Gemeinderat Wörthsee stoppt Teilsrain-Projekt unter neuen Bedingungen

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Der Supermarkt steht längst, der Kran dahinter gehört zur Baustelle für das Heizkraftwerk. Auf der Brachfläche davor sollen 79 Wohnungen entstehen. Ob es so weit kommt, muss sich noch entscheiden. © Andrea Jaksch

Nach langer Debatte lehnt der Gemeinderat den Wohnungsverkauf am Teilsrain ab. Ein Workshop soll noch vor Weihnachten Alternativen prüfen.

Wörthsee - Ein voller Sitzungssaal, in den noch Stühle für das Publikum geschleppt werden, eine stundenlange Debatte und ein Abstimmungschaos zum Schluss: Das war der Montagabend im Wörthseer Rathaus. Bei der Sondersitzung ging es um die Entscheidung von Bauherr Dr. Max von Bredow, die 79 am Teilsrain geplanten Wohnungen zu verkaufen, statt sie zu vermieten. Wie berichtet, hatte die Max Bredow Baukultur GmbH der Gemeinde zuletzt dieses Angebot gemacht, anders sei das Projekt in diesen Zeiten nicht mehr zu stemmen. 40 Prozent der Wohnungen (rund 33) sollen im Rahmen eines Einheimischenmodells verkauft werden für 6500 Euro pro Quadratmeter; 55 Prozent (rund 46) für 8500 Euro den Quadratmeter auf dem freien Markt. Fünf Prozent (rund 280 Quadratmeter) stellt von Bredow als Gemeinschaftsflächen zur Verfügung. Die Gemeinde hat die Möglichkeit, selbst Wohnungen zu erwerben und zu vermieten.

Es grummelt im Ort

Wie sind die Beteiligten an diesem Punkt überhaupt gelandet? Auch um diese Frage kreiste die Debatte, Thomas Bernhard (FW) rollte alles Geschehene wieder auf, angefangen beim Traum von der Genossenschaft über das private Mietkonzept bis hin zur heutigen Situation, es fielen die Worte Salamitaktik und Misstrauen. Von Bredow hatte im Frühjahr noch eine Aufstockung zweier der insgesamt vier bis dahin dreistöckigen Gebäude vorgeschlagen, der Gemeinderat war zähneknirschend mitgegangen, die Freien Wähler stimmten dagegen. Dass er sich nun plötzlich aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf der 79 Wohnungen gezwungen sieht, ist vielen im Ort sauer aufgestoßen, vor allem wohl Mitgliedern des Vereins Wohnen am Teilsrain. Jedenfalls berichteten die Räte aller Fraktionen von zahlreichen E-Mails, Telefonaten und Gesprächen auf der Straße. Es grummelt im ganzen Ort, so scheint es.

Das neue Angebot

Von Bredow führte die Schwierigkeiten und finanzielle Situation in der Baubranche aus. Für das Verkaufsmodell am Teilsrain präsentierte er Rechenbeispiele. So würde eine 70 Quadratmeter große Wohnung für drei Personen 455 000 Euro kosten, plus 39 000 für die Tiefgarage. Dafür seien 98 800 Euro an Eigenkapital nötig, der Rest als Fremdkapital. Die monatliche Belastung betrage dann 1760 Euro (23,7 Euro pro Quadratmeter) plus 100 Euro für die Tiefgarage. Bei der Genossenschaft wäre die Einlage mit 140 000 Euro höher, das gelte auch für die monatliche Belastung und den mit 24 Euro angesetzten Quadratmeterpreis. Er hatte auch die Kaufoption für die Gemeinde berechnen lassen, sollte sie die 33 Wohnungen des Einheimischenmodells kaufen wollen. Abhängig von den Fördertöpfen hätte sie rund 1,7 Millionen Euro zu stemmen, bei nachfolgenden Mieteinnahmen. Die meisten Appartements sind als Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen geplant, das entspricht dem bundesweiten Trend, nachdem fast drei Viertel der Haushalte aus ein bis zwei Personen bestehen. Bredow führte zudem an, dass in seinen Projekten im Schnitt 70 Prozent der Käufer, darunter zu 70 Prozent Einheimische, selbst einzögen, viele aber auch an Einheimische vermieten würden.

