6,6 Billionen Dollar schweres Problem: Warum Trumps Wohnraum-Versprechen scheitern könnte

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Präsident Donald Trump im Oval Office am 2. Februar. © Sarah L. Voisin/The Washington Post

Donald Trump macht bezahlbaren Wohnraum zur Priorität und will sinkende Hypothekenzinsen. Sein Fed-Kandidat Kevin Warsh kritisiert jedoch die riesige Anleihenbilanz. Eine Analyse.

Washington D.C. – Präsident Donald Trump hat die Bezahlbarkeit von Wohnraum zum zentralen Thema seiner wirtschaftlichen Agenda gemacht und immer wieder betont, er wolle sinkende Hypothekenzinsen sehen.

Doch Trumps Kandidat für die Leitung der US-Notenbank, Kevin Warsh, kritisiert seit Jahren die enorme Anleihenbilanz der Zentralbank. Jede Initiative, das 6,6 Billionen Dollar schwere Portfolio der Fed aus Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren deutlich zu verkleinern, könnte die Hypothekenzinsen nach oben treiben. Das würde den Zielen des Präsidenten entgegenwirken.

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Dieser Zielkonflikt verdeutlicht eine potenzielle Kollision zwischen Trumps politischen Prioritäten und den von Warsh vertretenen geldpolitischen Überzeugungen. Warsh hat die Bilanz der Fed immer wieder als aufgebläht und verzerrend kritisiert. In seinem Verständnis hält ein riesiges Zentralbank-Portfolio langfristige Zinsen künstlich niedrig und treibt die Preise für Vermögenswerte in die Höhe.

Warsh muss noch vom Senat bestätigt werden. Doch Trump plant, dass er die Zentralbank Mitte Mai übernimmt, wenn die Amtszeit von Jerome H. Powell als Fed-Chef ausläuft.

„Wenn er nur die Fed-Bilanz verkleinert, ist kaum zu sehen, wie das mit niedrigeren Hypothekenzinsen vereinbar sein soll. Das ist ein Spannungsfeld zum Präsidenten“, sagt Bill English, Yale-Professor und ehemaliger Leiter der geldpolitischen Strategie der Fed.

Kernkonflikt: Bilanzabbau versus niedrige Zinsen

Die Notenbank beeinflusst Kreditkosten, indem sie ihren kurzfristigen Leitzins verändert – ein Hebel, der sich auf den gesamten Finanzsektor auswirkt. Er hat Einfluss darauf, was Verbraucher für Autokredite, Hypotheken und andere Darlehen zahlen.

Hinzu kommt eine weitere, weniger konventionelle Möglichkeit: die Bilanz der Fed. Durch den Aufkauf von Billionen an länger laufenden Wertpapieren hat die Zentralbank bewusst versucht, die langfristigen Zinsen zu drücken. Solche Käufe machen Kredite günstiger, weil sie die Treasury-Renditen und damit die Zinssätze im ganzen Land senken.

Der drohende Konflikt spitzt sich zu, da Trump zunehmend unter Druck steht, seine Versprechen zur Senkung der Wohnkosten einzuhalten. Die Hypothekenzinsen, die Anfang 2025 kurzzeitig auf über 7 Prozent stiegen, sind zum Zankapfel für viele Menschen geworden, die sich kein Eigenheim leisten können. Trump hat eine Senkung angekündigt, bisher aber kaum konkretisiert.

„Wir können die Zinsen auf ein Niveau senken – und das wollen wir auch“, sagte Trump im vergangenen Monat. „Das ist normal. Das ist für alle gut. Sie wissen schon, das Senken des Zinssatzes – wir sollten viel weniger Zinsen zahlen, als wir es tun.“

Warsh, ein ehemaliger Wall-Street-Banker und Fed-Gouverneur, ist ein lautstarker Kritiker des „Quantitative Easing“. Das sind jene Programme, mit denen die Fed ihre Bilanz in der Finanzkrise und in der Pandemie massiv ausweitete, um langfristige Zinsen zu drücken. Zwischen 2008 und 2022 stieg das Vermögen der Fed von rund 900 Milliarden auf rund 9 Billionen Dollar, bevor es zuletzt auf 6,6 Billionen geschrumpft ist.

