Die Ukraine hat mit dem Flamingo einen eigenen Marschflugkörper entwickelt. Die Waffe bereitet den russischen Streitkräften wohl erhebliche Probleme.
Kiew – Die Bemühungen des US-Präsidenten Donald Trump und der Europäer um einen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg haben bislang nichts gebracht. Stattdessen wehrt sich die Ukraine weiter gegen den heimtückischen Überfall aus Russland. Sie tut dies auch mit dem selbst entwickelten Riesen-Marschflugkörper namens „Flamingo“.
Nach und nach werden mehr Details zu dem gewaltigen Marschflugkörper bekannt, der über zwölf Meter lang sein soll, eine Spannweite von sechs Metern hat und offenbar von einem oben montierten Triebwerk sowie mithilfe einer Bodenstartrampe beschleunigt wird. Das amerikanische Nachrichtenmagazin Politico veröffentlichte ein Video (siehe unten), das einen Test mit der großen Rakete zeigen soll.
Marschflugkörper der Ukraine: Neue Waffe gegen Wladimir Putins Russland-Armee
Wie das Center for European Policy Analysis (CEPA) in einer aktuellen Analyse schreibt, kann der ukrainische Rüstungshersteller einen FP-5 Flamingo am Tag und demnach 30 Marschflugkörper im Monat bauen. Herstellerangaben zufolge wären sogar 2500 Marschflugkörper monatlich möglich. Wenn es zu einer entsprechenden Finanzierung und zu einem Ausbau der Fertigungskapazitäten käme.
Laut CEPA kann die Rakete eine Nutzlast von 1150 Kilogramm tragen, ergo, Bomben mit einem derartigen Gewicht. Militärblogger mutmaßen, das eine ursprüngliche Freifallbomben aus der FAB-Waffenfamilie zum Einsatz kommt, die FAB-1500 mit dem Gewicht von über einer Tonne. Sie ist demzufolge vorne in den Marschflugkörper integriert. Das würde eine enorme Zerstörungskraft beim Aufschlag bedeuten.
Die Reichweite soll verschiedenen Quellen zufolge bei bis zu 3000 Kilometer liegen, die Flugdauer bei Angriffsmissionen bei vier Stunden. Damit lassen sich in der Theorie viele Ziele in Russland treffen. Von Kiew nach Moskau sind es etwa rund 740 Kilometer Luftlinie. Entsprechend soll das russische Regime des Kreml-Autokraten Wladimir Putin laut der Analyse durch die Raketen-Neuentwicklung unter Druck stehen.
Verluste für Wladimir Putin: Ukrainer testen Flamingo gegen militärische Ziele Russlands
In der Cepa-Analyse ist indes von „gemischten Ergebnissen“ nach einem Luftangriff mit drei Flamingo-Marschflugkörpern die Rede. Eine Rakete habe das Ziel um 100 bis 200 Meter verfehlt, eine andere sei zwischen 15 und 40 Meter neben dem Ziel eingeschlagen und habe erhebliche Schäden verursacht, heißt es in der Analyse. Der dritte Flamingo sei beim Anflug abgestürzt, heißt es weiter. Ob die russische Flugabwehr Mittel gegen die Waffe hat, ist bislang nicht bekannt.
Während die Ukrainer den Russen auch im Schwarzen Meer Verluste zufügen und der Vorfall mit russischen Drohnen über Polen weiter große Bedenken im Westen schürt, wird vermutet, dass die Flamingo-Marschflugkörper ihre Ziele mithilfe eines Trägheitsnavigationssystems, kurz INS, ansteuern. Laut Reuters hatte die dänische Regierung Anfang September angekündigt, Treibstoff für die ukrainischen Marschflugkörper zu produzieren und Kiew damit gegen Putin zu unterstützen. (Quellen: Reuters, Politico, CEPA) (pm)