Umweltverbände kritisieren Atommüll-Transport vom FRM II – Forderung: Zwischenlager in Garching

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Die Angst vor dem Transport des aus ihrer Sicht waffenfähigen Urans nach Ahaus brachte Umweltverbände zu einem Protest in Garching zusammen. Sie bauten ein symbolisches Zwischenlager (Mauer vorne). Im Hintergrund zu sehen: der Forschungsreaktor. © Dieter Michalek

In Garching fordern Aktivisten ein eigenes Zwischenlager für hochangereicherten Atommüll und warnen vor Risiken beim Transport nach Ahaus.

Ein Bündnis von Umweltverbänden hat am Donnerstag am Forschungsreaktor in Garching gegen den Transport von Atommüll ins Zwischenlager nach Ahaus protestiert. Zwei Castoren sollen sich demnächst auf den 700 Kilometer langen Weg machen. Eine ebenso gefährliche wie sinnbefreite Reise, warnen die Kritiker.

Der FRM II platzt aus allen Nähten. 47 von 50 Lagerplätzen für verbrauchte Brennelemente sind laut TUM belegt. In den Abkühlbecken des Reaktors lagern 300 Kilo hochangereicherten, damit waffenfähigen Atommülls. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung gestattet zunächst den Transport von zehn Brennelementen zu mehr als 30 Kilogramm nach Ahaus.

Garching: Forschungsreaktor: Protest gegen Transport von waffenfähigem Atommüll, 09.10.2025Foto: MichalekHauke Doerk
Kein Transport: Das Uran soll in Garching gelagert werden, so Hauke Doerk. © Dieter Michalek

Im Umweltinstitut München geht man davon aus, dass 25 Kilo hochangereicherten Atommülls für eine Bombe reichen. Akteure mit fortschrittlicher Technologie sollen sogar mit sieben Kilo auskommen. Der Referent für Atompolitik am Institut, Hauke Doerk, sieht daher die FRM II-Betreiber in der Verantwortung: Der Atommüll aus dem FRM II müsse abgereichert und in Garching gelagert werden.

Der Bund Naturschutz (BN) wirft den Betreibern vor, den Reaktor gegen internationale Vereinbarungen mit hochangereichertem Uran zu fahren. Da nicht einmal die USA bereit gewesen wären, den bayerischen Sonderweg zu unterstützen, habe man Uran letztlich aus Russland beziehen müssen. Der Referent für Energie & Klima beim BN, Kasimir Buhr, beklagt einen „Bruch mit internationalen Bemühungen zur Eindämmung hochangereicherten Urans“.

Garching: Forschungsreaktor: Protest gegen Transport von waffenfähigem Atommüll, 09.10.2025Foto: MichalekKasimir Buhr
Einen Bruch „mit internationalen Bemühungen“ kritisiert Kasimir Buhr vom BN. © Dieter Michalek

Dass sich demnächst zwei Castoren auf den Weg ins Zwischenlager machen, sieht man in Ahaus gar nicht gern. Der extra aus dem Münsterland angereiste Matthias Eickhoff berichtet von „großer Unruhe über die aus Bayern geplante Atommüll-Verschiebung“. Die Stadt selbst hat Widerspruch erhoben. Die Brennelemente aus dem FRM II in Ahaus einzulagern, ergibt für die Menschen dort oben einfach keinen Sinn. Die Genehmigung für das Zwischenlager läuft bereits 2036 aus.

Dazu kommen die Risiken des Transports. Über allerlei Unfallszenarien bis hin zu terroristischen Anschlägen; Sarah Lahl von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt warnt davor, Gefahren zu unterschätzen: Gegen Angriffe durch Drohnen etwa wären Castoren „völlig unzureichend“ gesichert. Einem Flugzeugabsturz soll nicht mal das Zwischenlager widerstehen können.

Garching: Forschungsreaktor: Protest gegen Transport von waffenfähigem Atommüll, 09.10.2025Foto: MichalekSarah Lahl von ausgestrahlt
Verantwortung übernehmen, fordert Sarah Lahl vom Verein „.ausgestrahlt“. © Dieter Michalek

Bei typischem Herbstwetter war die Veranstaltung in Sichtweite des FRM II nicht übermäßig gut besucht. Auch wenn die Betreiber des FRM II bestreiten, dass hochangereichertes Uran aus dem FRM II keineswegs für eine atomare Bombe zweckentfremdet werden könne, rufen Umweltorganisationen den Freistaat auf, die Betreiber an ihre Verantwortung zu erinnern. Hierzulande, so der von Greenpeace aus Hamburg entsandte Kernphysiker, Heinz Mital, gelte immer noch das Verursacherprinzip.

In Nordrhein-Westfalen hat sich unlängst der Betreiber eines Kernreaktors von seinen Verpflichtungen in die Insolvenz geflüchtet. Dem Land steht eine Milliarden-Pleite ins Haus. FRM II wird ebenfalls zu einem Gutteil von der TU München über Steuergelder finanziert. Sofern es gelingt, zurzeit als unüberwindbar geltende technische Anforderungen zu meistern, soll der Reaktor in den 2030er Jahren auf niedrig-angereichertes Uran umgestellt werden. Sollte diese Hürde nicht genommen werden können, schwant den Umweltverbänden Böses. In jedem Fall will man verhindern, dass auch für FRM II der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird