Kommt mit dem digitalen Euro das Ende der Freiheit im Portemonnaie? Unsere Leser diskutieren hitzig die Chancen und Risiken. Die Mehrheit warnt vor Überwachung, Dateneinsicht und dem Verlust von Bargeld. Andere sehen in der neuen Währung Transparenz und Fortschritt. Die Leserkommentare zeigen deutlich: Der Kampf um Akzeptanz wird kein technischer, sondern ein psychologischer sein – zwischen Fortschrittsversprechen und Freiheitsgefühl.
- Der vollständige Artikel ist hier verfügbar: Ende des Bargelds? Was Sie jetzt über den digitalen Euro wissen sollten
Sorgen um Überwachung und Kontrolle
Viele Leser befürchten durch den geplanten digitalen Euro umfassende Überwachung und Kontrolle. Sie sehen darin den Weg zum gläsernen Bürger und warnen vor totalitären Mechanismen, die Zahlungsdaten staatlich erfassbar machen könnten. Tatsächlich soll der digitale Euro laut EZB als zusätzliche, nicht ersetzende Bezahlmöglichkeit dienen – Bargeld soll ausdrücklich erhalten bleiben.
In der im Juni 2025 vorgelegten Entwurfsfassung der EU-Verordnung ist festgelegt, dass Zahlungen bis zu 100 Euro auch offline und anonym möglich sein sollen. Dennoch bleibt der Verdacht, dass eine staatlich kontrollierte Währung langfristig missbraucht werden könnte. Die Sorge speist sich weniger aus den aktuellen Plänen, sondern aus einem generellen Misstrauen gegenüber technischer Zentralisierung.
"Vielleicht bin ich einfach zu alt oder zu doof, um das zu verstehen, aber ich kann doch jetzt auch schon digital bezahlen. Was ist denn jetzt bitteschön der 'Unterschied'? Diesen bürokratischen, legislativen und administrativen Mehraufwand würde 'Brüssel' ganz sicherlich nicht betreiben, wenn sich unsere Kontrollfreaks und Zentralstaatler davon nicht einen Vorteil versprechen würden ..." Zum Originalkommentar
"Das ist die totale Überwachung unter dem Deckmäntelchen der Schwarzarbeitsbekämpfung. Die Menschen sind sich vermutlich der Tragweite gar nicht bewusst: Sämtliche Zahlungen könnten von verschiedensten Stellen und Behörden eingesehen werden. Sie werden zum gläsernen Bürger, wenn sie sich ein Brötchen kaufen." Zum Originalkommentar
"Es geht lediglich um mehr Kontrolle. Kein Staat sollte diese Art an Möglichkeiten haben, private Geldströme zu überwachen, Geld abschaltbar zu machen, zu deckeln und was noch alles mit programmierbaren Währungen möglich ist. Wie immer wird man uns langsam warm kochen, bevor es dystopischer wird." Zum Originalkommentar
"Viele verwechseln. Digitales Zahlen mit digitaler Zahlungsverkehrskontrolle, Einschränkungen und Sanktionierung." Zum Originalkommentar
Angst vor Freiheitsverlust
Viele Kommentatoren sehen Bargeld als Symbol persönlicher Unabhängigkeit. Die Vorstellung, dass Zahlungen vollständig digitalisiert werden, ruft die Angst hervor, dass Bürger künftig in ihrem Konsum oder Verhalten sanktioniert werden könnten. Die EZB betont dagegen, der digitale Euro solle "Bargeldähnlichkeit" bewahren, also weder Bewegungsprofile erzeugen noch personalisierte Ausgabenbegrenzungen ermöglichen. Dennoch wird die Einführung von Teilen der Leserschaft als schleichender Eingriff in Grundrechte wahrgenommen – Ausdruck eines wachsenden Bedürfnisses nach Selbstbestimmung im digitalen Raum.
