Die Rente steigt 2026 über der Inflationsrate. Trotzdem ist die Freude getrübt, denn Abgaben für Versicherungen reduzieren die Erhöhung drastisch.
München – Ob beim Wocheneinkauf im Supermarkt, an der Tankstelle oder beim Blick auf die Nebenkostenabrechnung – die gestiegenen Preise machen sich im Alltag nach wie vor bemerkbar. Gerade für Rentner bleibt die Lage angespannt. Jeder Euro, der im Monat mehr ausgegeben werden muss, fehlt an anderer Stelle.
Umso wichtiger ist die Nachricht, die derzeit aus dem Bundesarbeitsministerium kommt: Die Rente soll zum 1. Juli 2026 erneut steigen – und zwar um voraussichtlich 3,7 Prozent. Damit würde die Erhöhung deutlich über der aktuellen Inflationsrate liegen. Diese schätzt das Statistische Bundesamt aktuell auf etwa 2,1 Prozent.
Rentenanpassung zum 1. Juli 2026 orientiert sich an der Lohnentwicklung des Vorjahres
Die jährliche Rentenerhöhung folgt einem festen Mechanismus: Sie hängt davon ab, welchen Anstieg die Löhne im vergangenen Jahr verzeichnet haben. Hintergrund ist das sogenannte Mindestsicherungsniveau von 48 Prozent. Damit soll gewährleistet sein, dass jemand, der 45 Jahre lang ein Durchschnittsgehalt verdient hat, mindestens 48 Prozent des aktuellen Durchschnittslohns als Rente erhält.
Für die Rentenanpassung 2025 war die Lohnsteigerung des Vorjahres mit 3,69 Prozent maßgeblich. Zusammen mit einem kleinen Aufschlag wegen veränderter Sozialabgabenbelastung ergab sich damals eine Erhöhung von 3,74 Prozent. Für 2026 zeichnet sich laut Entwurf des Rentenberichts ein vergleichbarer Wert von etwa 3,7 Prozent ab.
Die endgültige Festlegung erfolgt traditionell im Frühjahr durch die Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz, sobald die amtlichen Zahlen zur Lohnentwicklung vorliegen. Der aktuelle Rentenwert – also der Euro-Betrag, den ein einzelner Entgeltpunkt wert ist – liegt seit Juli 2025 bei 40,79 Euro. Bei einer Erhöhung um 3,7 Prozent würde er auf etwa 42,30 Euro klettern.
3,7 Prozent mehr Rente im Monat – Tabelle zeigt, was Sie 2026 erwarten können
Auf dem Rentenbescheid lesen sich die voraussichtlichen Zahlen für die rund 21 Millionen Ruheständler erst einmal erfreulich. Wer eine Rente von 1500 Brutto bezieht, kann sich über eine Erhöhung von 55,50 freuen. Für andere Bezüge ergeben sich bei einer Rentenerhöhung von 3,7 Prozent folgende Änderungen:
| Aktuelle Bruttorente in Euro | Erhöhung in Euro | Rente ab Juli 2026 in Euro |
|---|---|---|
| 800 | 29,60 | 829,60 |
| 1000 | 37,00 | 1037,00 |
| 1300 | 48,10 | 1348,10 |
| 1700 | 62,90 | 1762,90 |
| 2000 | 74,00 | 2074,00 |
| 2300 | 85,10 | 2385,10 |
Sozialabgaben steigen weiter: Rentenerhöhung im Portemonnaie möglicherweise kaum spürbar
Die Bruttozahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Auf jede Rentenerhöhung werden automatisch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung und zur Pflegeversicherung fällig. Zusammen machen diese Abzüge laut buerger-geld.org etwa 11 Prozent der Bruttorente aus – Tendenz steigend, da viele Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge zuletzt angehoben haben.
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Bei einer Bruttorente von 1500 Euro sieht die Rechnung dann so aus: Von den 55,50 Euro Erhöhung gehen rund 6 bis 7 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung ab. Netto landen also nur etwa 34 bis 40 Euro mehr auf dem Konto – je nach Krankenkasse und individuellem Pflegebeitragssatz. Das entspricht einer tatsächlichen Steigerung von nur rund 2,5 bis 2,7 Prozent statt der angekündigten 3,7 Prozent.
2026 erstmals Rente bezieht, muss zudem 84 Prozent seiner Bezüge als steuerpflichtiges Einkommen angeben. Langjährige Rentner profitieren zwar von einem individuellen Freibetrag, der bei ihrem Renteneintritt festgelegt wurde. Doch auch für sie gilt: Jede Erhöhung der Bruttorente vergrößert den Betrag, auf den der Fiskus zugreifen kann. Besonders heikel wird es für diejenigen, deren Jahreseinkommen bisher haarscharf unterhalb der steuerfreien Grenze lag. Durch die Anhebung im Juli können sie über den Grundfreibetrag rutschen. Dieser liegt dem Bundesfinanzministerium zufolge für Alleinstehende bei 12.348 Euro. (Quellen: Statistisches Bundesamt, Rentenbericht 2025, buerger-geld.org, Bundesfinanzministerium) (jaka)