„Du warst der Beste!“: Tölzer Kirchenmusiker Christoph Heuberger beim Festgottesdienst verabschiedet

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Rührender Abschied: (v.l.) Chorsprecherin Barbara Rösch-Rup, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Stefan Bicanic, Atsuko und Christoph Heuberger sowie Pfarrer Peter Demmelmair. © Rainer Bannier

Zum Abschied hat es stehenden Applaus der gesamten Gottesdienstbesucher gegeben: Am vergangenen Sonntag ist der Tölzer Kirchenmusiker Christoph Heuberger nach 36 Jahren gebührend verabschiedet worden.

Bad Tölz – An Pfingsten werden traditionell keine Geschenke verteilt. Das Geschenk besteht darin, dass Gottes Geist unsere Herzen öffnet, wir uns von unseren Mitmenschen berühren lassen und so Gemeinschaft entsteht.

Tölzer Kirchenmusiker Christoph Heuberger beim Festgottesdienst verabschiedet

Nach dem Festgottesdienst am Pfingstsonntag war viel von „Geschenken“ die Rede, denn in diesem Rahmen ist jetzt der langjährige Tölzer Kirchenmusiker Christoph Heuberger verabschiedet worden – mit einem „Vergelt’s Gott“ von Pfarrer Peter Demmelmair und stehendem Applaus der ganzen Gemeinde. Mit seinem Chor und kleinem Orchester hatte Heuberger den Gottesdienst noch einmal musikalisch großartig aufgewertet mit Josef Haydns „Mariazeller Messe“.

Gefeiert wurde anschließend im Pfarrheim Franzmühle, wozu sich neben Familie Heuberger auch das Pastoralteam, die Chöre, Pfarrgemeinderat, Kirchenverwaltung, Aktive der Gemeinde und weitere Gäste wie Landrat Josef Niedermaier und Bürgermeister Ingo Mehner eingefunden haben. In seiner humorigen Ansprache unterstrich Pfarrer Peter Demmelmair den hohen Stellenwert der Musik für das kirchliche Leben: sie bringe gleichsam das Licht in die Welt.

Heuberger ein Glücksfall für die Pfarrei

Heuberger sei ein Glücksfall für die Pfarrei gewesen. Neben seinem großartigen Können sei er teamfähig und solidarisch gewesen, habe andere Menschen für die Musik begeistern können. Für ihn hätten „der Gottesdienst und die Musik immer im Mittelpunkt gestanden, er selbst verstand sich nur als ihr respektvoller, demütiger Diener“.

Zwischen Pfarrer und Kirchenmusiker bestünde naturgemäß ein gewisses Spannungsverhältnis, erklärte Peter Demmelmair. Als Pfarrer habe er schon mit verschiedenen Kirchenmusikern zusammengearbeitet – „aber Du warst der Beste!“ Er bezog das auf Heubergers gesamtes Wirken: die Mitgestaltung von Gottesdiensten und Beerdigungen, auf seine Chorarbeit mit Kindern und Jugendlichen, Kammerchor und großem Chor sowie auf die Kirchenkonzerte, aber auch auf die Einbeziehung von Heubergers hochmusikalischer Familie in die Kirchenmusik – „fast wie bei Familie Bach“.

Mit einem eigenen Arrangement nahm der Jugendchor Heubergers persönlichen Stil der Probenarbeit humorvoll auf die Schippe, hielt dem Maestro gleichsam den Spiegel vor. Mit einem ähnlichen Ansatz applaudierte ihm auch der Erwachsenenchor. Er mischte Heinrich Schütz und Alpenländisches mit eigenen Texten an die Adresse des Chorleiters und beschenkte ihn mit einer Skulptur von Birgit Niedernhuber. Nach einem weiteren Auftritt von Fischbacher Sängerinnen und Dankesworten des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Stefan Bicanic gab’s noch viele weitere kleine Geschenke.

Heuberger stammt aus dem fränkischen Kitzingen. Mit 15 nahm er Orgelunterricht und mit 16 wusste er, dass er Kirchenmusiker werden möchte. Diese Überzeugung, dass das die „richtige Entscheidung“ war, bewahrte er sich zeitlebens. Über Umwege studierte er am Mozarteum in Salzburg Kirchenmusik für die A-Prüfung und später auch das Dirigieren.

Dort lernte er auch seine aus Japan stammende Frau Atsuko kennen, die das Fach Klavier studierte. 1989 trat er seine Stelle in Tölz an und fand dort einen ausgezeichneten Kirchenchor vor mit vielen früheren „Tölzer Knaben“. Mit dem evangelischen Kollegen Friedrich Sauler, mit Harald Roßberger und Josef Kronwitter fand er auch ein großartiges Umfeld, wie er betont.

Renaissance, Barock, Romantik und Moderne: Heuberger war „Vielfalt der Stile“ wichtig

Bei seinen alljährlichen Kirchenkonzerten war Heuberger eine „Vielfalt der Stile“ wichtig: dazu gehörte Chormusik der Renaissance, des Barock, der Wiener Klassik und der Romantik, aber auch der Moderne. „Die Konzerte der letzten vier Jahre mit Haydns ‚Schöpfung‘, Rossinis ‚Petite Messe‘, Händels ‚Messiah“‘und den ‚Musikalischen Exequien‘ von Schütz spiegeln vielleicht diese Bandbreite wider und waren wunderbare Geschenke für mich“, blickt Heuberger auf sein 36 Jahre währendes Wirken in Bad Tölz dankbar zurück.

„Die Arbeit mit Pfarrer Demmelmair und dem Seelsorgeteam, mit Kaspar Demmel und dem Verwaltungsteam war von gegenseitiger Wertschätzung und Harmonie geprägt“, versichert er. Ebenso wichtig war Heuberger auch der familiäre Rückhalt: die „emotionale, aber auch musikalisch hochprofessionelle Stütze“ durch seine Frau Atsuko. Auch seine Töchter Miriam und Elisabeth sind erfolgreiche Berufsmusikerinnen.

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