Im März 2023 wurde in der Fröhlichgasse das Doppelhaus 8 und 10 abgebrochen. Beim Abriss fiel dem Tölzer Ortshistoriker Claus Janßen etwas Besonderes auf.
Bad Tölz – Claus Janßen fiel auf, dass das oftmals umgebaute Haus ursprünglich mit Tuffsteinen und runden Isar-Steinen („Bummerl“) errichtet worden war. Janßen schloss daraus auf ein hohes Alter und stürzte sich in die Recherche. Und die erbrachte überraschende Ergebnisse. Janßen verweist auf das Buch „Rare Fotos, vergessene Geschichte(n) – Band 1 bis 1920“ von Christoph Schnitzer, in dem er eine bisher unbekannte Tölzer Ortsansicht aus dem Jahre 1830 gefunden hat. Das Gemälde aus dem Besitz von Annemarie Kirner stammt wohl von einem begabten Amateurmaler aus dem Umkreis der früher bedeutenden Tölzer Familie Faist. Es zeigt ganz zentral eben dieses abgerissene Gebäude Hausnummer 8 und 10. Es besitzt, wie 200 Jahre später auch noch, zwei Stockwerke und die sieben Fensterachsen.
Laut Janßen erscheint das Gebäude 1661 erstmals in den Urkunden des Marktes in Tölz. Es gehörte als Nebengebäude zur sogenannten Haslacher’schen Weinwirtschaft in der Marktstraße 30 und 31 (heute Tölzer Kasladen und Hauser Moden). Besitzer war die wohlhabende Familie Reiffenstuel. Später wurde es verkauft und eine Schäfflerei eingerichtet. Janßen nimmt an, dass der westliche Teil etwa Mitte des 19. Jahrhunderts abgetrennt wurde und eine eigene Hausnummer erhielt. Dieser Teil wurde wohl im 20. Jahrhundert erneuert.
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Das Gebäude wurde mehrfach umgebaut und der Speicher zu Wohnzwecken ausgebaut. Probleme, glaubt Janßen, muss das Wasser des Hangs bereitet haben, der gegen das zuletzt 360 Jahre alte Gebäude drückte. Es stand aber nicht unter Denkmalschutz und war, sagt Janßen, der Vorsitzender des Historischen Vereins ist, nicht unbedingt denkmalwürdig. „Aber mit ihm ist wieder ein Stück Alt-Tölz verschwunden.“ Was an der Stelle entstehen wird, lesen Sie hier.