"Sie nehmen dem 'Bürger' immer mehr die Souveränität!" Zum Originalkommentar
"Die Abschaffung des Bargeldes ist gleichzusetzen mit der Abschaffung der Freiheit!" Zum Originalkommentar
"Das Ende des Bargelds wäre m.M. nach das Ende der bürgerlichen Freiheit und der Anfang der totalen Überwachung." Zum Originalkommentar
"Bargeld abschaffen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Dann hat man uns richtig unter Kontrolle!" Zum Originalkommentar
"So nehmen sie uns täglich ein Stück mehr Freiheit, aber ist schon alles in Ordnung." Zum Originalkommentar
Infrastruktur als Stolperstein des digitalen Euro
Ein Teil der Leser zweifelt an der Umsetzbarkeit im Alltag. Schwächen der digitalen Infrastruktur, Netzstörungen oder Cyberangriffe gelten als Risiko für die Versorgungssicherheit. Auch die Erfahrungen anderer Länder wie Schweden, wo sich die Bevölkerung nach anfänglicher Euphorie wieder stärker Bargeld wünscht, werden als warnendes Beispiel angeführt. Diese Kritik trifft einen realen Punkt: Nach Angaben der Bundesbank ist Deutschland 2025 weiterhin Schlusslicht in der EU bei digitaler Bezahl-Infrastruktur im ländlichen Raum.
"Na bei dem flächendeckend flotten Internet in Deutschland kann eine Zahlung dann schon mal etwas länger dauern." Zum Originalkommentar
"Digitales Bezahlen funktioniert jedenfalls nicht deutschlandweit und wird dies auch nicht. Dies liegt an den großen Funklöchern im Mobilfunkbereich, an deren Stellen kein Zahlen mit Karte möglich sein wird, so muss dort, z. B. ein Pizzaexpress immer mit Bargeld bezahlt werden. Vor einem Jahr bei meinem Supermarkt im Nachbarort stand ein Schild vor dem Eingang: 'Nur Barzahlung möglich'. Warum? Es lag ein Fehler im Rechenzentrum der Handelskette vor, so dass in ganz Baden-Württemberg nur Bargeldzahlung möglich war." Zum Originalkommentar
"Alles nur noch digital? Ob das Internet und Stromnetze zulassen?" Zum Originalkommentar
":D - Die Schweden gehen wieder weg vom digitalen Euro - aufgrund der Situation wird dort inzwischen gefordert, dass jeder Bürger Bargeld zu Hause hat und die Banken die Auszahlungen zu bewerkstelligen haben. Also lasst den Blödsinn: wenn das Internet ausfällt, funktioniert der gesamte Geldtransfer nicht mehr, keine Einkäufe von Lebensmitteln etc." Zum Originalkommentar
Misstrauen gegenüber der EU
Einige Stimmen verbinden die Pläne zum digitalen Euro mit genereller EU-Skepsis. Der Gedanke, Brüssel könne über programmierbare Währungen Vermögen beeinflussen oder enteignen, taucht in mehreren Kommentaren auf. In der Realität ist eine solche Programmierung nach jetzigem Entwurf ausgeschlossen – der digitale Euro wäre rechtlich dem Bargeld gleichgestellt und könnte nicht abgeschaltet oder zweckgebunden werden. Doch die Wahrnehmung, die EU greife immer stärker in nationale und private Belange ein, befeuert diese Ängste weiter.
"Ich bin sicher, das kann das Ende des Euro bedeuten, aber nicht das Ende des Bargeldes. Die Clowns in Brüssel nehmen sich wieder zu wichtig, ohne zu verstehen. Inzwischen der Normalzustand und die Welt lacht nur noch." Zum Originalkommentar
"Bei den kommenden Landtagswahlen kann der Wähler bereits eine Vorentscheidung treffen, wie es mit der Enteignung der Bürger weitergehen soll." Zum Originalkommentar
"Erst kann, dann soll, dann muss… Und was nicht im Vermögensregister steht, kann nicht digitalisiert werden und unterliegt der Einziehung. Hier wird eine Enteignung in ganz großem Stil vorbereitet, um das Spielgeld noch etwas am Leben zu halten. I want my D-Mark Back!" Zum Originalkommentar
"Achtung, wichtige Durchsage! Zur Schaffung weiterer Sondervermögen wurde heute 10 % von jedem Konto eingezogen. Vielen Dank für Ihr Verständnis." Zum Originalkommentar
Cyberkriminalität im Fokus
Einige Leser äußern Sorgen über Hackerangriffe und Datenmissbrauch. Tatsächlich zählt Cybersicherheit zu den größten technischen Herausforderungen des Projekts. Die EZB testet derzeit gemeinsam mit der Europäischen Datenschutzbehörde (EDPS) eine dezentrale Lösung, die Transaktionen verschlüsselt, ohne personenbezogene Daten zentral zu speichern. Dennoch bleibt das Vertrauen begrenzt – auch, weil viele Bürger das IT-Sicherheitsniveau öffentlicher Institutionen für unzureichend halten.
