Über ein Jahr nach verheerendem Hochwasser: Babenhausen arbeitet weiter an Flutschäden und Hochwasserschutz

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Noch im Oktober soll die Frundsbergbrücke über die Günz wieder voll belastbar und der Verkehr auch für Lkw wieder freigegeben sein. Die Wassermassen hatten damals die Brückenpfeiler des Fundaments besorgniserregend unterspült. © Tom Otto

In der Marktgemeinde Babenhausen laufen die Reparaturarbeiten nach der Flutkatastrophe weiter. Viele Schäden sind bereits behoben, doch einige Projekte wie Brückensanierungen und Hochwasserschutzmaßnahmen dauern an. Auch die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung bleibt groß.

Babenhausen – Über ein Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe befindet sich der Ort auf dem Weg in die „Normalisierung“. Die gröbsten Schäden an Privathäusern und Firmen sind weitgehend beseitigt. Auch die Erneuerung sowie Instandsetzung der beschädigten kommunalen Infrastruktur kommt voran, auch wenn einige Projekte noch Zeit in Anspruch nehmen werden.

Babenhausen arbeitet weiter an Flutschäden und Hochwasserschutz: Schadensbeseitigung belastet Haushalt

Die finanzielle Belastung durch die Beseitigung entstandener Schäden zwingt die Gemeinde dazu, sich bei den erforderlichen Maßnahmen verstärkt an den Fördermöglichkeiten von Kreis, Bezirk, Land und Bund zu orientieren.

Um die anstehenden Aufgaben dennoch bewältigen zu können, wird die Gemeinde daher intensiv prüfen, welche Förderprogramme in Anspruch genommen werden können.

Wo möglich, werden Arbeiten mit eigenen „Bordmitteln“ erledigt, wie Bürgermeister Otto Göppel betont. So hatten Ehrenamtliche bereits den Estrich im Kindergarten „Sternschnuppe“ entfernt.

Die Aufträge für die Erneuerung der Heizung und Sanitärinstallationen, die voraussichtlich 2,1 Millionen Euro kosten wird, sollen in Kürze vergeben werden, Baubeginn soll dann im Oktober sein. Die Gemeinde kann hier mit einer Förderung von 50 Prozent der Kosten rechnen.

Über ein Jahr nach verheerendem Hochwasser: Babenhausen nimmt wichtigen Schritt beim Hochwasserschutz

Mit dem Spatenstich für das vierte Rückhaltebecken bei Sontheim wurde ein weiterer wichtiger Schritt für den künftigen Hochwasserschutz entlang der Günz getan. Bis 2030 soll auch das fünfte Rückhaltebecken bei Westerheim fertiggestellt werden.

Das Wasserwirtschaftsamt Kempten hat bereits kurz nach der Flut den Dammdurchbruch zwischen Wehr und Kindergarten „Sternschnuppe“ beseitigt. Am Mühlbach hatten die Wassermassen durch starken Druck sowie Unterspülung eine Überflutung des Kindergartens und der Fabrikstraße verursacht.

Die Sanierung der Günzbrücke an der Frundsbergbrücke kommt aktuell gut voran und soll nach Angaben der Bauleitung voraussichtlich im Oktober abgeschlossen sein, sodass sie wieder von Lkw befahren werden kann.

Die Täuferbachbrücke an der Günzeinmündung zwischen dem sogenannten Fischerviertel und dem Freizeitgelände am Badeweiher wurde bereits vom Bauhof erneuert.

Die Brücke am Kneipp-Tretbecken ist weiterhin unpassierbar. Sie sollte ursprünglich noch vor der Flutkatastrophe umfassend erneuert werden. Statt einer umfassenden Erneuerung wird nun eine kostengünstigere Holzvariante geprüft.

Über ein Jahr nach verheerendem Hochwasser in Babenhausen: Kleinere Bäche stellen große Herausforderungen dar

Die kleineren Bäche im Südwesten Babenhausens, wie Klosterbeurener Bach, Täuferbach, Reichauer Bach, Auerbach und Otterbach, stellen die Gemeinde vor große Herausforderungen.

Als sogenannte Gewässer dritter Ordnung führten sie historisch große Regenwassermengen aus einem großflächigen Gebiet nach Babenhausen und zeigten zusammen mit der Günz ihr enormes Bedrohungspotenzial.

