Wie ein Familienbetrieb in Schönrain neue Wege für nachhaltige Landwirtschaft zeigt

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Vorzeige-Bauernhof: Franz Xaver Demmel erläutert Mitgliedern des Königsdorfer Bauernverbandes seine Konzepte. © Manfred Stoff

Jüngst hat der Bayerische Bauernverband im Rahmen des Klimaschutztages Oberbayern den Huberhof in Schönrain als Modellprojekt für innovative und nachhaltige Landwirtschaft vorgestellt.

Königsdorf – Wer den landwirtschaftlichen Familienbetrieb „Huabahof“ in Schönrain bei Königsdorf besucht, dem wird schnell klar, dass mit Betriebsleiter Franz Xaver Demmel ein Mann am Werk ist, an dessen Leidenschaft und an dessen Anwendungswissen so schnell kein Weg vorbeiführt.

„Klima(schutz)tag Oberbayern:“ Bayerischer Bauernverband besucht Huberhof in Schönrain

Bereits in zehnter Generation betreibt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern einen Bio-Bauernhof, der wohl nicht zu Unrecht vom Bayerischen Bauernverband als Modellprojekt ausgewählt wurde, um im Rahmen des „Klima(schutz)tages Oberbayern“ sich bewusst und intensiver als bisher mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft zu beschäftigen.

Seit dem 11. September versucht der Bauernverband mit einer Vielzahl von Aktionen in den Kreisverbänden in ganz Oberbayern auf seine Klimaschutzstrategie aufmerksam zu machen, die in den wesentlichen Punkten schon seit sechs bis sieben Jahren entwickelt und diskutiert wird.

Landwirtschaft 2.0: ranz Xaver Demmel ist ein Technik-Freak

Mit Landwirt Demmel hat der Bauernverband einen Mitstreiter, der schon als ehemaliger Eishockey-Profi von sich reden machte. Wer den Weg zum „Huabahof“ findet, ist unmittelbar versetzt in eine Landwirtschaft 2.0, die nichts zu tun hat mit Öko­folklore oder Heile-Welt-Vorstellungen. Franz Xaver Demmel ist ein Technik-Freak, der versucht eine nachhaltige Landwirtschaft mit den modernsten Mitteln der Technik umzusetzen.

Als Bauingenieur, Ingenieur für technischen Umweltschutz und geprüfter Landwirt bringt er einen Rucksack an Fachwissen mit, das es ihm leichter als vielen anderen macht, die Probleme im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Klimawandel, wie er selbst sagt, „nüchtern anwendungsbezogen statt ideologisch besoffen“ zu betrachten.

Auch vor diesem Hintergrund versteht er sich als Vertreter einer „interdisziplinären Landwirtschaft“, bei der Bauern über die Lebensmittelproduktion hinaus gesellschaftliche Aufgaben wahrnehmen, wie etwa bei der Emissionsreduktion, der Energieproduktion oder der Netzstabilität. Wenn es nach Demmel ginge, dann wäre schon längst die Landwirtschaft zum Aufbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität genutzt worden, da doch viele Landwirte mittlerweile Stromproduzenten sind. Relativierende und zögernde Aussagen von Politikern zur Zukunft der E-Mobilität entlocken Demmel nur ein müdes Lächeln, zumal er mit Strom schon heute wesentlich billiger als mit Diesel unterwegs ist.

Melkroboter erlauben es der Kuh, die Melkzeiten selbst zu bestimmen

Nicht nur elektrisch betriebene landwirtschaftliche Fahrzeuge sind auf dem Demmelhof im Einsatz. Eigentlich ist so ziemlich alles umgesetzt, was man derzeit sinnvoll umsetzen kann. Angefangen beim zentralen und weltweit einzigartigen Energie-Management-System, dem „Hirn des Huabahofs“, der eigenen Stromproduktion, den Stromspeicherbatterien, den Melkrobotern, die es jeder Kuh erlauben, die Melkzeiten selbst zu bestimmen, der „frequenzgeführten Lichtsteuerung“ im Stall für einen artgerechten Tag- und Nachtrhythmus, dem emissionsmindernden Spaltenboden, den „Kuschelmatten“ fürs Tierwohl, den temperaturgesteuerten Ventilatoren und vielem mehr.

Zu besichtigen am Huberhof ist nicht weniger als die Neuerfindung der Landwirtschaft, begleitet von der Technischen Universität München. Franz Xaver Demmel sieht die Landwirtschaft als „das wichtigste Ökoprojekt der Welt“. Ihm ist klar, dass das nicht jeder Landwirt umsetzen will und kann und dass dafür noch dicke Bretter zu bohren sind.

Nachhaltige Landwirtschaft am Huberhof in Königsdorf

Aber er zeigt, dass nachhaltige Landwirtschaft und Klimaschutz funktionieren können, wenn die Menschen bereit sind, für Lebensmittel künftig mehr zu bezahlen. Da klingt es fast ein wenig frustrierend, wenn er feststellt, dass viele über die Torerfolge von Harry Kane Bescheid wissen, es aber schwer ist, anderen Menschen die Größe von Dingen klarzumachen, die ihnen gering erscheinen.

Interessierten Bürgern bietet Franz Xaver Demmel immer wieder Gelegenheit, hautnah das technisch Machbare in der Landwirtschaft in einem interdisziplinären Kontext zu erleben. Der Klimaschutztag des Bayerischen Bauernverband war dafür eine perfekte Gelegenheit.

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