"Bei diesem Vorhaben sollte die kriminelle Energie und Findigkeit der Hacker nicht übersehen werden. Wahrscheinlich eröffnen sich Betrugsmöglichkeiten großen Stils." Zum Originalkommentar
"Das ist mal wieder so ein Mist, den die VT EU-Politiker sich einfallen lassen, da gibt es ja zig Cyberkriminelle, die das dann so hinbekommen, dass die plötzlich Millionäre sind, nein, Billionäre." Zum Originalkommentar
"Kürzlich hatte ich ein Tagesgeschäft abzuwickeln und die Bank aus UK konnte den Transfer nicht vornehmen, weil durch Störungen beim Zahlungsverkehr eine Überweisung schlicht nicht möglich war. Dauer 8 h. Das Tagesgeschäft war erledigt. Wer bezahlt mir den Verlust? Niemand!!! Bargeld muss bleiben!!!" Zum Originalkommentar
Plädoyer für mehr Transparenz
Eine kleinere Gruppe befürwortet den digitalen Euro ausdrücklich. Sie sieht darin ein Mittel gegen Schwarzarbeit und Steuerbetrug. Durch digitale Nachvollziehbarkeit könnten Einnahmen transparenter werden und Schattenwirtschaft reduziert werden. Diese Stimmen bleiben allerdings in der Minderheit, da viele Bürger Transparenz mit Überwachung gleichsetzen.
"Woher die Kritik kommt, ist doch klar: In erster Linie von denen, die ein Interesse und eine Möglichkeit haben, mit Bargeld kreativ umzugehen. [...] Das sind die gängigen Ausreden, mit denen Einnahmen ermöglicht werden sollen, die in keiner digitalen Buchhaltung erfasst werden müssen. Und bei allem, was nicht erfasst wird, ist nicht sicher, ob es wirklich den Weg in die Steuererklärung findet. Darum geht es. Um nichts anderes." Zum Originalkommentar
"Bargeld abschaffen geht nicht, die Bürger und Pizzaläden wollen doch nur Bargeld, dann müssten die ja Steuern zahlen, von was sollen die dann ihre dicken Audis bezahlen, wenn ihr es denen abnehmt" Zum Originalkommentar
Sonstiges
Die restlichen 17 Prozent verteilen sich auf vielfältige, teils ironische und humorvolle Stimmen.
"Finde ich gut: wenn der Bürger sein CO2-Kontingent überschritten hat, kann man ihn daran hindern, einen Flug zu buchen oder ein Steak zu bestellen. Außerdem kann man ihn bestrafen, wenn er nicht korrekt gegendert hat. Und ein weiterer Vorteil ist, dass man das Geld auch mit einem Ablaufdatum belegen kann, um die Wirtschaft gezielt zu stimulieren." Zum Originalkommentar
"Wozu der Aufwand? Es gibt doch bereits verschiedene Möglichkeiten, bargeldlos mit Euro zu bezahlen. Und an die Kritiker des Bargelds: Niemand will euch etwas wegnehmen, ihr habt die Wahl, wie ihr bezahlt. Also seid etwas toleranter und lasst den Bargeld-Befürwortern doch auch die Wahl." Zum Originalkommentar
"Ich kann jetzt den Vorteil eines digitalen Euros zur Debitkarte nicht erkennen - offenbar der Autor auch nicht, sonst hätte er es ja beschrieben." Zum Originalkommentar
"Hilfe - eine Veränderung! Wie furchtbar!! Früher war alles besser!!!" Zum Originalkommentar
Wie stehen Sie zum geplanten digitalen Euro – wird unser Alltag dadurch wirklich einfacher oder wächst nur die Angst vor Überwachung und Kontrollverlust? Diskutieren Sie mit: Wie wünschen Sie sich die Bezahlung von morgen – digital, bar oder ganz anders?