„Die Deutschen glauben an das Notpaket, bereiten sich aber nicht vor.“ So titelte vor Kurzem ein Wasserpumpenhersteller, der über 1.000 Personen in Deutschland zu dem Thema befragt hatte. Das Ergebnis: Nur rund jeder Dritte hat demnach ein Notfallpaket zu Hause, mit dem er zumindest drei Tage überleben könnte.
Landsberg - Notfälle werden in den Familien und/oder Haushaltsgemeinschaften kaum thematisiert. Mit ein Grund, warum beispielsweise die Johanniter empfehlen, solch einen Plan zu erstellen – und ihn auch regelmäßig mit allen Haushaltsmitgliedern, vor allem den Kindern, zu überprüfen, um im Ernstfall nicht überfordert zu sein. Inhalte dieses Plans sind die Kommunikation untereinander, Notfallkontakte, zentrale Treffpunkte, Evakuierungsrouten, eine konkrete Rollenverteilung oder auch die Notfallversorgung von Haustieren
Für den Notfall gerüstet – oder nicht: Beispiele aus der Redaktion des Kreisboten Landsberg
Dass diese Planung generell wichtig ist, wird kaum jemand bestreiten. Dennoch hat wohl kaum jemand solch einen Notfallplan. Viele vertrauen auf Maßnahmen der Regierung. Die setzt allerdings auf Selbstvorsorge. Und gibt in ihrem Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ lediglich Hilfe zur Selbsthilfe: Wie sollen sich Bürger für den Krisenfall vorbereiten, wie handeln? Eine ausführliche Checkliste gibt es oben drauf.
Der KREISBOTE hat in der Redaktion gefragt, ob und wenn ja, wie die Mitarbeitenden für den Notfall vorsorgen. Das Ergebnis: Es gibt Personen, die sich ganz konkret auf eine Krisensituation vorbereiten. Es gibt welche, die das Thema eher von sich schieben. Und es gibt eine ganze Menge zwischen diesen beiden Polen.
Redaktionsleiter Kai Lorenz, Familienvater mit zwei Kindern aus dem Landkreis Landsberg, gehört zu denen, die sich aktiv vorbereiten – und zwar so konsequent, dass es die Regierung freuen dürfte. „Ich verfolge die aktuelle politische Lage mit Sorge – ohne in Panik zu verfallen, aber ich möchte nichts dem Zufall überlassen“, sagt Lorenz. Sein Ziel: im Ernstfall handlungsfähig bleiben und die Familie gut versorgen – egal ob bei Blackout, Wassermangel, Cyberangriff oder sogar kriegerischen Auseinandersetzungen.
In seinem Einfamilienhaus auf dem Land setzt Lorenz auf eine autarke Grundversorgung. Ein Batteriespeicher, gespeist durch ein Balkonkraftwerk, soll künftig den wasserführenden Kamin, Lichtquellen und Mobiltelefone mit Strom versorgen. Zusätzlich stehen drei große Gasflaschen bereit, um im Notfall einen Gaskocher zu betreiben. Auch an die Trinkwasserversorgung ist gedacht: Mit einem Outdoor-Wasserfilter samt Handpumpen-Set kann Lorenz Wasser aus Regentonne und Zisterne aufbereiten, Reinigungstabletten sorgen für zusätzliche Sicherheit. Ergänzt wird das Konzept durch ein Diesel-Notstromaggregat.
Darüber hinaus hat die Familie Vorräte an haltbaren Lebensmitteln angelegt und eine Bargeldreserve im Tresor hinterlegt – für den Fall, dass elektronische Zahlungen nicht mehr funktionieren. „Unsere Vorbereitung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Lorenz. „Aber irgendwann muss man anfangen – und im schlimmsten Fall kommen wir mit dem, was wir jetzt haben, schon gut über die Runden.“
„Gezielt vorgesorgt haben wir nicht“:
Ganz anders steht Sindy Finke aus der Anzeigenabteilung, die mit ihrem Partner in einer Mietwohnung lebt, der aktuellen Situation gegenüber. Die 46-Jährige erzählt, dass sie keine besonderen Vorräte anlegt oder sich auf eine Krisensituation wie Krieg oder Blackout vorbereitet. „Das ist unter anderem auch ein Platzproblem: Wo soll ich in unserer Mietwohnung die ganzen Wasserkisten und sonstigen Vorräte unterbringen? Das ist bei uns eigentlich nicht machbar.“ Ein paar Flaschen Wasser hätten sie auf Vorrat, „aber eigentlich nur, weil wir kein Leitungswasser trinken“. Was Essensvorräte betreffe, könnten sie sicher drei, wohl auch fünf Tage überleben. Und per Zufall haben sie auch ein batteriebetriebenes Radio. „Aber gezielt vorgesorgt haben wir nicht.“
Dass sie sich nicht konkret mit dem Gedanken an einen Krieg oder eine sonstige Krise beschäftige, liegt ihrer Meinung nach darin, dass sie und auch ihre Eltern in einer Zeit ohne Notstand aufgewachsen sind. „Bei uns war ja nie der Kühlschrank leer.“ Ganz anders sei das bei den Schwiegereltern (Jahrgang 1932) –mit zwei Gefriertruhen und einem Schrank voller Vorratsgläser mit Eingekochtem oder auch Dosen. Nachrichten lese sie zwar und natürlich beunruhige sie die aktuelle Situation mit Russland oder auch Trumps Maßnahmen in den USA. „Aber ich kann nicht in ständiger Angst leben.“
Vorbereitung für den Krisenfall
Die Checkliste der Bundesregierung gibt es online auf www.bbk.bund.de unter dem Punkt „Warnung und Vorsorge“. Dort gibt es Informationen über die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes NINA, die man sich über den jeweiligen Play Store aufs Handy laden kann. Ebenso informiert die Webseite über das Warnsystem Cell Broadcast – das übrigens nicht im WLAN funktioniert.
Sie lese zwar Zeitung und informiere sich auch online über die aktuelle Politik, „aber Nachrichten im Fernsehen schaue ich mir nur noch selten an. Die Bilder würden mir noch mehr Angst machen, weil sie mehr haften bleiben.“ In einer Krisensituation würden Sindy und ihr Partner wohl auf den Camper ausweichen, „mit dem am besten in den Wald fahren“, sagt Sindy, Dort hätten sie einen großen Gasherd und auch einen Campingkocher, auch heizen sei für eine gewisse Zeit dort möglich. „Und ein paar Essensvorräte haben wir dort auch gelagert.“
Die meisten anderen Personen in der Redaktion bewegen sich zwischen diesen beiden Polen, wobei viele so wie Sindy Finke nicht bewusst für einen Krisenplan vorgeplant haben, Einige haben als Schutzräume Keller unter dem Haus, andere einen Holzofen, mit dem sie auch ohne Strom heizen könnten. Menschen, die auf dem Land leben, sind meistens besser vorbereitet.
Viele haben zwar, ohne das konkret für eine Krisensituation geplant zu haben, genügend Wasser- und Essensvorräte für ein paar Tage. Schwierig wird es beim Kochen: Nur wenige haben Gaskocher. Und wenn, dann ohne Ersatzkartuschen. Ein Handpumpenset samt Filter fürs Trinkwasser oder gar ein Notstromaggregat sind aber doch die Ausnahme.
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