Das Interesse war groß: An die 700 Menschen kamen zur Podiumsdiskussion mit sieben Bürgermeister-Kandidaten für Weilheim, zu der das Weilheimer Tagblatt eingeladen hatte. Gesprochen wurde über politische Themen, die die Stadt bewegen, aber auch über Persönliches.
Weilheim – Wer wird das neue Stadtoberhaupt Weilheims? Das ist die große Frage, nachdem Bürgermeister Markus Loth nicht erneut zur Wahl antritt. Sieben Kandidaten haben sich gefunden, die seinen Posten übernehmen wollen. Sie stellten sich bei der Podiumsdiskussion in der Stadthalle den Fragen von Magnus Reitinger, Redakteur des Weilheimer Tagblatts. Es ging um Persönliches, die Stadtfinanzen, eine mögliche Umgehungsstraße und auch ums geplante AfD-„Kulturzentrum“.
Die ersten Hände gingen noch zaghaft hoch, dann aber wurden es mehr. Und für die Männer und Frauen auf der Bühne wurde klar: Da waren Stimmen zu holen. Unter den rund 700 Besuchern, die zur Podiumsdiskussion des Weilheimer Tagblatts in die Stadthalle gekommen waren, bekannten einige per Handzeichen, dass sie noch nicht wussten, wen sie bei der Kommunalwahl am 8. März als Bürgermeister wählen werden. „Bitte anstrengen“, sagte Redakteur Magnus Reitinger, der den Abend moderierte, daraufhin in Richtung der sieben Kandidaten. Denn einer oder eine von ihnen, das ist klar, wird der neue Bürgermeister – oder die Bürgermeisterin – der Stadt Weilheim. Markus Loth tritt nach 24 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl an.
Große Auswahl für die Wähler
Bei der Vorstellung seiner potenziellen Amtsnachfolger wurde klar: Auswahl ist da für die Weilheimer. Da steht eine umtriebige Angelika Flock (66/CSU) mit Erfahrung als dritte und zweite Bürgermeisterin ebenso zur Wahl wie die kommunalpolitisch unerfahrene Grundschullehrerin Tanja von Ehrenstein (55/Weilheim Miteinander), die ohne Smartphone lebt, auf gegenseitiges Zuhören setzt und auf Nachfrage darauf verzichtet, sich von der AfD zu distanzieren („Es geht um die Sache, nicht um die Partei“). Da ist Johann Ücker (62/Freie Wähler), Typ Nachbar mit Leidenschaft für den Ratsch am Gartenzaun und Abneigung gegen Social Media. Da will der Radldoktor Tillman Wahlefeld (61/BfW) ins Rathaus, der nach eigener Aussage wohl „auch ein guter Arzt oder Philosoph“ geworden wäre. Mit Manuel Neulinger (47/Grüne) bewirbt sich ein Grüner mit grünen Werten, der auf seinen Werbezetteln aber die grüne Partei lieber weglässt – „ich kandidiere ja für ein Amt, wo man über Parteigrenzen hinweg Verantwortung übernimmt“. Das macht auch Felix Henkel (45/SPD), Sozialdemokrat seit seinem 16. Lebensjahr und Politikberater, der zwar für die SPD antritt, aber auch Robert Habeck gut findet (gab übrigens Applaus vom Publikum). Und dann ist da Morten Faust (58/FDP), der laut seiner Frau mit der FDP die falsche Partei für eine Karriere gewählt hat – und der als ITler im Rathaus auf jeden Fall die Technik ins Visier nehmen will.
