Hummer zu Weihnachten: Aber nun läuft weltgrößten Flugzeugträger die Zeit weg

US-Präsident Trump will maximalen Druck auf das Regime Maduro in Venezuela und die Drogenkartelle: Deshalb schickte er den weltgrößten Flugzeugträger: Die "USS Gerald R. Ford" soll zur Zeit 4500 Mann Besatzung und bis zu 75 Kampfflugzeuge beherbergen.

Weltgrößter Flugzeugträger benötigt dringend eine Wartung

Doch laut einem Bericht der "New York Times" könnte es für Trump und sein Superschiff jetzt eng werden: Nach sechs Monaten ununterbrochenem Einsatz benötigt das 2017 in Dienst gestellte Kriegsschiff dringend eine Wartung.

Als die Besatzung Ende Oktober aus dem Hafen der beschaulichen Stadt Split in Kroatien auslief, war ihre beschauliche Europa- und Mittelmeer-Kreuzfahrt vorbei. Denn US-Verteidigungsminister Pete Hegseth befahl die Reise in die Karibik und somit gegen Venezuela.

Kurz zuvor war die "Ford" noch in der Nordsee gewesen. Kampfflugzeuge starteten von dort in das 1600 Kilometer entfernte Nato-Übungsgebiet in der Nordsee.

F/A-18-Jets flogen dafür rund 1600 Kilometer, warfen ihre Bomben im finnischen Übungsgebiet Hästö-Busö an der Nato-Ostflanke ab und kehrten anschließend zum Träger zurück. Nach einem kurzen Stopp vor Mallorca wird es nun in der Karibik ernst für die US-Soldaten.

Trotz Prime-Rib-Steaks angeschlagene Truppenmoral

Laut "New York Times" gab es an Heiligabend für die Besatzung Hummerschwänze und Prime-Rib-Steaks. Trotzdem dürfte die Moral der Truppe angeschlagen sein. Denn zu Beginn ihres siebten Einsatzmonats ist unklar, wie es weiter geht. 

Weder die Marine noch das Pentagon teilten mit, wann der Einsatz enden könnte und, ob ein anderer Flugzeugträger die "Ford" ersetzen könnte. Wie ein Navy-Angehöriger jetzt der „New York Times“ anonym sagte, soll es gravierende Wartungsprobleme geben.

Nach seinen Angaben geht es um notwendige Modifikationen an einem der Systeme, die zur Landung von Kampfflugzeugen auf dem Flugdeck verwendet werden. Diese Modifikationen seien seit acht Jahren geplant – neben vielen anderen geplanten Modernisierungen des Schiffes.

Diese können aber nur in einer Industriereparatur durchgeführt werden, sprich in einem heimatlichen Hafendock. Die notwendigen Updates seien seit Inbetriebnahme der "USS Ford" bekannt. Die aktuellen Nachfolgeschiffe aus der "Gerald R. Ford"-Klasse "John F. Kennedy" und "Enterprise" werden hingegen bereits mit den Verbesserungen gebaut und getestet. 

Dauer-Einsatz gegen Drogenboote beansprucht die Technik

Die "Gerald R. Ford" wird gegenwärtig stark beansprucht, versucht doch die Trump-Regierung mit dauerhaften Angriffen auf mutmaßliche Drogenschmuggel-Schiffe den militärischen Druck hochzuhalten - nicht nur mit Einsätzen der US-Küstenwache.

Die häufigen Einsätze zwingen den Flugzeugträger dazu, an Versorgungsschiffe anzudocken, um mehr Flugbenzin, Ersatzteile und Lebensmittel aufzunehmen, während Drohnen und Kampfhubschrauber des "Joint Special Operations Command" weiterhin kleine Motorboote in der Region angreifen, die im Verdacht stehen, Drogen zu schmuggeln.

"Sie fliegen viele Einsätze", sagte Senator Mark Kelly, Demokrat aus Arizona und pensionierter Berufsflieger der Marine, in einem Interview über den Flugzeugträger und seine Besatzung. "Und jetzt, wo sie bei sechs Monaten sind, passiert alles Mögliche."

Die raue Asphaltschicht - auch Antirutsch-Schicht genannt - auf dem Flugdeck soll die Haftung der Flugzeuge erhöhen. Doch diese beginne nach so langer Zeit auf See in größeren Mengen abzusplittern, sagte der Senator. Das erfordert eine Pause der Flugoperationen von ein paar Tagen, um das Deck wieder aufzudecken, damit Kriegsflugzeuge nicht herumrutschen.

