ZF Friedrichshafen bessert mit einem Mega-Deal vor Weihnachten seine Bilanz auf. Autoexperte Dudenhöffer sieht einen vorläufigen Befreiungsschlag für den Zulieferer.
Friedrichshafen/Koblenz – Kurz vor Weihnachten verkündet der wirtschaftlich angeschlagene Konzern ZF Friedrichshafen einen Kurswechsel: Einer der größten Zulieferer des Landes trennt sich von seiner Sparte für Fahrerassistenzsysteme (ZF Adas). Für 1,5 Milliarden Euro übernimmt Harman International das Geschäft und setzt damit ein Zeichen für die Zukunft der vernetzten Mobilität.
Was steckt hinter dem Milliarden-Deal und wie bewertet „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer den Mega-Deal durch eine Tochterfirma des südkoreanischen Elektronikriesen Samsung? Ein Blick auf die Hintergründe und die wirtschaftlichen Folgen – auch für Tausende Beschäftigte.
ZF Friedrichshafen stößt Adas ab: Neuausrichtung auf dem Zulieferer-Markt
ZF Friedrichshafen, nach Bosch der zweitgrößte deutsche Zulieferer, hat mit dem Verkauf der Fahrerassistenz-Sparte einen entscheidenden Schritt in der strategischen Neuausrichtung vollzogen. Vorstandschef Mathias Miedreich betont in einer Mitteilung, dass der Deal mit Harman International dazu beiträgt, „die Finanzverbindlichkeiten deutlich zu reduzieren und den Fokus auf Kerntechnologien wie Fahrwerk, Antrieb und industrielle Anwendungen zu stärken.“ Die Übernahme muss noch von Behörden genehmigt werden und soll im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden.
Die derzeitigen Herausforderungen für ZF Friedrichshafen: Internationale Nachfrage stagniert, die Konkurrenz aus Asien wächst und steigende Kosten belasten die Branche. Im Oktober hatte ZF angekündigt, bis 2030 rund 7600 Stellen im Bereich Elektrifizierte Antriebstechnologien zu streichen, um eine halbe Milliarde Euro einzusparen – Teil eines umfassenden Sparprogramms mit insgesamt 14.000 geplanten Stellenstreichungen bis 2028.
Harman International und Samsung: Milliarden-Investition in das Smart Cockpit
Mit der Übernahme der ZF Adas-Sparte stärkt Harman International, die US-Tochter des asiatischen Technologieriesen Samsung, ihr Portfolio rund um vernetzte und intelligente Fahrzeuglösungen. Harman übernimmt nicht nur innovative Technologien wie Compute Solutions, smarte Kameras und Radartechnologie, sondern auch rund 3750 Mitarbeitende von ZF. „Wir ermöglichen eine besser vernetzte Zukunft mit intelligenteren und sichereren Fahrzeugen“, erläutert Harman-Manager Christian Sobottka.
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht in der Übernahme einen strategischen Coup, wie er IPPEN.MEDIA erläutert: Samsung baut sein Geschäft für das Smart Cockpit weiter aus, um gegen Konkurrenten wie Qualcomm anzutreten, die mit ihren Prozessoren bislang den Ton angeben. Die ADAS-Einheit von ZF, mit Sitz in Koblenz, verschaffe Harman International einen entscheidenden Vorteil im wachsenden Markt für digitale Fahrzeugsysteme und Halbleiter-Anwendungen.
Dudenhöffer: „Win-Win-Deal“ für ZF und die Mitarbeitenden
Auch für die rund 3750 ZF-Mitarbeitenden, die zu Harman wechseln sollen, bringt der Deal eine positive Wendung, so der „Autopapst“: Dudenhöffer spricht von einem „Win-Win-Deal“ für beide Unternehmen und hebt hervor, dass die Übernahme den Beschäftigten neue Chancen in einem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld eröffnet. Die Integration in die Samsung-Gruppe könnte neue Entwicklungsmöglichkeiten und langfristige Perspektiven bieten.
Für ZF Friedrichshafen ist der Verkauf zumindest ein kleinerer Befreiungsschlag: Die Einnahme von 1,5 Mrd. Euro hilft, die hohen Schulden um etwa zehn Prozent zu senken und das Unternehmen auf einen besseren Kurs zu bringen. Während die Elektronik für Fahrwerktechnik und passive Sicherheitstechnik weiterhin bei ZF bleibt, bleibt der Zulieferer auch im Bereich Fahrerassistenz und autonomes Fahren für Nutzfahrzeuge aktiv. (Quellen: AFP, ZF Friedrichshafen, Ferdinand Dudenhöffer)