Im Ohlstädter Landhaus des Kunstmalers Friedrich August von Kaulbach verlebten die Töchter des Malerfürsten eine unbeschwerte Kinderzeit; wie Hedda Schoonderbeek-von-Kaulbach – damals schon in einem sehr betagten Alter – im Sommer 1989 anlässlich einer privaten Hausführung erzählte. Heute ist das Atelier in der ‚von Kaulbach-Straße 22‘ als kleines Museum für die Öffentlichkeit zugänglich.
Ohlstadt - Am 2. Juni 1850 kam Friedrich August Christian Siegmund Kaulbach in München zur Welt. Schon als Schüler bekam er von seinem Vater Mal- und Zeichenunterricht. Es folgten Studien an der Kunstschule in Nürnberg und an der Kunstakademie in München. In der Dresdener Gemäldegalerie kopierte Kaulbach die alten deutschen Meister.
Nach zahlreichen Auslandsreisen wurde Friedrich August Kaulbach Ehrenmitglied und Professor der Akademie der bildenden Künste in München. Am 28. April 1885 erhielt er den Adelstitel ‚Ritter von Kaulbach‘. Elisabeth Freifrau von Cramer-Klett saß für ihn Modell. Auch Prinzregent Luitpold von Bayern und Oskar von Miller liesen sich von Kaulbach malen.
Zum Luftschnappen unternahm Kaulbach Jagdtouren in den Bergen. Bei diesen Gelegenheiten zeichnete er die Revierjäger und machte Gebirgsskizzen. Als die Jagdpacht am Heimgarten bei Ohlstadt frei wurde, griff Kaulbach rasch zu und bezog 1893 ein Sommerhaus in der Gemeinde. Das Häuserl ließ er 1903 und 1908 nach eigenen Entwürfen erweitern – markant sind die großen Atelierfenster in Richtung Süden.
Am 15. Mai 1897 heiratete Kaulbach in Kopenhagen die Geigerin Frieda Schythe. Es folgten die Geburten der Töchter Doris, Hedda und Mathilde – die später den Kunstmaler Max Beckmann heiratete.
Hedda Schoonderbeek-von-Kaulbach wohnte bis zu ihrem Tod 1992 in einem Haus neben der väterlichen Villa. Beim Anblick der Kunst ihres Vaters kam die rüstige Dame ins Schwärmen: „Besonders die Gesichter lassen etwas von der Seele spüren, die der Vater in seine Bilder legte.“
Kaulbachs Spottbilder
Friedrich von Kaulbach war eng mit dem Zeichner Olaf Gulbransson befreundet. Als kleinen Familienschatz zog Hedda Schoonderbeek-von-Kaulbach die sogenannte Olaf-Mappe aus einer Schublade im Garfikzimmer. Es handelt sich dabei um Illustrationen zu einem Briefwechsel zwischen Gulbransson und Kaulbach. Besonders stolz war Hedda Schoonderbeek-von-Kaulbach auf Karikaturen und Zeichnungen, die einen humorvollen und spontanen Kaulbach dokumentieren: „Vater stand dem ihn umgebenden Hochadel und dem Großbürgertum kritisch gegenüber; obwohl er selber dazugehörte. Das beweisen seine Spottbilder.“
Unbeschwerte Kinderjahre
Bei den Ohlstädtern waren die Kaulbachs beliebt; Hedda Schoonderbeek-von-Kaulbach berichtete: „Ohlstadt war ein Dorf. Wir konnten uns gar nicht von den Einheimischen abschotten, und wir wollten das auch gar nicht. Meine Schwestern und ich trugen meistens Lederhosen, damit konnten wir am besten auf die Bäume klettern.“Die Mädchen verlebten unbeschwerte Jahre in Ohlstadt, und der Vater skizzierte, wie die Drei Elfengleich durch den Garten hopsten.
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Am 26. Dezember 1919 bekam Friedrich August von Kaulbach die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Ohlstadt verliehen. Vier Wochen später starb der Künstler am 16. Januar 1920. Im Sommer 1989 blieb Hedda Schoonderbeek-von-Kaulbach vor einem Selbstportrait des Malers stehen: „Vater war eine stattliche Persönlichkeit. Man kann schon sagen, ein schöner Mann. Sein Auftreten, seine ganze Erscheinung hatte Stil. Und er war der liebevollste Vater, den man sich wünschen konnte.“
Herr Schmierant zu Besuch
Nach dem Tod des Malerfürsten führte seine Witwe Frieda mit den drei Töchtern den herrschaftlichen Haushalt in Ohlstadt weiter. Später zogen die Mädchen als junge Frauen weg. Mathilde heiratete den Kunstmaler Max Beckmann. Mit der Wahl ihrer Jüngsten war Frieda von Kaulbach nicht zufrieden. Hedda Schoonderbeek-von-Kaulbach schmunzelte, als sie erzählte: „ Immer wenn Mathilde und Max zu Besuch nach Ohlstadt kamen, stöhnte die Mutter: ‚Jetzt kommt er schon wieder, der Herr Schmierant.‘“ Falls Interesse an Führungen in der Kaulbachvilla besteht, kann sich an die Gästeinformation in Ohlstadt gewendet werden. Die Telefonnummer lautet 08841-671250.
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