Jahrelang erklärte Sepp Haslinger aus Benediktbeuern anhand einer Königskerze, wie das Wetter im Winter werden wird. Nach seinem Tod fragen viele Menschen bei seiner Tochter nach.
Benediktbeuern - Im Tölzer Land war es viele Jahre ein manchmal belächeltes, vielfach aber auch liebgewonnenes Ritual: Pünktlich zu Mariä Himmelfahrt nahm Sepp Haslinger aus Benediktbeuern den Blütenstand der Königskerze unter die Lupe und zog daraus seine Schlüsse für das Wetter des folgenden Winters. Nach alter Tradition traf er seine Vorhersage, wann und ob es schneien würde und ob mit weißen Weihnachten zu rechnen war. Doch nach dem Tod des Wetter-Orakels am 16. April fällt die kultige Prognose nun aus. Manche Anhänger fragen nun bei seiner Tochter Andrea Haslinger nach, wie die 59-jährige Benediktbeurerin im Interview mit Kurier-Redakteur Andreas Steppan berichtet.
Frau Haslinger, sicher gibt es weiter viele Anhänger der Königskerze, die nun wissen möchten, wer nach dem Tod Ihres Vaters in seine Fußstapfen tritt. Bekommen Sie dazu Nachfragen?
Ja, ich werde immer wieder gefragt, ob ich weiß, wie der Winter wird. Es ist schon erstaunlich, wie bekannt mein Vater war. Wo ich auch hinkomme, werde ich wegen meines Namens immer wieder angesprochen, ob ich mit dem Wetterkerzen-Sepp verwandt bin. Und die nächste Frage ist oft, ob ich jetzt mit den Prognosen weitermache. Aber seine Vorhersagen waren einfach untrennbar verknüpft mit einer einmaligen persönlichen Art. Er konnte seine Erfahrung und sein Wissen um die Tradition so wunderbar und humorvoll verpacken.
Was würde er wohl heuer über die Königskerze sagen?
Dass die Königskerze extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt war. Erst im Juni die Hitze, dann im Juli der viele Regen. Diese Extreme könnten die Auskunftsfreude der Königskerze beeinträchtigt haben, würde er sagen. Mittlerweile müsste ja aber eigentlich jeder selbst die Wetterkerze lesen können.
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Können Sie noch einmal eine kurze Anleitung im Sinne Ihres Vaters geben?
Man teilt den Blütenstand grob in sieben gleich große Abschnitte ein, die von unten nach oben für die Monate von Oktober bis April stehen. Ungefähr nach einem guten Drittel von unten wäre dann also der Bereich, der für Weihnachten steht. Dort, wo es viele gelbe Blüten gibt, ist Schnee zu erwarten.
Und was wäre demnach für den kommenden Winter abzulesen?
Grüne Weihnachten und ein bissl Aussicht auf Schnee am Anfang und am Ende des Winters.
Wo haben Sie die entsprechende Königskerze denn gefunden?
Auf dem Friedhof in Benediktbeuern, ganz in der Nähe seines Grabes.