Der Stadtrat hat einstimmig ein Krematorium sowohl in Friedhofsnähe als auch im Gewerbegebiet Nonnenwald abgelehnt. Nicht mehr die Rede war auch davon, die privaten Projektträger auf eine Interessentenliste für ein Grundstück zu setzen.
Noch im Oktober konnte sich eine klare Stadtratsmehrheit ein Krematorium in Penzberg vorstellen. Die massiven Bürger-Proteste, nach denen sich der potenziellen Betreiber vom Friedhofsstandort verabschiedete, sorgten jedoch für eine Wende. Am Dienstag lehnte es der Stadtrat auf Vorschlag der Verwaltung einstimmig ab, für ein Krematorium Baurecht zu schaffen und ein Grundstück bereitzustellen: sowohl am Friedhof als auch im Gewerbegebiet Nonnenwald. Zugleich strich er den Vorschlag aus der Beschlussvorlage, den Projektträger „Die Feuerbestattungen Oberland“ auf eine Interessentenliste für ein Grundstück zu setzen. Die Pläne sind damit komplett vom Tisch.
Der Bürger-Antrag aus der Bürgerversammlung, dass ein Krematorium einen 500-Meter-Mindestabstand zu Schulen, Kindereinrichtungen, Sportanlagen und Wohnbebauung einhalten muss, stand nicht zur Abstimmung. Auf Nachfrage von Wolfgang Sacher (BfP) erklärte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU), eine Prüfung habe ergeben, dass der Antrag den nötigen Formalien nicht entsprochen habe. Mit Sachers Vorschlag, unabhängig davon einen Beschluss zu den 500 Metern zu fällen, erklärten sich alle Fraktionen einverstanden. Der Stadtrat stimmte daraufhin geschlossen zu, dass ein Krematorium „im Stadtgebiet einen Abstand von 500 Metern“ – gemeint war wohl ein Mindestabstand – „zu Schulen, Kindereinrichtungen, Sportanlagen und zur nächsten Wohnbebauung immer“ einhalten müsse.
Felix Leipold: „Nicht damit gerechnet“
Überrascht hat sich Felix Leipold von „Die Feuerbestattungen Oberland“ über das einstimmige Votum im Penzberger Stadtrat gezeigt, wonach auch das Gewerbegebiet Nonnenwald ausgeschlossen wird. „Wir haben nicht damit gerechnet“, sagte er am Mittwoch auf Nachfrage. Man müsse sich nun erst sortieren und beraten, wie es weitergeht. Ob das heißt, dass man sich in anderen Kommunen umsieht? „So weit sind wir noch nicht“, antwortete er. Ihm zufolge wird es noch einen Gesprächstermin mit dem Bürgermeister geben. Dort hoffe man, die Hintergünde zu erfahren.
„Wir haben Erfahrungen gesammelt, wir haben nichts verloren“, sagte Leipold. Man sei ergebnisoffen in das Thema gegangen, habe den Menschen ein Angebot gemacht. Die Stadt, sagte er, hätte dies hohe Gewerbesteuereinnahmen gebracht. Man könne aber damit leben, so Leipold. Dass Bedarf vorhanden ist, habe schon der Auftritt der anderen Krematorium-Betreiber bei der Infoveranstaltung gezeigt.
Vor der Entscheidung war es in der Sitzung vor allem um die Gewerbeflächen-Option gegangen. Bürgermeister Korpan erklärte, dass aktuell alle Gewerbe- und Industrieflächen per Beschluss des Stadtrats an Firmen vergeben sind. Ebenso gebe es eine beschlossene Nachrückerliste. Unabhängig davon besteht offenbar die Interessentenliste für Gewerbegrundstücke. Korpan sagte, dass darauf sowohl örtliche als auch überregionale Firmen stehen. Er ging zugleich auf die Behauptung der FDP Penzberg-Iffeldorf in den „sozialen Medien“ ein, auf dieser Liste stünden über 100 Firmen, die größtenteils Einheimische sind und teilweise über zehn Jahre warten. Korpan sagte, es gebe eine Liste mit 100 Bewerbern, aber bei weitem nicht mit 100 Einheimischen. Sie würden auch nicht seit zehn Jahren warten.
Armin Jabs (BfP) bezweifelte zudem, dass die Krematorium-Pläne mit einem Trauerraum überhaupt in einem Gewerbegebiet realisiert werden könnten. Er verwies auf ein Bundesverwaltungsgerichtsurteil, das dies für unzulässig erklärt habe. Bürgermeister Korpan sagte, dass man wahrscheinlich in einem Gewerbegebiet für eine Parzelle ein „Sondergebiet Krematorium“ ausweisen könnte. Ein Trauerraum, bestätigte er, wäre aber nicht erlaubt.
Diskussion um Gewerbeflächen
John-Christian Eilert (Grüne) sagte, es werde in Penzberg keine großen Gewerbeausweisungen mehr geben, nehme man den Entwurf des künftigen Landschaftsplans ernst. Für die wenigen Flächen sollte man Betriebe auswählen, „die wir haben wollen“, so Eilert. Ein Krematorium stehe da sicher nicht oben auf der Liste. Ludwig Schmuck (CSU) ergänzte, dass man bei der Vergabe immer auf Betriebe mit vielen Arbeitsplätzen geachtet habe, was beim Krematorium nicht der Fall sei.
Elke Zehetner (SPD) sagte, ein Krematorium brauche einen würdigen Rahmen und passe nicht ins Gewerbegebiet. Sie wiederholte zudem ihre Kritik, der Stadt sei der Wunsch der Betreiber schon früh bekannt gewesen. Ebenso verwies sie auf eine Aussage der Betreiber, Korpan sei „hellauf begeistert“ gewesen. Was dieser zurückwies: „Wenn ich mich freue, schaut das anders aus.“ Ebenso rekapitulierte er nochmals den Weg von der ersten Anfrage, dem Treffen in größerer Runde, dem Kontakt zum Landratsamt, der Beratung im Stadtrat und der Infoveranstaltung. Dies sei der richtige Weg gewesen.