Krankenkassenbeiträge steigen weiter: So viel mehr müssen Sie 2026 bezahlen

326,9 Milliarden Euro haben die Krankenkassen im vergangenen Jahr ausgegeben. Dieses Jahr werden es schätzungsweise rund 331 Milliarden Euro sein, und im kommenden Jahr steigen die Ausgaben weiter. „Uns fehlen zehn Milliarden Euro“, sagte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, zuletzt im ZDF

Schließen lässt sich diese Lücke kurzfristig wohl nur durch höhere Zusatzbeiträge. 2,9 Prozent sollen diese nach Berechnungen der Bundesregierung im kommenden Jahr betragen, nach 2,5 Prozent in diesem Jahr. Tatsächlich liegen sie jetzt schon bei 3,2 Prozent und könnten noch weiter steigen. Hier ist alles, was Sie dazu wissen müssen.

Darum steigen die Krankenkassen-Beiträge

Generell wird das deutsche Gesundheitssystem jedes Jahr aus drei Gründen teurer: Erstens sorgt die Überalterung der deutschen Gesellschaft dafür, dass es immer mehr Senioren gibt, die qua Natur anfälliger für Krankheiten und Verletzungen sind, insbesondere für Fälle, deren Behandlung teuer ist. Zweitens sorgt der demografische Wandel dafür, dass die Ausgaben für immer mehr Senioren von immer weniger Erwerbstätigen finanziert werden müssen. Das geht nur, wenn jeder einzelne Beitragszahler mehr leistet. Drittens sind immer bessere Therapien gegen immer mehr Leiden leider auch immer teurer.

Im kommenden Jahr kommt ein Sonderfall hinzu. Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, mindestens 20 Prozent ihrer durchschnittlichen monatlichen Ausgaben als Mindestreserve flüssig vorzuhalten. Doch diese Reserve wurde dieses Jahr bereits mehrfach unterschritten. Für das kommende Jahr müssen die Kassen sie also erst einmal wieder auffüllen. Das trägt mit einigen Milliarden Euro zum von Baas skizzierten Loch von zehn Milliarden Euro bei.

So hoch steigen Ihre Beiträge voraussichtlich

Aktuell liegen die Zusatzbeiträge bei durchschnittlich 3,16 Prozent. Sie rangieren dabei zwischen 2,18 Prozent der bundesweiten BKK firmus und der bayrischen BKK Faber-Castell & Partner und 4,4 Prozent bei der Knappschaft.

Von den 94 Krankenkassen im Land haben bisher nur wenige schon beschlossen, wie ihre Beiträge im kommenden Jahr aussehen werden. Die entsprechenden Sitzungen der Verwaltungsräte finden fast alle in der kommenden Woche statt. Von den 19 Kassen, die bereits Beschlüsse gefasst haben, werden drei ihren Zusatzbeitrag senken, neun keine Veränderungen vornehmen und sieben die Beiträge erhöhen. Insgesamt steigt der durchschnittliche Zusatzbeitrag so bereits auf 3,2 Prozent.

Dabei dürfte es aber nicht bleiben. Müssen alle Kassen zusammen zehn Milliarden Euro zusätzlich im kommenden Jahr einnehmen, entspricht das etwa drei Prozent aller Ausgaben. Stiegen die Beiträge entsprechend ebenfalls um drei Prozent an, läge der neue durchschnittliche Zusatzbeitrag im kommenden Jahr bei 3,25 Prozent.

So viel mehr müssen Sie deswegen bezahlen

Im Schnitt winkt also ein Anstieg der Zusatzbeiträge um 0,09 Prozentpunkte. Das klingt nicht viel, zumal es hälftig zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgeteilt wird. Aber Kleinvieh macht halt auch Mist. Für einen Durchschnittsverdiener mit 52.000 Euro Jahresbruttoeinkommen steigen die Krankenkassenbeiträge im kommenden Jahr dadurch um 23,40 Euro an. Menschen mit einem niedrigen Einkommen von 30.000 Euro brutto im Jahr zahlen 13,50 Euro zusätzlich.

Für Besserverdiener kommt noch hinzu, dass die Beitragsbemessungsgrenzen ansteigen. Lag die Grenze, bis zu der Beiträge fällig wurden, in diesem Jahr bei 66.150 Euro Bruttoeinkommen pro Jahr, sind es kommendes Jahr 69.750 Euro. Für Spitzenverdiener mit Gehältern oberhalb von eben 69.750 Euro bedeutet das einen Beitragsanstieg von 351 Euro pro Jahr.

Das tut die Bundesregierung gegen steigende Beiträge

Das Bundesgesundheitsministerium wollte eigentlich ein Sparpaket beschließen, das den Kassen zumindest zwei Milliarden Euro gebracht hätte. Das Geld hätte daher kommen sollen, dass die Vergütungen für Krankenhäuser auf tatsächliche Kostensteigerungen begrenzt werden sollten. Eine Klausel, die ihnen mehr Gelder einbringen würde, sollte 2026 nicht angewandt werden. Doch die Bundesländer stoppten das Gesetz im Bundestag und riefen den Vermittlungsausschuss an. Zwar ist es noch möglich, dass sich Bund und Länder in diesem Jahr einigen, doch für die Kassen kommt das zu spät. Sie müssen, wie erwähnt, in der kommenden Woche ihre Kalkulationen für 2026 fertigstellen.

Für die langfristige Finanzierung der Krankenkassen hatte Ministerin Nina Warken (CDU) eine Experten-Kommission einberufen. Die soll bis Ende März die dringendsten Probleme auf Einnahmen- wie Ausgabenseite offenlegen und bis Ende 2026 dann einen Abschlussbericht mit Vorschlägen für eine Strukturreform. Da diese erst danach geplant und beschlossen werden kann, wird sich also am Finanzierungsdilemma auch für 2027 nichts ändern.

Deswegen rechnen die Kassen auch für das übernächste Jahr wieder mit einem Defizit von mehr als zehn Milliarden Euro. Um das zu schließen, könnten also erneut Beitragserhöhungen notwendig sein. „Es wird schlimmer weitergehen“, sagt Baas. Ohne durchgreifende Reform würden die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen bis 2029 auf mehr als 25 Prozent steigen, warnt der TK-Chef. Derzeit sind es zusammen 21,9 Prozent.