Fast ein Jahrhundert drehte sich bei Foto Sessner alles um die Fotografie. Doch zum 30. April schließt das Traditionsgeschäft in der Münchner Straße. Leicht gefallen sei ihm die Entscheidung nicht, sagt Inhaber Guido Glück. Aber die allgemeine Konjunkturschwäche setzt dem Geschäft zu.
Dachau – Im Jahr 1929 eröffnete in der Dachauer Altstadt ein kleines Fotostudio mit Geschäft: Foto Sessner. Nun, 96 Jahre später, muss der Betrieb schließen. Der Entschluss sei zum Jahresende gereift, berichtet Inhaber Guido Glück (62). Beim Blick auf die Zahlen des Geschäftsjahrs 2024, auch nach einem Weihnachtsgeschäft, das eigentlich komplett ausgefallen ist, „haben wir reagiert“, erklärt Glück. „Auch wenn es mir nicht gut geht mit der Entscheidung.“
Angefangen hat alles in der Corona-Zeit: Die Umstellung auf den Online-Handel habe damals stark zugenommen. „Das war der Game-Changer.“ Glück habe reagiert, „wir haben einen Web-Shop installiert“. Doch das Geschäft erholte sich nicht wirklich. Seine Branche habe mit zwei Problemen zu kämpfen: Zum einen sei eine Filialisierung erkennbar, das heißt, dass kleinere Fotogeschäfte aufgeben, keinen Nachfolger finden, und immer mehr große Händler, zum Teil aus dem Ausland, Filialen installieren. Zum anderen werde zwar weiterhin fotografiert, aber mit dem Handy. „Es kommen weniger Bilder zum Ausdruck.“
Das Geschäft stehe seit vielen Jahren auf vier Säulen, erklärt Glück: das Ladengeschäft, das Fotostudio, das Labor für die eigene Fertigung, Entwicklung und Bearbeitung von Fotografien sowie die Fotografie außerhalb, im Bereich Industrie, Werbung, private Anlässe – all das mit ausgebildeten Fachkräften. „Zwei Standbeine haben in den vergangenen Jahren angefangen, zu bröckeln: der Einzelhandel und die Labortätigkeit.“ Glück und sein Team – zuletzt insgesamt zwölf Mitarbeiter inklusive Auszubildenden – haben alles versucht, das Ruder herumzureißen. „Die Mitarbeiter sind mit großem Engagement im Einsatz, bringen ihre Ideen, ihr Fachwissen ein, wir sind auf Facebook und Instagram aktiv.“ Die Kunden werden auf Augenhöhe beraten, mit Liebe zur Fotografie, „wir haben immer eine Lösung gesucht, die gepasst hat“. Doch im vergangenen Jahr habe sich der Abwärtstrend abgezeichnet. Das Geschäft im Laden sei stark zurückgegangen, auch die Münchner Straße als Haupteinkaufsstraße sei immer weniger frequentiert.
Zwei Standbeine haben in den vergangenen Jahren angefangen, zu bröckeln: der Einzelhandel und die Labortätigkeit.
„Für uns hat sich die Frage gestellt: Inwieweit ist der Fotofachhandel noch zukunftsfähig?“ Glück habe hier keine Perspektive gesehen. „Deshalb haben wir uns entschlossen, das Ganze zu beenden.“
Angefangen hat „das Ganze“ in der Altstadt. Der Vater von Paul Sessner gründete das Geschäft 1929, der Sohn arbeitete zunächst mit und übernahm „Foto Sessner“ schließlich. Nach dem Umzug in die Münchner Straße wurde das Geschäft erweitert, ein Studio-Neubau im Rückgebäude kam hinzu. Guido Glück absolvierte als Jugendlicher seine Ausbildung in dem Geschäft, legte seine Meisterprüfung ab, wurde Geschäftsführer und übernahm es schließlich, als Paul Sessner aufhörte. „Den Namen habe ich gelassen, das ist ja eine Marke“, sagt der heute 62-Jährige.
45 Jahre lang war „Foto Sessner“ ein großer Lebensinhalt von Guido Glück. Sechs Tage die Woche stand er im Laden. „In all den Jahren haben wir den Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie mitgelebt, wir haben den Maschinenpark im Labor erweitert, das Studio umgerüstet, waren immer auf dem neuesten Stand der Technik.“ Über all die Jahre habe sich Foto Sessner einen treuen Kundenstamm geschaffen, unter anderem Familien, die immer wieder zu einer Fotoserie kommen, Fotobegeisterte, die sich gerne in Sachen Technik beraten lassen, Kunden, die immer wieder Sessner-Fotografen für Hochzeiten, Taufen und andere Familienereignisse engagieren, für Industrie- oder Werbefotografie.
Bei ihnen allen möchten sich Guido Glück und sein Team bedanken. „Es war uns eine Ehre!“ Bis 30. April ist der Laden noch offen, alle Mitarbeiter stehen bis zuletzt den Kunden zur Verfügung. „Wir haben auch Abverkaufsaktionen, alles muss raus, Fotoequipment, Alben, Rahmen, Stative, Kameras – solange der Vorrat reicht.“ Auch Gutscheine werden bis zuletzt eingelöst.
Meine News
Seine Mitarbeiter haben den Entschluss, zu schließen, gefasst aufgenommen, „wenn auch enttäuscht“. Er helfe nun selbstverständlich, wo er kann, um Mitarbeiter an Kollegen zu vermitteln, ihnen neue Arbeitsstellen vorzuschlagen, Azubis weiter unterzubringen. Auch ihm selbst geht es nicht gut mit der Entscheidung. „Ich hätte gerne noch weitergemacht“, gibt Guido Glück zu.