In der Gemeinde Kochel laufen Überlegungen, wie man das Walchensee-Museum in Urfeld wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Das 2008 eröffnete Museum ist seit zwei Jahren geschlossen. Es beherbergt wertvolle Werke von Lovis Corinth.
Kochel am See - Das Museum wurde von Friedhelm und Inge Oriwol gegründet und entwickelt. Neben zahlreichen heimatkundlichen Exponaten und Gegenständen mit Bezug zu Richard Wagner, Franz Liszt und Franz Marc erwarb das Ehepaar mehr als 300 Grafiken von Lovis Corinth. Die Museumsgründer, beide über 90 Jahre alt und in München lebend, führten das Haus stets alleine. Mittlerweile ist das nicht mehr möglich.
Über Verbindungen zur Lovis-Corinth-Gesellschaft mit Sitz in Hamburg und in Zusammenarbeit mit Kochels Bürgermeister Jens Müller sind nun erste Schritte unternommen worden. Das Museum wird rechtlich von der Friedhelm-Oriwol-Stiftung getragen. Hans-Ulrich Wolff und Marcus Krause-Schäfer von der Lovis-Corinth-Gesellschaft sind nun zum Vorstand der Stiftung berufen worden, wie Müller im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Kraft seines Amtes als Bürgermeister wird Müller nun auch Teil des Vorstands. Erste Treffen hat es schon gegeben, auch zusammen mit Inge und Friedhelm Oriwol im Museum.
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„Es ist uns wichtig, alle Schritte mit den Museumsgründern gemeinsam zu gehen“, betont Müller. Sowohl dem Bürgermeister als auch der Lovis-Corinth-Gesellschaft liegt viel daran, das Museum wieder zu öffnen. „Ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn der Dornröschenschlaf des Museums schon bald beendet ist“, sagt Müller. Immerhin sei Lovis Corinth einer der bekanntesten Vertreter des deutschen Impressionismus.
Ideen: Café und Trauungen abhalten
Ab 1919 besaßen Lovis Corinth und seine Frau Charlotte Berend ein Haus in Urfeld, es entstanden allein 60 Landschaftsbilder vom See sowie Porträts und Stillleben. Anlässlich des 100. Todestags von Corinth läuft zurzeit in der Nationalgalerie in Berlin eine Sonderausstellung, die Müller besuchte, und Gespräche mit Vertretern der Corinth-Gesellschaft führte.
Müller zufolge muss in dem Museum in Urfeld „der ein oder andere Punkt an die heutigen Anforderungen angepasst werden“. Als Beispiele nennt er die Beleuchtung, die thematische Anordnung der Exponate und Bilder sowie auch deren Beschreibungen. „Darauf wurde bislang verzichtet, weil Herr Oriwol die Besucher stets selbst führte.“
Ehepaar will noch mithelfen
Außerdem kann sich Müller vorstellen, dass in dem Haus auch ein Café unterkommen könnte. Und ähnlich wie im Franz-Marc-Museum könnte man ja auch überlegen, dort standesamtliche Hochzeiten abzuhalten, lautet eine weitere Idee. In dem Panorama-Raum „hat man einen unglaublich schönen Blick über den gesamten See“, schwärmt Müller. Das ist aber alles noch Zukunftsmusik. Vieles ist jetzt erstmal zu klären, auch finanziell. Die Gemeinde will ihrerseits prüfen, welche Fördermittel es für Kultur-Projekte gibt, sagt Müller. Das Ehepaar Oriwol kommt noch regelmäßig nach Urfeld. „Wir sind bereit, mitzuhelfen“, sagt Oriwol unserer Zeitung.