Den Kandidaten Persönliches entlockt
Sie alle sollten nach den Einzelinterviews, in denen Moderator Reitinger den Kandidaten Persönliches entlockt hatte, als erstes Stellung zum geplanten AfD-„Kulturzentrum“ beziehen. Mit Daumen-Hoch- und Daumen-Runter-Schildern konnten sie zeigen, ob sie der Meinung sind, dass die Stadt einschreiten sollte. Bis auf Ücker und von Ehrenstein sprachen sich alle dafür aus. „Jeder Vermieter muss das Recht haben, an den zu vermieten, den er meint“, sagte von Ehrenstein auf die Frage, wie sie als Bürgermeisterin handeln würde. Sie warb dafür, nicht zu spalten. „Wir müssen auch ein bisschen was aushalten.“ Ücker möchte den Fokus von der AfD nehmen: „Lieber weniger drüber quatschen und die flach halten und am besten a gescheite Politik machen.“
Angelika Flock bereitet „das Ganze große Sorgen“, sagte sie und verwies nicht etwa auf die Veranstaltungen selbst, sondern darauf, welches Bild Gegendemos und Polizeiaufgebot abgeben würden. Auch Neulinger besorgt das „Kulturzentrum“, „aber ich habe keine Angst davor“. In Weilheim solle sich jeder „wohl und sicher fühlen“. Mit allen rechtlichen Möglichkeiten würde er als Bürgermeister versuchen, „Schaden von unserer demokratischen Stadtgesellschaft abzuwenden“. Wahlefeld betonte, dass Demokratie „weder vom Himmel fällt, noch ist sie einfach da. Sie muss täglich neu gelebt und implementiert werden“. Er werde „keine Diskussion diesbezüglich scheuen“. Henkel betonte, die Stadtpolitik habe die Aufgabe „zu erklären, welches Demokratieverständnis die AfD hat“ – und zählte Beispiele auf: Es gebe keinen Schutz für Minderheiten, sie betrachte manche als Menschen zweiter Klasse, sie schütze nicht die Opposition und halte auch nichts von freier Presse. „Wir brauchen diese Sache nie wieder“, betonte Henkel. Faust setzt im Umgang mit der AfD auf Gespräche: „Ich möchte wissen, was sie vorhaben, was sie tun, wie sie ticken. Ich möchte sie zur Rede stellen, wenn sie rote Linien überschreiten.“
Bei den Finanzen kamen wieder die Daumen-Schilder zum Einsatz. Auf die Frage, ob die Stadt den Gürtel enger schnallen müsse, schwankte Neulinger, ansonsten zeigten bis auf Henkel alle „Daumen hoch“. „Ich trete als Bürgermeister an, nicht um den Kuchen neu zu verteilen, sondern um den Kuchen größer zu machen“, erklärte Henkel. Investitionen und Priorisieren seien nötig. Faust sieht bei den Einnahmen „wenige Spielräume“. Es bräuchte Wachstum, mehr Gewerbe. Und keine höheren Hebesätze – da stimmten mehrere Konkurrenten zu. Neulinger empfahl Investitionen und einen „Komplett-Check“ der Finanzen. „Dann bin ich sicher“, sagte er selbstbewusst, „werde ich Wege finden.“
Wirtschaft als „Chefinnensache“
Ücker würde an den Ausgaben drehen und mit der Verwaltung reden. Wahlefeld kündigte an, als Rathauschef den defizitären Verwaltungshaushalt „zu konsolidieren“. Dann erst könne man über weitere Ausgaben sprechen. So ein Haushalt „ist a weng komplexer“, als manch Mitbewerber darstellte, befand Wahlefeld, der seit 2014 Stadtrat ist. Von Ehrenstein will Ausgaben senken und Flock erläuterte, dass 70 Prozent der Einnahmen durch Fixkosten verplant sind. „Weniger als 30 Prozent unserer Einnahmen bleiben übrig für Dinge, die Weilheim liebenswert machen.“ Man käme nicht umhin, den Haushalt zu konsolidieren. Sie möchte zudem ein Wirtschaftsforum gründen, das sei „Chefinnensache“, sagte sie. Sie werde „zuhören, wo der Schuh drückt“.
Und können das auch die Sportler erwarten? Darauf zielte die Frage ab, wer sich denn für eine neue Sporthalle stark machen würden – alle versprachen das. Von Ehrenstein, Henkel, Wahlefeld und Flock sehen unter anderem die Möglichkeit, in Sachen Grundstück aktiv zu werden. „Erst müssen wir viel Geld einnehmen, dann können wir viel Geld ausgeben“, blieb Ücker vorsichtig. Faust lobte den rührigen TSV, äußerte sich aber nicht zu eigenen Vorhaben. Neulinger will die Stadt zum verlässlichen Partner für den TSV machen.
Wie sind die Meinungen zur Umfahrung?
Nach einer Diskussion über Wohnungsbau stand das Thema Umfahrungsstraße an. Mit grünem Daumen sprachen sich Faust und Wahlefeld für den Bau aus. Flock und Neulinger zeigten durch Drehen des Schildes, dass sie so klar nicht antworten können, während sich Henkel, Ücker und von Ehrenstein als Gegner positionierten. Einig waren sich aber alle, dass es eine Verkehrsberuhigung in der Oberen Stadt braucht und die Innenstadt Weilheims erhalten und gefördert gehört.
Bis zum Schluss hörten die Zuschauer im proppevollen Saals aufmerksam zu. Sie erlebten Kandidaten, die – wie es üblich im Wahlkampf ist – für sich die Werbetrommel rührten. Und die freundlich blieben. Auf Attacken oder größeren Widerspruch verzichteten alle sieben.