Alles sah bereits nach einem Abschied von Robin Soudek aus. Nun sorgt der SC Riessersee mit der Vertragsverlängerung für ein Ausrufezeichen.
Über Monate hat die Gerüchteküche gebrodelt. In diversen Fanforen wurde immer wieder heftig über einen Abgang Robin Soudeks vom SC Riessersee spekuliert. Erst beim Fan-Stammtisch am Dienstag fragte ein besorgter Anhänger den Sportlichen Leiter Martin Buchwieser, ob die angekündigten harten Kaderentscheidungen, die die Clubbosse im Sommer vollziehen werden, den Stürmer betreffen. Mit einem Lächeln verneinte Buchwieser dies. In dem Wissen: Riessersees Top-Stürmer bleibt dem Eishockeyverein weiterhin erhalten. Der Tscheche erhält sogar einen Langzeitvertrag.
SCR: Robin Soudek schlägt lukratives Tölzer Angebot aus
„Wir sind sehr froh, dass wir Robin für drei weitere Jahre halten können. Trotz lukrativer Angebote anderer Top-Clubs“, betont Buchwieser nur ein paar Tage später. Denn Soudek stand kurz davor, seine Schlittschuhe für einen anderen Oberligisten zu schnüren. Und zwar ausgerechnet für den Erzfeind. Ende November 2024 lag dem 33-Jährigen ein unterschriftsreifer Vertrag von den Tölzer Löwen vor. Ganze drei Jahre plus Option auf ein weiteres. Möglicherweise der letzte große Vertrag für den Routinier. Zeitgleich zogen sich die Gespräche mit dem SCR in die Länge. Bereits im Sommer äußerten zwar beide Seiten die grundsätzliche Bereitschaft, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Nur: Das Geld war (und ist noch immer) knapp bei den Werdenfelsern. Eine Chance, die sich mehrere Vereine nicht entgehen lassen wollten. Die Tölzer, die sich zu Soudeks Entscheidung auf Nachfrage des Tagblatts nicht äußern wollen, boten durchaus attraktive Konditionen. „Ich war mit beiden Füßen eigentlich schon aus der Tür raus“, gibt Soudek offen zu. Denn er denkt nicht nur an sich selbst. Seine Familie hat Priorität, sein Sohn kommt im Sommer in die Grundschule, zudem hat er eine zweijährige Tochter. „Ich muss mich um sie kümmern. Ich konnte meine Zukunft nicht ewig vor mir herschieben.“ Nur Stunden war er im November davon entfernt, beim Tölzer Rivalen zu unterschreiben. Etwas, was er eigentlich nie vorhatte. „Garmisch-Partenkirchen ist unsere Heimat geworden. Meine Kinder haben ihre Freunde hier. Das wollte ich ihnen nicht wegnehmen.“
Ein Abgang wäre auch für die Riesserseer nur schwer zu verdauen gewesen. Soudek garantiert dem Club seit seiner Ankunft 2020 reihenweise Tore, nach 229 Spielen steht er bei 160 Treffern und ist damit neuntbester Schütze der SCR-Historie. So ein Juwel kostet. Christian Schwinghammer mit seiner Firma T-Proneth sowie Herbert Abenthung von Allfinanz Abenthung sprangen ein und zogen mit der Tölzer Offerte gleich. „Unser besonderer Dank geht an sie“, betont SCR-Geschäftsstellenleiter Sebastian Ziener. „Durch ihre tatkräftige Unterstützung wurde diese Verlängerung finanziell überhaupt erst möglich.“ Der Durchbruch bei den Vertragsverhandlungen. Soudeks Bleiben ist auch ein klares Zeichen an die Fans und vor allem an die Mannschaft: Trotz der enormen Sparmaßnahmen steht für die Verantwortlichen der eigene Erfolg in der Oberliga weiterhin an oberster Stelle. „Soudeks Verlängerung ist der erste Baustein, dass der SCR auch in den kommenden Jahren erfolgreich Eishockey spielt“, betont der Sportliche Leiter Uli Maurer. Wie wichtig der 33-Jährige für den SCR ist, zeigt sich gerade in den Zeiten, in denen er nicht auf dem Eis steht. Ohne den zuletzt erkälteten Stürmer verloren die Weiß-Blauen gegen Heilbronn und Stuttgart und mussten die Konkurrenz im Kampf um einen begehrten Playoffplatz ein wenig ziehen lassen. „Er ist einer unserer gefährlichsten Stürmer“, sagt Maurer.
Soudek: „Meine Arbeit hier ist noch nicht getan“
Als Glücksfall könnte sich eine künftige Entwicklung für den Club herausstellen. Seit einiger Zeit arbeitet Soudek daran, seinen deutschen Pass zu erhalten. Läuft alles nach Plan, könnte dies bereits im November der Fall sein. Sollten die Behörden ihm zudem sein Intermezzo in Crimmitschau anrechnen, kann er womöglich bereits zum Auftakt der Oberligasaison 2025/26 als Deutscher auflaufen. Das hoffen zumindest die Verantwortlichen des SCR. Der große Vorteil: Sie hätten dann eine weitere Kontingentstelle frei.
Dahinter stehen bürokratische Entscheidungen, die Soudek gerade in den Hintergrund schiebt. Für ihn zählt nur: Seine Zukunft ist geklärt, nun will er die Gegenwart attackieren. Es schmerzt ihn, seine Riesserseer im Mittelfeld der Oberliga herumdümpeln zu sehen. „Ein Team mit dieser Historie im deutschen Eishockey gehört dort nicht hin. Aber uns fehlt heuer leider die Konstanz. Meine Arbeit hier ist noch nicht getan.“