In Reden und Texten bezeichnet Warsh das riesige Anleihenportfolio als ungewolltes Erbe der Krisenpolitik, das zurückgefahren werden sollte. Nach Warshs Ansicht hätten die Ankäufe hohe Staatsdefizite begünstigt und letztlich die Inflation angeheizt.

„Jedes Mal, wenn die Fed eingreift, dehnt sie ihren Umfang weiter aus, dringt in andere Bereiche der Makroökonomie vor … mehr Schulden werden angehäuft … Kapital wird fehlgelenkt … institutionelle Grenzen werden überschritten … die Risiken künftiger Schocks nehmen zu … und beim nächsten Mal muss die Fed noch aggressiver agieren“, sagte er im April in einer Rede.

Die Fed hält etwa 4,3 Billionen Dollar an Staatsanleihen und etwa 2 Billionen an Hypothekenpapieren. Das sind Überbleibsel der außergewöhnlichen Unterstützungsmaßnahmen während der Rezession 2008 und der Pandemie 2020. Der größte Teil sind langfristige Papiere.

Ökonomischer Grundkonflikt: Wie Anleihenverkäufe Zinsen nach oben treiben können

Dieses Spannungsfeld hat seinen Ursprung in marktökonomischen Zusammenhängen: Kauft die Fed große Mengen an Anleihen, steigen die Anleihenkurse und die Renditen sinken. Das senkt die Kreditkosten in der gesamten Wirtschaft. Umkehrt gilt: Wenn diese Käufe ausbleiben oder Anleihen auslaufen, steigen die Renditen tendenziell. Mit ihnen steigen letztlich auch die Hypothekenzinsen.

Natürlich beeinflussen viele weitere Faktoren die Hypothekenzinsen – etwa der Leitzins der Fed, Inflationserwartungen, die Weltwirtschaftslage oder die Verfassung des US-Immobilienmarktes. Es ist zudem noch offen, wie Warsh nach einer Bestätigung genau agieren würde. Ein detaillierter Plan zum Bilanzabbau ist bisher nicht bekannt, und seine Ansichten könnten sich im Amt noch weiterentwickeln.

Warsh und das Weiße Haus antworteten nicht auf Anfragen nach Stellungnahmen.

Ökonomen: Realität könnte Warsh zum Umdenken zwingen

Einige Ökonomen meinen, der Zielkonflikt könnte überschätzt sein. Das Ausmaß der Herausforderungen rund um die Bilanz ist so gewaltig, dass Warsh am Ende ohnehin gezwungen wäre, alles sehr langsam anzugehen.

„Ich vermute, Warshs Wunsch, die Bilanz zu verkleinern, stößt schnell auf die Realität. Er wird sie wohl nur schrittweise abbauen und sich damit rausreden, dass das Problem zu groß ist, um es über Nacht zu lösen“, sagte Jason Furman, Ex-Berater von Präsident Obama und Wirtschaftsprofessor in Harvard.

Warsh wurde auch deshalb nominiert, weil Trump von ihm erwartet, den Leitzins zu senken. Doch das heißt nicht, dass marktgetriebene langfristige Zinsen sinken. Die Fed hat ihren Leitzins in den vergangenen 18 Monaten um 1,75 Prozentpunkte gesenkt. Trotzdem sind die Hypothekenzinsen etwa auf dem gleichen Niveau wie im September 2024.

„Fast egal, wohin man schaut – Warsh ist ziemlich gefesselt, auch bei der Bilanz“, sagt Jon Hilsenrath, Gastwissenschaftler an der Duke-Universität und Experte für Zentralbankthemen.

Zum Autor

Andrew Ackerman schreibt für das Wirtschaftsressort der Washington Post und berichtet über die Regulierung der Wall Street durch Washington. Seine Spezialgebiete sind die US-Notenbank Fed und deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Verbraucher.

Dieser Artikel war zuerst am 10. Februar 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/billionen-dollar-schweres-problem-warum-trumps-wohnraum-versprechen-scheitern-koennte-zr-94164979.html