Wegen territorialer Einbußen entließ Kiew zwei Korpskommandeure. Es ist der erste Führungswechsel seit der Umstellung auf das Korps-Kommandosystem.
Kiew – Beim ukrainischen Militär gab es aufgrund der schweren Gebietsverluste im Ukraine-Krieg Konsequenzen: Wie das Online-Portal Ukrainiska Pravda berichtet, hat der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj zwei Korpskommandeure abberufen. Zum einen Wolodymyr Silenko, der das 17. Korps leitete, und Maksym Kituhin, Kommandeur des 20. Korps.
Nach Informationen von zwei Quellen aus Militärkreisen erfolgte die Ablösung beider Offiziere bereits vor ein bis zwei Wochen. Die Entscheidung Syrskyis steht offenbar in direktem Zusammenhang mit territorialen Verlusten in den jeweiligen Einsatzgebieten der Korps.
Erste Entlassung seit Umstellung auf Korbs-System: Kommandeure müssen wegen Gebietsverlusten gehen
Das von Silenko geführte 17. Korps operiert in der Region Saporischschja, wo ukrainische Truppen kürzlich das Dorf Kamjanske sowie Teile der Ortschaft Plavni am Dnipro-Ufer an russische Kräfte verloren. Kituhins 20. Korps war im Grenzgebiet zwischen den Regionen Donezk und Dnipropetrowsk eingesetzt, wo russischen Truppen unter Wladimir Putin der Vorstoß in die Oblast Dnipropetrowsk gelang.
Diese Personalentscheidungen markieren die ersten bedeutenden Führungswechsel, seit die ukrainischen Streitkräfte auf das neue Korps-Kommandosystem umgestellt wurden. Zur Erklärung: Anfang 2024 vollzog die Ukraine einen bedeutsamen Wandel in ihrer Militärorganisation: Weg von der bisherigen Brigade-Struktur hin zu einem hierarchischen Korps-System.
Diese neuen Großverbände vereinen jeweils fünf bis sechs mechanisierte Brigaden unter einem Dach und integrieren zusätzlich spezialisierte Einheiten wie Panzer-, Artillerie- und Drohnentruppen sowie Logistik- und Nachrichtendienst-Komponenten. Die Reform fiel zeitlich mit dem Führungswechsel an der Militärspitze zusammen – der neue Oberbefehlshaber Syrskyi trieb diese strukturellen Veränderungen maßgeblich voran.
Mehr Koordination im Ukraine-Krieg: Korps-Struktur soll Schwachstellen der Streitkräfte beheben
Jahrelang hatten Militärexperten das Fehlen einer mittleren Kommandoebene zwischen Brigade und Generalstab als strukturelle Schwachstelle der ukrainischen Streitkräfte bemängelt. Die neue Korps-Struktur solle nicht nur die Koordination zwischen den Kampfverbänden verbessern, sondern auch den kulturellen Wandel von sowjetischen zu westlichen Führungsprinzipien vorantreiben.
Derweil geht der Ukraine-Krieg unvermittelt weiter. Bei russischen Angriffen in der Ukraine sind nach ukrainischen Behördenangaben zwei Menschen getötet worden. Der Chef der Militärverwaltung der südöstlichen Region Saporischschja erklärte am Dienstag (16. September), bei einem russischen Angriff sei ein Mensch getötet worden. Neun Menschen seien verletzt worden, darunter ein Kind. (Quellen: Eigene Recherche, Ukrainiska Pravda, dpa) (bg)