Noch im Oktober will die Stadt Mindelheim die Machbarkeitsstudie für die Mindelburg auf den Weg bringen. Sie soll zeigen, ob die Burg künftig als Museumsstandort taugt – und wie sie sich in die Mindelheimer Museumslandschaft einfügen könnte.
Mindelheim – Seit Jahren wird über die Zukunft der Mindelburg diskutiert. Jetzt könnte das Projekt erstmals greifbare Konturen annehmen: Die Stadt will noch im Oktober eine Machbarkeitsstudie ausschreiben, die klären soll, ob sich die Burg als Museumsstandort eignet – und welche Chancen und Grenzen damit verbunden sind.
„Wenn wir ausschreiben wollen, müssen wir erstmal festlegen, was wir ausschreiben wollen“, sagte Bürgermeister Dr. Stephan Winter zu Beginn der Stadtratssitzung. Museumsleiterin Friederike Haber präsentierte anschließend die Eckpunkte des Leistungsverzeichnisses, das in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern erarbeitet wurde. Es dient als Grundlage für die geplante Untersuchung.
Blick auf das große Ganze
Haber machte deutlich: Die Studie beschränkt sich nicht auf die Mindelburg selbst. Sie soll auch die gesamte Museumslandschaft Mindelheims in den Blick nehmen. Aktuell gibt es sechs Museen – vier davon im Colleg. Das Heimatmuseum und das Turmuhrenmuseum sind derzeit geschlossen.
Ziel sei es, zunächst die aktuelle Situation zu analysieren: Unterbringung, Zustand, Themen der Sammlungen, Zielgruppen, Vermittlungsangebote und Besucherentwicklung. Anschließend sollen Entwicklungsoptionen aufgezeigt und strategische Ziele formuliert werden. Erst in einem dritten Schritt gehe es darum, wie sich diese Ziele erreichen lassen. „Das ist kein fertiges Handlungskonzept, sondern eine Grundlage für weitere Entscheidungen“, betonte Haber.
Ergebnisse frühestens Mitte 2026
Aufgrund der Weihnachtsphase hat die Stadt für die Submission der Angebote einen Zeitpuffer bis 19. Januar 2026 eingeplant. Erste Ergebnisse werden zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet. Die Studie selbst dürfte vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen.
Für die Finanzierung liegen 45.000 Euro aus Fraktionsmitteln bereit, erklärte die Referentin der Landesstelle Almut Grüner auf Nachfrage von Christian Sedlmeir (AfD). Die Stadt steuere fünf Prozent Eigenanteil bei. „Damit kostet die Stadt die Machbarkeitsstudie rund 5.000 Euro – ein überschaubarer Betrag für ein Projekt dieser Bedeutung.“
Ein wichtiger Teil der Untersuchung betrifft auch das Depot. Es werde, so Grüner, vor Ort auf seine konservatorischen Bedingungen geprüft.
Mehrzwecknutzung und Bürgerbeteiligung im Fokus
Die Stadträte begrüßten den geplanten Schritt weitgehend. Stefan Drexel (Freie Wähler) sprach von einer „wichtigen Weichenstellung für alle Mindelheimer“. Die Studie liefere endlich „schwarz auf weiß, was mit der Burg möglich ist – und eine Grundlage, wie wir zum Wohle der Bürger weiter verfahren können“.
Mehmet Yesil (SPD) lobte die geplante Bürgerbeteiligung als wichtigen Baustein, um Akzeptanz für das kostspielige Vorhaben zu schaffen. Zugleich regte er an, auch über eine Mehrzwecknutzung der Burg nachzudenken – sowohl kulturell als auch wirtschaftlich. Außerdem fragte er, wie die oberen Etagen künftig eingeplant seien. Winter entgegnete, diese Fragen würden Teil der Studie sein.
„Die Burg bleibt nicht isoliert“
CSU-Stadtrat Fritz Birkle wollte wissen, wann die Mindelburg wieder öffentlich zugänglich sein werde. „Das kann derzeit niemand sagen“, so Winter. „Die Finanzierung und der Umfang der Arbeiten hängen vom Ergebnis der Studie ab.“ Wenn die aktuellen Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sind, soll die Burg jedoch zumindest zeitweise wieder geöffnet werden.
Auch Stadtrat Peter Miller (ÖDP) betonte die Bedeutung, alle bestehenden Museen in die Überlegungen einzubeziehen. „Entscheidend ist, wie wir die Burg an die Stadt anbinden – dass die Besucher nach ihrem Rundgang auch in die Innenstadt kommen.“ Winter versicherte: „Das ist Teil des Konzepts. Die Burg bleibt nicht isoliert.“
Zwischenlösung und Geduld gefragt
Ein weiteres Thema war der Verbleib der Exponate aus dem geschlossenen Heimatmuseum. Friederike Haber berichtete auf Manfred Salgers (CSU) Nachfrage, es gebe eine Zusage für eine mittelfristige Lagerung, langfristig werde aber ein Zentraldepot angestrebt.
Ursula Kiefersauer (Bürgergemeinschaft Mindelheim) erinnerte daran, dass die Umsetzung noch Jahre dauern werde. „Wir müssen uns auf eine lange Zeit einstellen“, sagte sie – und regte an, die Burg in der Zwischenzeit mit Sonderausstellungen oder Wanderausstellungen zu beleben. „Die Mindelburg ist ein Objekt von nationaler Bedeutung. Und mit der Finanzierung werden sich wohl auch künftige Generationen auseinandersetzen müssen.“
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