wäre demnach nicht der letzte Papst. Auf ihn würden noch drei Kirchenoberhäupter folgen, wie die römisch-katholische Nachrichtenagentur CNA berichtet. Der Nachfolger von Papst Franziskus müsste demnach Petrus heißen.
Wie die offizielle Liste des Kardinalsgremiums zeigt, haben drei potenzielle Kandidaten für das Papstamt diesen Namen: Kardinal Pietro Parolin, Peter Turkson, Kardinal von Ghana und der ungarische Kardinal Peter Erdo. Die schlechten Nachrichten: Unter dem kommenden Papst soll laut der „Papstliste“ eine kosmische Katastrophe geschehen, wobei unklar bleibt, was das bedeutet. Papst Franziskus wird mit Hierys neuer Ordnung ebenfalls ein neuer Sinnspruch zugeteilt, der nicht unbedingt ihn als Person, aber doch den Zustand der Kirche beschreibt. „De medietate lunae“ steht dort auf Latein, was „von der Mitte des Mondes“, heißen kann.
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Eine Deutung ist schwierig. Der Experte und Priester der Erzdiözese Wien, Joachim Heimerl, kommt in einem Gastbeitrag bei CNA aber zu dem Schluss, dass es sich um eine negative Assoziation handeln muss. „Und tatsächlich erleben wir derzeit ohne Frage eines der schwierigsten Pontifikate der letzten Jahrhunderte“, bekräftigt der Geistliche. Unabhängig davon, wie viel oder eher wenig Wahrheit in der Malachias-Prophezeiung am Ende wirklich steckt: Die Liste bleibt ein spannendes Stück Kirchengeschichte – und ein Anlass, über die Herausforderungen der Gegenwart nachzudenken.