Putzbrunnerin (18) lebt ein Jahr in den USA: „Die Erfahrung kann mir keiner nehmen“

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Feiern gemeinsam den Schulabschluss: Marie Schultz (Mitte) mit ihren Gasteltern. © privat

Marie Schultz wird schon bald ihr Abitur am Gymnasium Neubiberg machen, dabei hat sie bereits einen anderen Abschluss in der Tasche: das High School Diploma. Die Putzbrunnerin hat ein Jahr in den USA gelebt und berichtet von ihren Erfahrungen.

Marie Schultz nahm am Parlamentarischen Patenschafts-Programm des Bundestags teil, erhielt ein Vollstipendium für einen zehnmonatigen USA-Aufenthalt und ging dort zur Schule. Mittlerweile ist Schultz wieder zuhause, schwelgt aber noch in Erinnerungen an ihr Auslandsjahr. „Das Jahr hat mich so viel gelehrt. Es war wirklich eine tolle Zeit“, sagt die 18-Jährige und zieht ein durch und durch positives Fazit.

Mit Gasteltern das Land erkundet

Daran hat nicht zuletzt ihre Gastfamilie großen Anteil. Schultz lebte die zehn Monate bei einem kinderlosen Lehrer-Paar in Brighton nahe Detroit im Bundesstaats Michigan. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie viel Glück ich mit meinen Gasteltern hatte“, sagt Schultz. Denn die beiden haben ihr nicht nur anfangs geholfen, sich in der neuen (Schul-)Umgebung zurecht zu finden, sondern auch viel mit ihr in Michigan und darüber hinaus unternommen. „So haben sie mich zu Weihnachten mit einem Kurztrip nach Florida überrascht“, erzählt Schultz – dem Besuch der bekanntesten Freizeitparks, dem Disney World und den Universal Studios, inklusive.

Mit Mickey-Maus-Ohren in Florida: Ihre Gasteltern überraschten Marie mit einem Kurztrip nach Disney World.
Mit Mickey-Maus-Ohren in Florida: Ihre Gasteltern überraschten Marie mit einem Kurztrip nach Disney World. © privat

Emotionale Tiefs und extremes Wetter

Zum Glück: Denn außer an ihrem 18. Geburtstag, den sie ohne ihre geliebte Familie und ihre Freunde aus Putzbrunn feiern musste, hatte sie auch rund um Weihnachten verstärkt Heimweh. „An meinem Geburtstag war es sehr hart“, gibt Marie Schultz zu. Trotzdem hat sie alle emotionalen Tiefs sowie sämtliche andere Widrigkeiten letztlich gemeistert. Von den extremen Wetterverhältnissen – Blitzeis und Tornado-Warnung eingeschlossen – bis hin zu einer Lungenentzündung. „Ich bin an den Erfahrungen und Herausforderungen gewachsen“, sagt die Putzbrunnerin. Sie sei zuvor schon selbstständig gewesen, „aber das war noch einmal ein großer Schritt vom Teenager zum Erwachsenen“. Denn vom Wäschewaschen übers Einkaufen und Kochen bis zum Arzttermine organisieren, habe sie alles selbst gemacht. „Hey Mama, mach bitte mal... gab es da einfach nicht.“

Ein Quadratmeter Bayern am Stand von Honolulu: Marie Schultz erfüllte sich einen Traum und flog nach Hawaii.
Ein Quadratmeter Bayern am Stand von Honolulu: Marie Schultz erfüllte sich einen Traum und flog nach Hawaii. © privat

Auf ihre Gasteltern angewiesen war die Stipendiatin vor allem, wenn sie von A nach B wollte. In Brighton habe es nur den Schulbus gegeben, keine öffentlichen Verkehrsmittel. „Ich beschwere mich nie mehr über die Deutsche Bahn. Die gibt es dort gar nicht. Da fährt auch niemand mit dem Fahrrad, du bist wirklich aufs Auto angewiesen.“ Deshalb könne man in Michigan bereits mit 14 Jahren mit der Fahrerausbildung beginnen, erzählt sie. Die Schulen hätten riesige Parkplätze gehabt, weil „jeder ab den höheren Klassen mit dem Auto kommt“.

Empfang auf hoher Ebene: Die im Bundesstaat Michigan lebenden Stipendiaten trafen sich auch mit der Gouverneurin des Bundesstaats, Gretchen Whitmer.
Empfang auf hoher Ebene: Die im Bundesstaat Michigan lebenden Stipendiaten trafen sich auch mit der Gouverneurin des Bundesstaats, Gretchen Whitmer. © privat

Mitglied im Ski Racing Team

Von 7.30 bis 14.20 Uhr war Marie Schultz in ihrer High School, nach der Schule – zwischen November und März – ging sie fast täglich zum Skifahren. Sie war Mitglied im Brighton Alpin Ski Racing Team, hatte in der Regel zweieinhalb Stunden Training am Tag und fuhr auch Rennen. „Es gab nur ganz kleine Hügel, dafür aber Dauerschnee. Es wurde auch schon mal bis minus 30 Grad kalt, dann gab es schulfrei oder besser gesagt: kältefrei.“

Ihre Schule selbst sei mit 3000 Schülern sehr groß gewesen. Sich dort einzuleben und Bekanntschaften zu finden, habe deshalb etwas Zeit gebraucht. Letztlich habe sie dort aber einige neue Freunde gefunden. „Man muss einfach offen sein und auf die Leute zugehen“, rät sie. Denn grundsätzlich seien die Amerikaner sehr freundlich: „Sie waren immer hilfsbereit, haben einen nie angestarrt und an den Kassen immer einen Smalltalk gehalten.“

Die Hügel zum Skifahren waren extrem niedrig, doch Schnee gab es ausreichend: Marie gehörte zum Brighton Alpin Ski Racing Team.
Die Hügel zum Skifahren waren extrem niedrig, doch Schnee gab es ausreichend: Marie gehörte zum Brighton Alpin Ski Racing Team. © privat

Unvergessliche Erlebnisse

Das tägliche Gespräch, sei es mit ihren Gasteltern, in der Schule oder in Geschäften und Lokalen, habe ihre Englisch-Kentnisse deutlich verbessert. Aber auch kulturell und sozial habe sie vieles Unvergessliche erlebt: Seien es die Reisen nach Chicago, Detroit und Washington oder ihr Hawaii-Urlaub (“Damit habe ich mir einen Traum erfüllt“), der Abschlussball an der Schule oder die Freiwilligenstunden, die sie im Rahmen des Stipendiums absolvieren musste, wie die Bibelschule am Sonntag für kleine Kinder oder die Spendenaktion fürs örtliche Tierheim. „Diese Erfahrungen kann einem keiner mehr nehmen“, sagt sie.

Jetzt freut sie sich wieder auf die Routine am Gymnasium Neubiberg. Dort beginnt im September für sie – mit einem Jahr Verspätung – die Oberstufe. Natürlich mit Leistungskurs Englisch. „Was denn sonst...?“, sagt die Putzbrunnerin und lacht.

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