„Es tut mir leid, dass ich das Projekt mit Mietwohnungen nicht stemmen kann“, fügte er später an. „Ich kann nur sagen, was ich leisten kann.“ Es sei ein gutes Angebot, „und es ist nach wie vor ein gutes Projekt, das ich gerne machen möchte“.

Das Für und Wider

Johanna Benz (WA) wollte sich nicht damit abfinden, dass es am Teilsrain nun keine Mietwohnungen mehr geben soll: „Im ISEK steht, uns fehlen Mietwohnungen. Das entspricht nicht dem, wofür ich angetreten bin.“ Sie könne diese schnelle Wende nicht mitgehen. Auch Gerald Grobbel (Grüne) sagte: „Ich sehe mich nicht in der Lage, zuzustimmen.“ Man solle sich die Zeit nehmen und schauen, welche Gelder es gebe. „Was jetzt passiert, geht an dem vorbei, was wir vorhatten. Das können wir den Bürgern nicht erklären“, befand Bernhard. Er sei nicht dafür, dass man es kippe, „aber wir sollten es noch mal genauer prüfen und Varianten zur Diskussion stellen“. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Wohnungen für 8500 Euro eine ganz andere Klientel bedienen würden, „das ist nicht das, was wir wollten“. Auch die höhere GfZ sei nicht zu rechtfertigen. Fraktionskollege Robert Wihan bezeichnete das Projekt als „nicht mehr bedarfsorientiert“. Es gebe keine Mietsicherheit mehr und auch der Bebauungsplan passe nicht. Jakob Aumiller (CSU) wollte sichergehen, dass Einheimische profitieren und hätte gerne eine Liste an Interessenten für die Wohnungen gesehen. Dr. Harald Lossau (FW) brachte andere Finanzierungsmöglichkeiten und mögliche Co-Investoren ins Spiel, eventuell auch einen niedrigeren Baustandard.

Bürgermeisterin Christel Muggenthal erinnerte an die im Gemeinderat und im ISEK auf den Weg gebrachte Idee des Quartiers mit Supermarkt, Heizkraftwerk und Verkehrsberuhigung am Teilsrain. Das Projekt sei immer noch ein gutes Angebot für Wörthsees Bürger. Sie warnte auch vor hohen Kosten, die wegen des Heizkraftwerks entstünden, solle dies nicht ausgelastet sein. „Wo vermietet wird, gibt es auch Eigentum“, erinnerte Dirk Bödicker (WA), man dürfe die Bürger im Ort nicht gegeneinander ausspielen. Im Falle einer Genossenschaft wären am Teilsrain auch nicht nur Wörthseer eingezogen. Und auch eine Wohnungsbaugesellschaft könne pleitegehen. Er befürworte es, wenn die Gemeinde einen Teil der günstigen Wohnungen erwerbe. Fraktionskollege Peter Hopmann und Benedikt Gritschneder (SPD) waren ebenfalls dafür, weiterzumachen. „Länger zu warten macht nur Sinn, wenn die Preise und Zinsen sinken oder der Investor mit anderen Zahlen auftaucht. Das wird nicht eintreten.“ Gritschneder sprach von einem Dilemma. „Es gibt nicht den einen tollen Weg. Aber wir sollten das Projekt weiterverfolgen.“

Die Abstimmung

Die Abstimmung verlief chaotisch. Mit 9:7 Stimmen lehnte eine knappe Mehrheit den Vorschlag der Verwaltung ab, das Vorhaben mit von Bredow fortzuführen. Gegen vier Stimmen folgte das Gremium dann dem Antrag der Freien Wähler, „in einem Workshop die Argumente zum Einheimischen-Bedarf, zu Finanzierung, Förderung, Baustandard, Eigentumsmodellen und Folgekosten auch für das Nahwärmenetz zu sammeln und bei einem Verkauf dieser Wohnungen dem Mietwohnungsbau gegenüberzustellen.“ Das Ergebnis soll die Verhandlungsgrundlage für weitere Investorengespräche bilden.

„Damit haben wir von Bredow vor die Tür gesetzt“, stellte Gritschneder fest. Schließlich einigte man sich darauf, von Bredow beim Workshop, der noch vor Weihnachten stattfinden soll, mit ins Boot zu holen. Muggenthal ließ ins Protokoll aufnehmen, dass sie die Verantwortung für der Gemeinde entstehende Kosten für das Nahwärmenetz nicht übernehmen werde.