Mark Kelly weiß, wovon er spricht. Während des Golfkriegs 1991 war Kelly Kampfpilot und an Bord des Flugzeugträgers "Midway" eingesetzt. Von dort flog er Einsätze im Irak. Einen Flugzeugträger länger als sechs Monate auf See zu halten, wie er damals erlebte, sei hart für die Mannschaft, so Kelly.

Hegseth bedroht kritischen US-Senator mit Ermittlungen

"Es zehrt an einem irgendwie", sagte er. "Und man sieht, wie Unfälle passieren – nicht nur Piloten, die mit Flugzeugen abstürzen, sondern auch Unfälle auf dem Flugdeck", wie Seeleute, die zu nah an die Turbinen der Strahltriebwerke oder rotierende Propeller herangingen.

"Alle möglichen Dinge passieren, wenn man längere Zeit draußen ist", sagte der demokratische Senator, der erst kürzlich hart mit Verteidigungsminister Pete Hegseth aneinandergeraten ist. Grund: Kelly hatte in einem Video US-Soldaten aufgefordert, illegale Befehle zu verweigern. 

Hegseth hatte daraufhin Marineminister John Phelan angewiesen, eine Untersuchung gegen Kelly für ein "potenziell rechtswidriges Verhalten" einzuleiten.

Der republikanische Abgeordnete Nick LaLota aus New York widersprach Kelly in einem Interview. Er sei nicht besorgt darüber, dass das Rückkehrdatum der "Ford" nicht öffentlich bekannt sei. Das Schiff leiste eine wichtige Arbeit zur "Beseitigung von Drogenterroristen".

"Ich bin mir der Auswirkungen bewusst, die lange Einsätze auf Seeleute und ihre Familien haben", sagte LaLota, der selbst mehr als sieben Jahre als Offizier der Marine im Bereich Oberflächenkriegsführung tätig war und zweimal auf Kriegsschiffen eingesetzt wurde.

Und: "Ihr Opfer wird vom Kongress und von der Nation gewürdigt. Wir haben Hochachtung davor, dass unsere Seeleute so häufig das Land und die Bedürfnisse des Landes über ihre eigenen Bedürfnisse stellen."

Flugzeugträger müsste bis zu sechs Monate in die Werft

Laut "New York Times" stützt der ehemalige Vizeadmiral Mike Franken die Skepsis an einem längeren Einsatz der "Ford". Franken sagte, dass die für die Ford nach diesem Einsatz geplante Wartungsphase in einer Werft wahrscheinlich vier bis sechs Monate dauern werde.

Diese Wartungsarbeiten weiter herauszuzögern, würde zu einer Kostenspirale führen, die der Präsident und der Verteidigungsminister wahrscheinlich nicht in Betracht gezogen hätten, so Franken.

Eine Verlängerung des Einsatzes der "Ford" werde wahrscheinlich bedeuten, dass andere Schiffe früher und für kürzere Dauer als geplant in die Werften geschickt werden. Dadurch würden auch erforderliche Wartungsarbeiten auf den anderen Schiffen leiden.

"Was bestimmt die Verfügbarkeit von Schiffen? Gute Schiffe und großartige Besatzungen?" sagte Admiral Franken. "Ja, bis zu einem gewissen Grad, aber eigentlich ist es die technische Instandhaltung und Wartung."

Ex-Vizeadmiral warnt vor gefährlichem Verschleiß

Der Ex-Vizeadmiral skizzierte das Problem auf drastische Weise: So könnten die Aufzüge, die die "Ford" nutzt, um Kampfflugzeuge vom Hangar zum Flugdeck hoch zu transportieren, versagen. Bald schon könnte der Flugzeugträger seine eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Ein weiterer Dauereinsatz wäre nach dieser Logik eine gigantische Ressourcenvernichtung. Schließlich ist die "RSS Gerald R. Ford" ein Schiff der Superlative: Die Baukosten verschlangen 13 Milliarden Dollar und mit 100.000 Tonnen Gewicht und 330 Metern Länge ist es der größte Flugzeugträger der Welt. 

Das am 22. Juli 2017 in Dienst gestellte Schiff ist mit mehreren technologischen Innovationen ausgestattet. Dazu gehören das elektromagnetische Katapultsystem (EMALS) anstelle der traditionellen dampfbetriebenen Katapulte, fortschrittliche Radarsysteme und ein neues Reaktorsystem, das mehr elektrische Energie erzeugt.

Zwei Kernreaktoren versorgen das Schiff über einen Zeitraum von 20 Jahren, ohne dass Treibstoff nachgefüllt werden muss. An der Energie wird ein Dauereinsatz somit zuletzt scheitern.