Die Kliniken in Starnberg, Herrsching und Seefeld werden zu einem Unternehmen. Was Vorteile in der Abrechnung mit den Kassen bringt, deutet auch klar auf ein neues zentrales Krankenhaus als Ersatz für die drei Standorte hin. Außerdem kündigen sich Veränderungen in der Geschäftsführung an.
Starnberg - Die Anzeichen, dass aus den Kliniken Starnberg, Herrsching und Seefeld ein zentrales Krankenhaus an einem Standort wird, verdichten sich. Die Starnberger Kliniken planen, die Tochtergesellschaften Kreiskrankenhaus Starnberg GmbH und Dr. Schindlbeck Klinik Seefeld/Herrsching GmbH zu einer GmbH zu verschmelzen. Durch diesen Schritt können die drei Häuser im Krankenhausplan des Freistaats als eine Einrichtung gelten. Zwei positive Folgen aus Sicht des Klinikverbunds: Erleichterungen bei der Abrechnung mit den Krankenkassen sowie eine Entschlackung und Vereinheitlichung der Verwaltung, weil die Mitarbeiter der drei Kliniken dann nur noch einen Arbeitgeber haben werden.
Die Nachricht überbrachte ein relativ kryptischer Satz in einer Pressemitteilung aus dem bayerischen Gesundheitsministerium dieser Tage: „Für die Häuser Kreiskrankenhaus Starnberg, Klinikum Seefeld und Klinikum Herrsching Schindlbeck wird die Einhäusigkeit unter dem Vorbehalt der Herstellung einheitlicher Trägerschaft genehmigt“, hieß es in dem Schreiben, in dem Ministerin Judith Gerlach eine ganze Reihe von Beschlüssen des Krankenhausplanungsausschusses (KPA) mitteilte. Die Maßnahmen an diversen bayerischen Kliniken – Bettenzahlerhöhungen, Zentralisierungen, Umstrukturierungen – deuten auf die bundesweite Klinikreform hin.
Krankenhaus-Neubau soll Leistungen dreier Standorte abdecken
Das Fachwort „Einhäusigkeit“ meint erst einmal nur die erwähnte organisatorische Zusammenfassung der Häuser im Krankenhausplan. Der Beschluss, den die Starnberger Kliniken beantragt hatten, schreibt nicht die Zusammenlegung der Einrichtungen an einem Standort fest. Aber er bereitet sie ganz klar vor. Früher oder später sei dieser Schritt ohnehin nötig gewesen, sagen Landrat Stefan Frey und Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer der Starnberger Kliniken, im Gespräch mit dem Merkur. Beide bestätigen, dass es im Zuge der Klinikreform auf ein Zentralkrankenhaus mit rund 500 Betten hinauslaufen soll.
Die logische Konsequenz daraus wäre die Schließung von Herrsching und Seefeld – oder zumindest eine andere medizinische Nutzung der Standorte als bisher. Grundsätzlich sollen die Leistungen, die bisher in den drei Krankenhäusern erbracht werden, an einem Standort gebündelt werden. Mit der Realisierung einer neuen Klinik, die die Standards der bundesweiten Reform erfüllt, rechnet Landrat Frey in acht bis zehn Jahren. Wo sie entstehen könnte, ist noch unklar, auch wenn im Hintergrund fleißig Optionen ausgelotet werden.
Bis Ende August müssen die Starnberger Kliniken (und auch alle anderen) für die Krankenhausreform ihre sogenannten Leistungsgruppen an den Freistaat melden. Bis Herbst 2026 soll dann unter Mitwirkung des Medizinischen Diensts Bayern entschieden werden, welche Klinikbetreiber welche Aufgaben übernehmen dürfen.
Verschmelzung bringt organisatorische und finanzielle Vorteile
Ab 2026 soll die vom Freistaat genehmigte Einhäusigkeit dem Klinikverbund administrative und damit auch finanzielle Vorteile bringen. Ein Beispiel neben den Abrechnungen mit den Kassen: Wird heute ein Patient von Starnberg nach Seefeld verlegt, muss ihn das Personal in Starnberg offiziell entlassen und in Seefeld aufnehmen. Diesen organisatorischen Aufwand sparen sich die Kliniken künftig.
Klinikchef Weiler sagt, Aufsichtsrat, Betriebsrat und Mitarbeiter seien über die geplante Verschmelzung der Klinik-Unternehmen in diesen Tagen informiert worden. Damit die Einhäusigkeit offiziell wird, sind aber noch Schritte nötig: unter anderem ein positiver Beschluss des Kreistags.
Derweil kündigen sich bei den Starnberger Kliniken Veränderungen in der Führungsebene an. Peter Lenz, der die Geschäftsführung des Klinikums in Starnberg im März 2023 übernommen hatte, zog sich Anfang 2025 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Seitdem ist Jasmin Taube interimsmäßig im Amt. Weiler sagte bei einem Pressegespräch am Dienstag (siehe Kasten): „Wir sind bei der Nachfolge-Findung schon sehr weit.“ Bald werde es Neuigkeiten geben.
Kliniken erneuern Qualitätszertifiziert
Die vier Krankenhäuser der Starnberger Kliniken in Starnberg, Herrsching, Seefeld und Penzberg wurden nach dem KTQ-Verfahren („Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen“) zertifiziert. Vier sogenannte Visitoren begutachteten die Abläufe in den Kliniken an neun Tagen und führten Gespräche mit 150 Mitarbeitern. Die Einrichtungen erfüllten die Anforderungen zusammen zu 88,7 Prozent. „Damit zählen die Starnberger Kliniken zu den besten zehn Deutschlands“, sagte KTQ-Geschäftsführer Ronald Neubauer bei einem Pressegespräch am Dienstag im Starnberger Klinikum. Die Ergebnisse seien besser geworden, obwohl die Anforderungen im Gesundheitssystem seit Jahren stiegen, betonte er und lobte etwa die Zunahme der Pflegeschüler.
Das Kreiskrankenhaus besitzt das Zertifikat seit 2004 und hat es seither alle drei Jahre erneuern lassen, so auch nun wieder. Penzberg kam 2015 dazu, Herrsching und Seefeld sicherten sich das Gütesiegel 2022. Im Jahr 2024 erneuerten 35 Krankenhäuser oder Klinikgruppen ihre Zertifizierung, 76 wurden erstmals ausgezeichnet. In ganz Deutschland gibt es mehr als 1800 Krankenhäuser. 48 Kriterien flossen in die Bewertung mit ein – das Patientenwohl, die Unternehmensführung, der Stand der Digitalisierung und vieles mehr. Bis zum Essen und den Parkplatzgebühren für Mitarbeiter reichte die Analyse, der eine Selbstanalyse seitens der Starnberger Kliniken vorausging. Die Visitoren begutachteten auch die Notaufnahmen, die Labore und die technische Infrastruktur.