Ammoniak-Alarm im Eisstadion Mittenwald: Jetzt will Gemeinde handeln

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Um Eis aufzubereiten, braucht’s Ammoniak – auch in der Arena Mittenwald. © Andreas Mayr

Von einer „tickenden Zeitbombe“ spricht Bojana Kulina. Die ehemalige Arena-Managerin weist damit in drastischen Worten auf ein brennendes Problem hin. Denn nach wie vor befindet sich giftiges Kältemittel in den Leitungen des Eisstadions. Die Gemeinde möchte das Ammoniak nun abpumpen lassen.

Mittenwald – Es lässt ihr einfach keine Ruhe. „Das Ammoniak ist bis heute in den Leitungen und nicht versiegelt worden“, sagt Bojana Kulina. Bis zur Insolvenz der Arena-Mittenwald-GmbH kümmerte sie sich um die Geschäfte im Eisstadion, das ihr zufolge nun eine „tickende Zeitbombe“ birgt. Sie beruft sich dabei auf einen Kältetechnik-Spezialisten, der „des Öfteren“ ihr gegenüber zum Handeln drängte.

„Durch die derzeitige Wärme breitet sich Ammoniak in den Leitungen aus und kann dazu führen, dass der Druck zu hoch ist und die Ventile reißen“, schildert Kulina aus dem Gespräch mit dem Experten einer österreichischen Firma. Ammoniak, das als Kältemittel zur Eisaufbereitung verwendet wird, ist ein Gefahrgut – im unkontrollierten Raum pures Gift. Noch schlummert es in den laut Kulina porösen Leitungen des Eisstadions. Sollte das Ammoniak austreten und beispielsweise in die Isar fließen, gebe es „ eine Katastrophe“. Seit Januar ruft sie deshalb „ständig“ bei der Gemeinde an – „und werde mit Ausreden vertröstet“.

Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) kennt das Thema und reagiert gereizt. Zwar sieht er in dieser Frage die insolvente GmbH in der Pflicht. „Trotzdem werden wir als Gemeinde in Vorleistung gehen.“ Sprich: Das Ammoniak in einen versiegelten Tank abpumpen. „ Nach Rücksprache mit dem zuständigen Gemeindewerkschef Matthias Pöll vermeldet der Rathauschef: „Der Termin steht.“ Es ist der Montag, 22. April.

Einem Nackerten kannst nicht in die Tasche greifen.

Mehr wie alles andere symbolisiert diese heikle Geschichte das Kompetenz-Dilemma beim seit Dezember stillgelegten Mittenwalder Eisstadion. Wer ist aktuell eigentlich für was zuständig? Drei Parteien gibt es: Die Gemeinde, der die Anlage an den Isarauen gehört; die pleite gegangene Arena-Mittenwald-GmbH um Investor Martin Ritzer aus Garmisch-Partenkirchen, die mit dem Markt einen zeitlich befristeten Erbbaurechtsvertrag zum Betreiben der Einrichtung geschlossen hat und nicht zuletzt Insolvenzverwalter Dr. Robert Hänel aus Weilheim, der das laufende Verfahren abwickeln darf. Eine vertrackte Geschichte. Kulina behauptet, dass der GmbH-Chef keine Aufträge und Zahlungen mehr vornehmen dürfe. Sie beruft sich dabei auf eine Aussage Hänels. Kulina zufolge soll sich die Kommune bereit erklärt haben, die Kosten zu übernehmen, um die Arena still zu legen.

Mitnichten, interveniert der Bürgermeister. „Rein rechtmäßig ist die GmbH zuständig, die das Eisstadion betreibt“, betont Corongiu mit einem dicken Hals. „Und wenn’s gefährlich wird, dann sollen wir uns um alles kümmern.“ Er findet: „Wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann, sind offenbar genügend Mittel vorhanden.“ Um auch die strittigen 1300 Euro fürs Abpumpen zu begleichen. Doch Insolvenzverwalter Hänel meint: Unter normalen Umständen wäre die GmbH zuständig.“ Um die Dinge beim Namen zu nennen, ergänzt der Jurist: „Einem Nackerten kannst nicht in die Tasche greifen.“ Für ihn ist die insolvente Betreiber-Gesellschaft „eine Leiche, die am Boden liegt“. Bei der nichts, rein gar nichts zu holen ist. Und ist Gefahr in Verzug, gibt es für Juristen Robert Hänel keine zwei Meinungen. „Dann ist die Gemeinde als Ordnungsbehörde verpflichtet zu handeln.“

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