Die Gemeinde hatte bereits 2023 für die Bäche ein Gewässerkonzept bei dem Krumbacher Planungsbüro Kling in Auftrag gegeben. Die kleineren Maßnahmen aus diesem Konzept wurden noch nicht umgesetzt, da auch hier fördertechnische Umstände nicht abschließend geklärt sind. Gespräche mit dem Bayerischen Staatsforst Ottobeuren laufen, um durch Mulden im Wald die Wucht des Otterbachs zu reduzieren.

Eine größere Maßnahme aus dem Gewässerkonzept zeichnet sich bereits ab: Westlich des Reit- und Fahrvereins wird wohl ein großer, etwa sechs Meter hoher Damm gebaut werden müssen, um eine Hochwassersicherheit zu gewährleisten. Hier gilt es jedoch noch, Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern zu erzielen.

Über ein Jahr nach verheerendem Hochwasser in Babenhausen: Neue Arztpraxis im Kreisaltenheim

Fortschritte gibt es auch von der Neuerrichtung der Arztpraxis im Kreisaltenheim zu berichten. Die notwendigen Arbeiten sollen nach jetzigem Stand bis Ende Dezember abgeschlossen sein, sodass das Ärzteteam, das die damals noch neue Praxis an der Günz betrieb, im Januar seine Arbeit in den neuen Praxisräumen aufnehmen kann.

Über ein Jahr nach verheerendem Hochwasser in Babenhausen: Unbürokratische Unterstützung

Die Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliche Unterstützung für betroffene Privatpersonen funktionieren weiterhin gut. Finanzhilfen für Heizölschäden und die Neuanschaffung von Hausrat konnten an mehrere Hundert Haushalte ausgezahlt werden, wobei 99 Prozent der Hilfsanträge genehmigt wurden.

Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Unterallgäu bei den Notstandsbeihilfen verlief vertrauensvoll und effizient, lobt Alexandra Hörtrich, die im Rathaus als Mitarbeiterin von Bürgermeister Otto Göppel arbeitet. Sie hatte bereits unmittelbar nach der Katastrophe begonnen, finanzielle und praktische Hilfen auf die Beine zu stellen und zu koordinieren.

Durch eine Fristverlängerung der Härtefallhilfen konnten für rund 20 Haushalte Beträge bis zu einer Höhe im niedrigen fünfstelligen Bereich ausgezahlt werden. Oft ging es hierbei um Hilfen für Hauskredite, die kurzfristig nicht mehr bedient werden konnten.

Die Diakonie Allgäu mit Sitz in Memmingen sowie die in Landsberg ansässige Organisation „Landaid“ haben in der ersten Jahreshälfte 2025 mehrfach größere Beträge für die geschädigten Haushalte gespendet. Die AWO Babenhausen, die die Hilfskonten bereitstellte und die Verteilung der Spenden sicherstellte, sowie der örtliche Lions Club, der Verein BuS und die Caritas haben in diesem Jahr nochmals zusammen über 200.000 Euro an Spenden mobilisiert.

Über ein Jahr nach verheerendem Hochwasser in Babenhausen: Ehrenamtlicher Bauhelferkreis

Der von Alexandra Hörtrich ins Leben gerufene Bauhelferkreis ist weiterhin aktiv.

Zuletzt wurde im Kindergarten „Sternschnuppe“ der beschädigte Estrich entfernt. Mit Unterstützung von Landsberger „Hilti“-Fachleuten, die im Rahmen ihrer „Social Days“ kostenfrei Gerätschaft und Know-how zur Verfügung stellen, wird in den kommenden Tagen noch der Putz erneuert – alles ehrenamtlich.

Der Bauhelferkreis hat mittlerweile seinen Wirkungskreis über die Gemeindegrenzen hinaus ausgeweitet. Aktuell hilft er auch in einem Privathaushalt in Osterberg aus und demnächst steht die ehrenamtliche Sanierung des flutgeschädigten Spielplatzes in Klosterbeuren an.

Über ein Jahr nach verheerendem Hochwasser in Babenhausen: Hilfe im Alltag

Bei den verschiedenen Unterstützungsarbeiten offenbarten sich immer wieder soziale Notlagen, die Alexandra Hörtrich gemeinsam mit Heike Rothärmel angehen konnte. Sie betreuen derzeit drei Menschen und organisieren Alltagshilfen, unterstützen bei Behördengängen oder bieten einfach nur ein offenes Ohr.

Wer jemanden kennt oder selbst Hilfe benötigt, kann sich vertrauensvoll und diskret an Alexandra Hörtrich (Tel. 0170/4108669, E-Mail: alexandra.hoertrich@babenhausen.org) oder Heike Rothärmel (Tel. 01515/674021060, E-Mail: heike.ehrenamt@gmail.com) wenden.

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